1:1-Umsetzung bei GLÖZ 8!

Berlin. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, fordert die Bundesregierung auf, die Vorschläge der EU-Kommission zur Aussetzung der sogenannten GLÖZ 8 Regelung jetzt 1:1 umzusetzen. „Wir deutschen Bauern brauchen jetzt die Entscheidung, die uns die gleichen Voraussetzungen wie anderen Landwirten in der EU sichert. Ein deutscher Alleingang und eine Ungleichbehandlung ist inakzeptabel. Es ist ein Unding, dass erneut über die Köpfe von uns Bauern hinweg entschieden werden soll“, so Bauernpräsident Rukwied. Die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen bis spätestens Ende Februar eindeutige Informationen über die Bedingungen bei GLÖZ 8. Das gelte auch für etwaige Änderungen bestimmter Maßnahmen bei den Ökoregelungen (ÖR) und gegebenenfalls auch bei den Umweltmaßnahmen (AUKM).

Gleichzeitig fordert der DBV eindeutige Signale von der Bundesregierung für eine Stabilität und Verlässlichkeit bei den Direktzahlungen. „Es ist nicht akzeptabel, dass schon wieder die finanziellen Rahmenbedingungen bei den Eco Schemes und die erste Säule kurzfristig verändert werden sollen“, so Rukwied.

Erforderlich wäre es aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes, dass die Bundesregierung die bestehenden Maßnahmen bei den Ökoregelungen durch höhere Prämien, deutlich praktikablere Vorgaben und mehr Flexibilität verbessert. Der DBV und die Landesbauernverbände haben dazu Vorschläge eingebracht.

Weingenuss und Literatur – Bitterböse Betthupferl

Koblenz. Am Freitag, den 01. März ab 19.30 Uhr, wird Schriftstellerin Andrea Revers in der Rotunde des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau aus ihrem Buch „Bitterböse Betthupferl“ lesen. Revers ist Diplom-Psychologin und Journalistin und lebt in der Eifel. Sie schreibt Kurzgeschichten, prägnant und auf den Punkt gebracht mit Eifeler Bezügen. Spannung und Witz sind garantiert.

Begleitet wird die Lesung von Julia Müller vom Weingut Toni Müller aus Güls mit auserlesenen Weinen. Seit zwölf Generationen pflegt Familie Müller die Reben auf steilen Hängen rund um Güls und Winningen. Jedes Familienmitglied der drei Generationen auf dem Weingut bringt sich ein und macht das Weingut zu dem, was es heute ist. Einzigartig.

Die Teilnehmergebühr beträgt 18 Euro. Informationen und Anmeldungen bitte an: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., Karl-Tesche-Straße 3, 56073 Koblenz, Telefon: 0261 9885-1112 (vormittags), E-Mail: meurer@bwv-net.de oder hier online.

Die Zeit der Absichtserklärungen ist vorbei

Mainz. Während des Gesprächs der Präsidenten der beiden rheinland-pfälzischen Bauern- und Winzerverbände und der Landwirtschaftskammer Michael Horper und Eberhard Hartelt mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt machten die berufsständischen Vertreter deutlich, dass die Zeit von Willensbekundungen und Absichtserklärungen vorbei sei. Die Bauern- und Winzerfamilien würden schnell konkrete betriebliche Entlastungen und Zukunftsperspektiven benötigen. Horper wies darauf hin, dass die Landwirtschaft und der Weinbau vor allem in den letzten beiden Jahren unter finanziellen Kürzungen, überbordender Bürokratie und den zunehmenden Auflagen sehr gelitten hätten. Damit müsse endlich Schluss sein: „Jetzt erwarten wir umgehend positive Ergebnisse seitens der Politik und von unserer Ministerpräsidentin, damit unsere Bauern und Winzer zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Der Einsatz für den vollständigen Erhalt des Agrardiesels wäre ein erster wichtiger Schritt, dem zeitnah noch viele weitere folgen müssen.“

Hier geht es zum Pressebericht der Staatskanzlei

Agrardiesel – Podcast an die Bundestagsabgeordneten

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Mehr Informationen

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau wendet sich mit einem mit Bildern unterlegten öffentlichen Podcast an alle Bundestagsabgeordneten. Damit wird noch einmal die Intention der Bauern und Winzer in der aktuellen Debatte deutlich und ein klarer Appell an die Abgeordneten gerichtet, sich für den Erhalt der Steuererleichterungen beim Agrardiesel einzusetzen.

Große Demonstration in Berlin – Bundesregierung hält an Agrardieselsteuererhöhung fest

Berlin. Viele tausend Bäuerinnen und Bauern, Unterstützer aus dem Transport- und Gastgewerbe sowie des Handwerkes demonstrierten am Montag in Berlin vor dem Brandenburger Tor gegen weitere Verschärfungen durch die Bundesregierung. Auch aus dem Verbandsgebiet des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau hatten sich zwei Busse aus Eifel und Westerwald auf den Weg gemacht. Aus dem Hunsrück reisten die Bauern mit der Bahn nach Berlin, um bei der Großdemonstration dabei zu sein.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, freute sich über die geschätzten 30.000 Menschen und 6.000 Schlepper, die nach Berlin gekommen seien, um ihren Forderungen gegen weitere wirtschaftliche Verschärfungen Nachdruck zu verleihen. Rukwied rief den Teilnehmern und den Vertretern der Bundesregierung zu: „Es reicht, zu viel ist zu viel. Nehmen Sie die geplanten Steuererhöhungen zurück.“

Der Bauernpräsident verwies auf das große Engagement der Bäuerinnen und Bauern während der vergangenen Aktionswoche in Deutschland, die mit über 100.000 Schleppern und noch mehr Bäuerinnen und Bauern umgesetzt wurde. Hunderte von Veranstaltungen hätten, laut Rukwied, der Politik und der Gesellschaft deutlich gemacht, dass die Landwirtschaftsfamilien für ihre Interessen und für die Selbstversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln eintreten würden: „Ohne uns kein Essen!“, betonte er. Er stellte fest, dass alle Demonstrationen der vergangenen Woche auf dem Boden des Grundgesetzes stattgefunden hätten und die Bäuerinnen und Bauern ihre Anliegen auf demokratischer Basis vorbringen würden. Dankbar zeigte sich Rukwied darüber, dass es gelungen sei, Rettungswege für Einsatzfahrzeuge frei zu halten. Das habe ihm auch die Polizei bestätigt.

Rukwied gab zu, dass er grundsätzlich ein kompromissbereiter Mensch sei, es müsse sich aber um faire Kompromisse handeln. Die Abschaffung der Agrardieselsteuerrückvergütung sei aber kein fairer, sondern ein „fauler Kompromiss“, da er die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft am EU-Binnenmarkt nachhaltig schwächen würde. Die Regierung sei drauf und dran der Landwirtschaft ihre Arbeit wegzunehmen. Deshalb werde der Berufsstand weiterhin mit seinen Schleppern auf die Straßen gehen, bis die Regierung die Forderungen nach Rücknahme der Steuererhöhungen erfüllen werde. Umfragen hätte ergeben, dass 70 bis 80 Prozent der Mitbürger hinter der Landwirtschaft stünden. Dies sei großartig und zeige, dass insbesondere die ländliche Bevölkerung der Landwirtschaft in unserer Gesellschaft eine hohe Wertschätzung entgegenbringe. Die Bürger im Lande stünden aber auch deshalb hinter der Landwirtschaft, weil sie der Meinung seien, dass sich die Politik wieder stärker am Willen der Menschen orientieren müsse. Eine gesicherte Versorgung mit heimischen, regionalen Lebensmitteln sichere die Demokratie. Das dürfe die aktuelle Regierung nicht außer Acht lassen.

„Wir benötigen wieder eine Politik, die arbeitende Menschen entlastet und nicht immer weiter belastet. Daher ist in der Regierung dringend ein Sinneswandel notwendig,“, so Rukwied. Das gelte auch für weite Teile des Mittelstandes, der wie die Landwirtschaft durch Auflagen und nationale Kostensteigerungen ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter verlieren werde. Deshalb stünden die Bauern heute auch nicht alleine hier, sondern würden von vielen Branchen unterstützt.  

Mit der Zukunftskommission Landwirtschaft, der Borchert-Kommission und der Bereitschaft zu einer „grüneren“ Landwirtschaft hätte der Berufsstand bereits Angebote gemacht. Die Regierung hingegen, habe nichts aus all den Ergebnissen der verschiedenen Kommissionen umgesetzt. Die Landwirtschaft habe sich immer für eine Modernisierung, für eine nachhaltige Bewirtschaftung und für eine Berücksichtigung der gesellschaftlichen Wünsche eingesetzt. Der Dank dafür seien immer weitergehende Kürzungen und Auflagen. An die Politik gerichtet rief Rukwied: „Wir sind gesprächs- und kompromissbereit, aber wir fordern selbstbewusst unsere Anliegen ein. Das sind wir uns und der Gesellschaft schuldig.“ Es sei ärgerlich, dass vor den geplanten Kürzungen nicht mit dem Berufsstand gesprochen worden sei. Auch der Bundeslandwirtschaftsminister sei in die Entscheidung der Regierung nicht eingebunden worden. Das mache nachdenklich. Es müsse zwingend über die Auflagen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, also von GLÖZ 1 bis 8, diskutiert werden. Diese müssten endlich der Praxis angepasst werden. Er und alle 30.000 Bäuerinnen und Bauern stünden hier am Brandenburger Tor, um auch in Zukunft noch eine florierende Landwirtschaft zu ermöglichen. Man müsse die Landwirte nur in Ruhe arbeiten lassen. Denn ohne eine stabile Landwirtschaft und einen stabilen ländlichen Raum habe das Land keine Zukunft. „Nehmen Sie die Steuererhöhungen zurück, dann verlassen wir wieder die Straßen“, machte Rukwied am Ende seiner Rede deutlich.

Der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Prof. Dirk Engelhardt, erläuterte die Betroffenheit der Deutschen Transportunternehmen in Anbetracht steigender Mautgebühren und steuerlichen Belastungen. Er erklärte sich und seinen Berufsstand solidarisch gegenüber den landwirtschaftlichen Forderungen. Ohne Landwirtschaft und ohne Transportunternehmen gäbe es keine Nahrungsmittel in den deutschen Haushalten. Der Wettbewerb innerhalb Europas sei bereits völlig verzerrt. Eine Chancengleichheit gegenüber osteuropäischen Transportunternehmen sei längst nicht mehr gegeben. Er forderte daher die Bundesregierung auf, die Doppelbelastung von Maut und CO2-Abgaben – wie es im Koalitionsvertrag stehe – zu beenden, LKW-Infrastrukturen auszubauen und er verlangte ein maßgebliches Mitspracherecht bei der Transformation von Mobilität und Transport in den nächsten Jahren. Er drohte der Regierung, dass auch die Transportunternehmen ihren Forderungen Nachdruck verleihen würden, wenn diese nicht gehört würden.

Claus Hochrein vom LSV betonte, dass die Landwirtschaft nicht alleine sei. Der gesamte Mittelstand gehe mittlerweile auf die Straße. Es sei unlauter, der Landwirtschaft nur die KFZ-Steuer zu erlassen, aber gleichzeitig die Agrardieselsteuerrückvergütung abzuschaffen. Die Landwirtschaft hätte sich in den letzten Jahren genug eingeschränkt. Hochrein nannte die Flächenstilllegung, Düngeverordnung sowie Kürzungen bei den landwirtschaftlichen Sozialversicherungen. Selbst Ministerpräsidenten der SPD stünden hinter den Forderungen des landwirtschaftlichen Berufsstandes. Für die Bundesregierung sei es nun an der Zeit endlich einzulenken. Außerdem seien die Steuervergünstigungen keine Subventionen, sondern ein Ausgleich für die Leistungen des bäuerlichen Berufsstandes. Wenn sich Deutschland erst einmal von Importen abhängig gemacht habe, sei die Versorgungssicherheit des Landes verspielt. Er rief die Regierung zur Umkehr auf.

Landjugend zeigt Lindner die gelbe Karte

Landjugendvorsitzende Theresa Schmidt machte klar, dass es während der Demonstrationen im ganzen Land keinen Platz für die politischen Ränder gegeben habe. Die gesamten Demonstrationen hätten auf der Basis der demokratischen Grundordnung Deutschlands stattgefunden. Die Landjugend lasse sich Einschränkungen, Kürzungen und Verbote nicht mehr länger gefallen. Schmidt vertrete über 100.000 Landjugendliche, die sich für Klima- und Umweltschutz einsetzen würden. Aber sie müssten auch weiterhin von ihren Betrieben leben können. Jetzt sei es endlich an der Zeit miteinander zu sprechen und sie hoffe darauf, dass die Regierung ihre Situation richtig einschätzen und entsprechend handeln werde. Die geplanten Kürzungen seien hingegen ersatzlos zurückzunehmen. Schmidt zeigte Lindner die gelbe Karte und diese werde erst wieder zurückgenommen, wenn sich die Landwirtschaft gegen die internationale Konkurrenz behaupten könne. Nämlich nur dann hätte auch die Jugend auf ihren Betrieben Zukunftsperspektiven. Die Betriebe dürften nicht totgespart werden.

Finanzminister Christian Lindner zeigte Verständnis für den Protest der Bäuerinnen und Bauern im Land und hier in Berlin. Es sei ein enormer Aufwand, Lebensmittel zu erzeugen. Landwirte würden hart arbeiten und die Umwelt schützen. Auch für deren Existenzsicherung sei eine landwirtschaftsfreundliche Politik notwendig. Er appellierte an die Anwesenden, wieder mehr Vertrauen, in die Politik zu setzen. Gerade die FDP setze sich für den Mittelstand ein. Allerdings gehe es auch darum, den Staat wirtschaftlich aus der aktuell verfahrenen Situation wieder herauszuziehen. Die Energiekosten seien enorm hoch und der Staat müsse jährlich 40 Milliarden Euro an Zinsen aufbringen. Als Finanzminister fühle er sich verpflichtet, diese Belastungen zu senken. Davon werde am Ende auch die Landwirtschaft profitieren. Die Bundesregierung werde aber an den Kürzungsplänen bei Agrardiesel festhalten. Er bot den Betrieben an, Belastungen an anderer Stelle zu reduzieren. Lindner wolle in diesem Zusammenhang prüfen, ob die Tarifglättung bei der Einkommenssteuer oder die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage ein Weg sei, die Landwirtschaft zu entlasten. Der künftige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse für die Betriebe „planbar sein“, die Auflagen bei der Tierhaltung müssten überprüft werden und eine verbesserte Förderung von Biokraftstoffen sei zu diskutieren. Er wolle auch die obligatorische Stilllegung von 4 Prozent im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) neu diskutieren.

Lindner verwies auf die Kompromissbereitschaft der Bundesregierung, die, anders als zunächst geplant, das grüne Kennzeichen erhalten wolle. Die Abschaffung der Agrardieselsteuerrückvergütung würde zeitlich gestaffelt werden, so dass Zeit bleibe, sich daran anzupassen. Mit dem Wegfall der Rückvergütung müssten dann auch Belastungen für die Betriebe wegfallen. Er werde dafür sorgen, dass den Landwirten nicht immer wieder neue Knüppel zwischen die Beine geworfen würden. Jetzt sei die Gelegenheit über Umweltstandards zu diskutieren, die ideologische Bevormundung der Betriebe zu beenden und dem Realismus wieder mehr Platz einzuräumen. Es sei an der Zeit, ein nachhaltiges Unternehmertum zu schaffen. Lindner könne nicht weitere staatliche Hilfen aus dem Bundeshaushalt versprechen aber mehr Freiheiten für die Unternehmer und mehr Vertrauen in die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern.

Die Reaktionen der anwesenden Menschen zeigten, dass sie nicht mit Lindners Aussagen einverstanden sind. Pfeifkonzerte übertönten teilweise die Aussagen Lindners. Die Landwirte geben sich mit dem geplanten Wegfall der Agrardieselsteuerrückvergütung nicht zufrieden.

Wir können Demokratie!

Koblenz. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, zeigt sich stark beeindruckt von dem großartigen demokratischen Protest der Landwirtinnen und Landwirte aus allen Regionen Deutschlands. Auch aus dem Verbandsgebiet des BWV Rheinland-Nassau waren bereits in der Nacht aus allen Teilen des Verbandsgebietes etliche Landwirte aufgebrochen um rechtzeitig zur Kundgebung in Berlin zu sein. Der Bauernpräsident sieht sich bestätigt, dass die große Mehrheit der Bäuerinnen und Bauern auf Basis des Grundgesetzes ihr Recht auf Demonstration ausüben wollen und sich nicht von rechtsextremem, undemokratischem Gedankengut aus der Mitte der Gesellschaft drängen lassen. „Wir können Demokratie!“, fasst Horper seinen Eindruck in Berlin zusammen.

Horper fordert von der Bundesregierung „endlich Augen und Ohren zu öffnen“. Die Landwirte stünden nicht allein. Die Solidarität der Vertreter der Bäcker, der Gastwirte, der Metzger, der Jäger, der Waldbauern bzw. Waldbesitzer und der verschiedenen Organisationen aus dem Pferdebereich, aus den Branchen Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, sei ein deutliches Signal an die Bundesregierung, das diese nicht überhören dürfe. Was der Ampel aber richtig zu denken geben müsse, wäre die Zustimmung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher gerade auch aus dem ländlichen Raum. Sie würden trotz Beeinträchtigungen während der Aktionen in der letzten Woche mehrheitlich die Landwirte unterstützen. Die Aussage „Wir halten am Auslaufen der Agrardieselsteuererstattung fest“, wie es Finanzminister Christian Lindner heute verkündet habe, zeige, dass Teile der Regierung die Lage der Landwirtschaft und des gesamten Mittelstandes noch immer nicht richtig einschätze. Die teilweise Erstattung der Agrardieselsteuer sei ein entscheidender Schlüssel, um im Binnenmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer das nicht erkenne, erfülle seine Pflicht „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“ nicht.

Mahnfeuer und Traktortreffen im ganzen Land

Rheinland-Pfalz. Am vergangenen Wochenende waren die Bauernproteste weithin sichtbar. Dutzende Feuer hatten die Bauern und Winzer zusammen mit befreundeten Verbänden der Transportwirtschaft, des Gaststättengewerbes, der Handwerker und anderer mit der einbrechenden Dämmerung entzündet. Damit haben sie im Rahmen der Aktionswoche der Bauernverbände ein weithin wahrnehmbares Signal gesetzt, dass die Sparbeschlüsse der Bundesregierung für die Landwirte inakzeptabel sind und sich letztlich der gesamte ländlichen Raum mehr und mehr von der Berliner Politik abgekoppelt fühlt.

Alleine die Landjugend an Nahe und Glan hatte mehrere Dutzend Feuer organisiert. Jeder Kreisverband des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau war mit Aktionen dabei und auf den Höhen von Hunsrück, Eifel, Taunus und Westerwald leuchtete es trotz Nebel und Schneetreibens vielerorts hell. Überall fanden sich nicht nur Landwirte, sondern auch viele Gäste ein, die sich aus erster Hand über die Hintergründe der derzeitigen Proteste informieren wollten. So hatte beispielsweise der Kreisbauernverband Altenkirchen am markanten Barbaraturm in Malberg dazu eingeladen, „Bauernproteste live zu erleben“, so das Motto der Veranstaltung. Dieser Einladung waren viele gefolgt und da staunten die Organisatoren nicht schlecht, dass sich neben über 150 Traktoren, Zugmaschinen und deren Fahrer auch über 500 Menschen aus der Region einfanden.

In seiner Begrüßung wies der stellvertretende Kreisvorsitzende Markus Kühn dann darauf hin, dass die aktuellen Sparpläne der Bundesregierung und die Kürzungen im Bereich der KFZ-Steuerbefreiung und des Agrardiesels nur die Tropfen im Fass der vielen Beeinträchtigungen der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren seien, die es nun zum Überlaufen gebracht hätten. Schon jetzt würden viele landwirtschaftliche Betriebe die finanziellen und bürokratischen Belastungen nicht mehr tragen können. Immer mehr Betriebe würden aufgeben und, so Kühn. Wer einmal aufgegeben habe, Lebensmittel zu erzeugen, der fange auch nicht mehr damit an. Er forderte daher eine sachgerechte und an den Bedürfnissen des ländlichen Raums orientierte und ideologiefreie Politik und lud alle Besucher dazu ein, im Gespräch mit den anwesenden Landwirten einen eigenen Eindruck von der Ernsthaftigkeit der Lage der Bauern zu gewinnen und offene Fragen zu erörtern. Dieses Angebot wurde auch ausgiebig wahrgenommen.

Wie überall im Land wurde die Veranstaltung im Kreis Altenkirchen großzügig von regionalen Bäckern, Metzgern, Getränkelieferanten, Spediteuren, Landhändlern, der Landtechnik und auch von den Behörden – zum Beispiel durch unbürokratische Genehmigungspraxis – unterstützt. Viele freiwillige Helfer sorgten für einen reibungslosen und friedlichen Ablauf und das leibliche Wohl der Besucher. Das große Interesse und die große Zustimmung der Bevölkerung, nicht nur im Kreis Altenkirchen, sondern flächendeckend im ganzen Land zeigt zudem, dass die Bauern und Winzer auf eine breite Unterstützung in der Bevölkerung zählen können.

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Auch die Jugend kämpft und streitet um ihre Zukunft.

Keine Kompromisse beim Agrardiesel

Koblenz. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, zeigt sich unzufrieden mit dem von der Bundesregierung vorgeschlagenen Kompromiss zu den geplanten Kürzungen im Agrarbereich. „Dass die Steuerbefreiung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge erhalten bleibt, ist ein erster Schritt“, so Horper, „aber auch die Agrardieselsteuerrückvergütung muss im bisherigen Umfang erhalten bleiben.“ Die Betriebe benötigten die Steuerentlastungen um wettbewerbsfähig zu bleiben, die Betriebe in die Zukunft zu führen und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln zu sichern. Es gebe keinen Spielraum für Kompromisse. Horper erteilt daher jedem Versuch der Bundesregierung, den Berufsstand durch Kompromiss-Angebote zu spalten, eine klare Absage. „Das Maß ist voll. Wir werden deshalb auch die Aktionen der Landwirte in der kommenden Woche wie geplant durchführen“, so der Bauernpräsident.

Aufruf zur Beteilung an Aktionen

Angesichts der geplanten Streichung des Agrardiesels und der Kfz-Steuerbefreiung ruft der Deutsche Bauernverband gemeinsam mit den Landesbauernverbänden und LsV-Deutschland ab dem 8. Januar 2024 zu einer Aktionswoche auf. Ansprechpartner für die Aktionen sind vor Ort die Kreisverbände im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Neben Sternfahrten und Kundgebungen am Montag, den 8.1.2024, sind Mahnfeuer am 13.1.2024 und Gespräche mit Bundestagsabgeordneten am Rande von Neujahrsempfängen geplant. Außerdem wird eine Postkarten-Aktion gestartet. Hierbei sollen die Parteivorsitzenden der Regierungsparteien angeschrieben werden. In den sozialen Medien wird der Verband mit sogenannten sharepics auch die Bevölkerung über die Anliegen der Bauernfamilien aufklären.

„Der Agrardiesel und das grüne Nummernschild sind für eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft essentiell. Europaweit gibt es eine große Spannbreite der Agrardieselbesteuerung, die Agrardiesel-Erstattung dient dazu, ein Mindestmaß an gleichen Wettbewerbsbedingungen in Europa zu erhalten. Zusammen mit der CO2-Emissionsabgabe würde die Streichung des Agrardiesels und der Wegfall des grünen Nummernschildes einen Wettbewerbsnachteil von über einer Milliarde Euro für die deutsche Landwirtschaft bedeuten. Eine Streichung wird so den landwirtschaftlichen Strukturwandel weiter befeuern und die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln gefährden. Die deutschen und die rheinland-pfälzischen Landwirte und Winzer setzen ihre Maschinen zum weitüberwiegenden Teil für ihre betrieblichen Arbeiten auf dem Hof, dem Acker sowie dem Grünland ein. Auch deshalb ist eine Entlastung sowohl bei der Besteuerung von Agrardiesel als auch bei der Kfz-Steuer angebracht, zumal es bisher keine praxistauglichen Alternativen bei Kraftstofftechniken für Traktoren gibt“, erklärt der Präsident des Bauernverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V. ruft alle Landwirte und Winzer auf, sich an den geplanten Aktionen im Zeitraum 8. Januar bis 15. Januar 2024 zu beteiligen.

Landesregierung hat zwischen den Jahren Direktzahlungen ausgezahlt

Koblenz. „Ich danke der Landesregierung und allen Beteiligten in den Unteren Landwirtschaftsbehörden und im Statistischen Landesamt, ohne deren Anstrengung die Auszahlung der Direktzahlungen in 2023 an unsere Landwirte und Winzer nicht möglich gewesen wäre,“ zollt Ökonomierat Michael Horper, der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, der Landwirtschaftsverwaltung seine Anerkennung. „Dass diese Auszahlung keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen die Probleme in anderen Bundesländern, in denen nur Teilbeträge oder gar nichts ausgezahlt werden konnten“.

Die Landwirte benötigten die Zahlungen vor dem Jahreswechsel, um die notwendigen Produktionsmittel für 2024 ordern zu können, um Kredite zu tilgen und Versicherungen zu bezahlen. Mit den Direktzahlungen 2023 werden außerdem, die an deren Erhalt geknüpften Auflagen bezahlt. So gehören zu diesen Auflagen („Konditionalität“) unter anderem auch umfangreiche Anforderungen, die die Landwirtschaft erfüllt, um umweltschonend und nachhaltig zu wirtschaften. Unternehmensbezogene Direktzahlungen und Zuschüsse machen einen bedeutenden Anteil der betrieblichen Erträge landwirtschaftlicher Unternehmen aus. Den größten Anteil an den Beihilfen haben die EU-Direktzahlungen (1. Säule). Hinzu kommen unter anderem auch Steuerrückerstattungen für Agrardiesel. Diese Rückerstattung will die Bundesregierung nicht mehr gewähren, weshalb die Landwirte zur Zeit mit Aktionen und Demonstrationen reagieren. Weiterhin will die Bundesregierung die Befreiung landwirtschaftlicher Maschinen von der Kfz-Steuer streichen, was nicht nur die Schlepper betreffen würde, sondern eine Vielzahl weiterer auf den landwirtschaftlichen Betrieben benötigte Maschinen, wie z.B. auch den Futtermischwagen, der ausschließlich auf dem jeweiligen Betrieb fährt. „Hier überschreitet die Bundesregierung – trotz aller Notwendigkeit zu sparen – eine rote Linie. Das können wir so nicht hinnehmen“, betont Präsident Horper.