BWV-Präsident Marco Weber dankt allen Helfern – Landwirte unterstützen die Feuerwehren gegen die Feuersbrünste

Koblenz. Wenn Wälder, Felder oder Böschungen in Flammen stehen, zählt jede Minute und jeder Tropfen Wasser. Die Brände im Eifeler Hürtgenwald und in der Hohen Venn, nahe der deutsch-belgischen Grenze, haben es wieder eindrucksvoll gezeigt: Die Bäuerinnen und Bauern leisten immer wieder wichtige Unterstützung für die Feuerwehren. Mit Traktoren und großen Gülle- und Wasserfässern bringen sie innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen Wasser direkt an die Einsatzstellen – häufig auch dort, wo größere Feuerwehrfahrzeuge nur schwer hingelangen können. Das geschieht nicht nur dort, wo die großen Brände wüten, sondern auch bei vielen kleinen Waldbränden, vor allem, wenn die Versorgung mit Wasser für die Feuerwehr schwierig ist.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, dankt allen Helfern für ihren selbstlosen Einsatz: „Ich bin stolz einer in unserer Heimat fest verwurzelten Berufsgruppe anzugehören, die kein Risiko scheut, um Menschen in der Not zu helfen, ihr Zuhause und ihre Existenzen zusammen mit Feuerwehren und weiteren Einsatzkräften zu schützen. Vielen Dank, Euch und Euren Familien!“

Darüber hinaus helfen landwirtschaftliche Betriebe mit ihrer Ortskenntnis und weiteren Maschinen und Geräten. Mit Grubbern, Pflügen oder Scheibeneggen können beispielsweise Brandschneisen angelegt und damit die weitere Ausbreitung eines Flächenbrandes eingedämmt werden.

Diese Zusammenarbeit zeigt, wie wichtig funktionierende Strukturen und gegenseitige Unterstützung im ländlichen Raum sind. Seit einigen Jahren ist die Zusammenarbeit vor Ort gut organisiert, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Landwirte übernehmen dabei Verantwortung, die weit über die Erzeugung von Lebensmitteln hinausgeht. Ihr schneller und ehrenamtlicher Einsatz kann im Ernstfall entscheidend dazu beitragen, Menschen, Tiere, Wälder und Felder vor größeren Schäden zu schützen. Und das rund um die Uhr, wenn es sein muss.

Schutzgemeinschaft Nahe: Dringende Abfrage zur außergebietlichen Herstellung von Weinerzeugnissen

Schutzgemeinschaft NAHE bittet um Rückmeldung bis zum 06. September 2026

Die EU-Kommission legt die EU-Vorschriften zur „Herstellung außerhalb des Gebietes“ inzwischen deutlich enger aus als bisher. Dadurch stehen langjährig etablierte und in der Weinwirtschaft bewährte Produktions- und Verarbeitungsabläufe auf dem Prüfstand.

Bitte prüfen Sie dringend, ob Ihr Betrieb betroffen ist

Betroffen sind alle Betriebe, die Weinerzeugnisse außerhalb des Herkunftsgebietes der Trauben bzw. des Mostes selbst herstellen oder dort herstellen lassen. Erfasst ist grundsätzlich jeder Verarbeitungsschritt mit Ausnahme der reinen Abfüllung.

Das kann beispielsweise folgende Fälle betreffen:

• Ein Nahe-Weingut, gelegen an der Nahtstelle zu Rheinhessen, bewirtschaftet Flächen in Rheinhessen und verarbeitet die dort geernteten Trauben am Betriebssitz an der Nahe zu Qualitätswein (g.U.) Rheinhessen.

• Ein Nahe-Weingut lässt seine Grundweine in einem Betrieb im Rheingau zu Sekt verarbeiten.

• Eine Genossenschaft, Kellerei oder Sektkellerei mit Sitz in Rheinhessen oder an der Mosel verarbeitet Trauben oder Wein von der Nahe und vermarktet die daraus hergestellten Erzeugnisse als Qualitätswein (g.U.) Nahe.

Warum Ihre Rückmeldung wichtig ist

Die Schutzgemeinschaften der einzelnen Gebiete arbeiten derzeit daran, diese etablierten Produktions- und Verarbeitungsabläufe auch künftig zu ermöglichen. Dafür müssen die tatsächlich genutzten externen Herstellungs- und Verarbeitungsorte vollständig erfasst und in den jeweiligen Produktspezifikationen abgesichert werden.

Alle bislang entwickelten alternativen Lösungsansätze von Schutzgemeinschaften, Ministerien und Behörden wurden von der EU-Kommission letztlich verworfen.

Künftig können daher nur externe Herstellungsorte weiterhin als zulässig berücksichtigt werden, die ausdrücklich in der jeweiligen Produktspezifikation aufgeführt sind. Nicht gemeldete Standorte könnten damit aus der Produktspezifikation herausfallen – mit möglichen unmittelbaren Folgen für die dort praktizierten Produktions- und Verarbeitungsabläufe.

Bitte prüfen und melden Sie alle betroffenen Standorte

Bitte prüfen Sie daher sorgfältig, ob Ihr Betrieb entsprechende Verarbeitungsschritte außerhalb des Herkunftsgebietes durchführt oder durchführen lässt, und melden Sie jeden betroffenen externen Herstellungs- oder Verarbeitungsort.

Zu berücksichtigen sind sowohl:

• die eigene Herstellung an einem externen Standort als auch

• jede Form der Lohnverarbeitung in einem anderen (Anbau-)Gebiet.

Auch wenn Sie davon ausgehen, dass ein Herstellungsort zulässig ist, bitten wir um eine Meldung, sofern dort entsprechende Verarbeitungsschritte außerhalb des Herkunftsgebietes stattfinden.

Welche Angaben werden benötigt?

1. Herkunftsgebiet der Trauben bzw. des Mostes

 

 

Bezeichnung des entsprechenden g.U.- bzw. g.g.A.-Gebietes.

2. Herstellungs- bzw. Verarbeitungsort außerhalb dieses Gebietes
Bitte möglichst vollständig: Bundesland, Landkreis, Gemeinde sowie ggf. Regierungsbezirk o. Ä.

3. Betroffenes Erzeugnis

•             Wein

•             Sekt / Perlwein / Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure

•             Likörwein

•             Federweißer

Wichtiger Hinweis

Bei dieser Abfrage handelt es sich nicht um eine aktuelle Beanstandung aus der Verwaltungs- oder Kontrollpraxis. Anlass sind vielmehr Anmerkungen der EU-Kommission zu laufenden Änderungsanträgen für die Produktspezifikationen.

Die Abfrage dient dazu, die tatsächlich benötigten externen Herstellungsorte vollständig zu erfassen und deren Aufnahme in die jeweiligen Produktspezifikationen zu ermöglichen.

Die Angaben werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Firmendaten werden lediglich zur internen Zuordnung verwendet. Die Abfrage erfolgt in allen Gruppierungen der Weinwirtschaft und ist mit dem zuständigen Ministerium in Mainz abgestimmt.

Bitte melden Sie daher auch bisher selbstverständliche und seit Jahren praktizierte Abläufe. Eine fehlende Meldung kann dazu führen, dass ein bislang genutzter Herstellungsort künftig nicht mehr in der Produktspezifikation abgesichert ist.

Die Schutzgemeinschaft Nahe bittet um Rückmeldung bis zum 06. September 2026.

Rückmeldungen oder Rückfragen bitte per E-Mail an: sg-nahe@bwv-net.de oder telefonisch unter 0671 / 79646690 (gerne auch an eine der anderen betroffenen Schutzgemeinschaften).

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Schutzgemeinschaft Nahe

Dürre – BWV fordert Erleichterungen für Bauern und Winzer

Koblenz. Die anhaltende Trockenheit der letzten Wochen hat gravierende Folgen für Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz. Anstatt grüner Wiesen herrschen vertrocknete Grasbestände vor, Bäume verlieren frühzeitig ihre Blätter, insbesondere kleinere Gewässer führen kaum noch Wasser, Mais wird notgeerntet und die Traubenernte beginnt vielerorts so früh wie nie zuvor. Zudem wirken sich die niedrigen Wasserstände der Wasserstraßen auf die Verfügbarkeit von Dünger und Futtermittel aus und treiben deren Preise sowie die Dieselpreise in die Höhe.

Angesichts dieser beispiellosen Situation hat sich der Präsident des BWV Rheinland-Nassau (BWV), Marco Weber, in einem Schreiben an die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Christine Schneider gewandt und kurzfristig Maßnahmen zur Abmilderung der Folgen der Dürreperiode gefordert. Insbesondere vor dem Hintergrund einer drohenden Futtermittelknappheit und dem damit verbundenen Erfordernis, auch spät im Jahr noch Futterpflanzen anbauen zu können, ersuchte der Präsident, die bestehende Sperrfrist zur Ausbringung von Wirtschaftsdünger (31.10.) um einen Monat zu verschieben. Eine Verschiebung würde auch dem Umstand Rechnung tragen, dass derzeit aufgrund der Beschaffenheit ausgetrockneter Böden die Möglichkeit der Gülleausbringung stark eingeschränkt ist.

Weiterhin fordert der BWV, die derzeit bestehenden Fruchtfolgeregelungen für Mais für dieses und nächstes Jahr zu lockern und entgegen den bisherigen Regelungen nicht nur einen zweimaligen, sondern einen dreimaligen Anbau von Mais zu ermöglichen, ohne dass zwischenzeitlich eine andere Kultur bzw. Zwischenfrüchte angebaut werden müssten. Letztlich hat sich der BWV auch dafür stark gemacht, in begrenztem Umfang Grünlandflächen zum Zwecke der Erneuerung der Grasnarbe umbrechen zu dürfen und einmalig in diesem Herbst die Aussaat von Futterpflanzen oder Getreide zu ermöglichen, so dass erst im kommenden Jahr die Wiederansaat der Grasnarbe mit entsprechenden Futtergräsern vorgenommen werden muss. In Anbetracht der Besonderheit, dass viele Grasbestände durch die Trockenheit ohnehin sehr stark beeinträchtigt sind, wird auf diese Weise insgesamt die Futtersituation verbessert und der Bestand hochwertigen Grünlands weiterhin ermöglicht. Darüber hinaus würden auch die strengen Regelungen zum Erhalt des Grünlandanteils in unserer Region eingehalten.

Auch wenn der Bereich des Weinbaus von den aktuellen Folgen der anhaltenden Dürreperiode nicht so unmittelbar als Dauerkultur betroffen ist, hat der BWV-Präsident darauf hingewiesen, dass gerade im Bereich des Weinbaus mittel- und langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung von Trockenheit notwendig sind. Als Beispiel nannte er die Anerkennung von Bewässerungsmaßnahmen für den Erhalt von kulturlandschaftsprägenden Rebanlagen als Ausgleichsmaßnahme im Sinne des Landesnaturschutzgesetzes Rheinland-Pfalz. Zudem hat Präsident Weber darauf hingewiesen, dass Sorge dafür getragen werden müsse, bei einer weiteren Verschärfung der Trockenheit die Bewässerungsmöglichkeiten aus Oberflächenwasser bzw. auch Trinkwasservorräten für den Bereich des Weinbaus, insbesondere für Junganlagen, nicht einzuschränken. Auch wenn im privaten Bereich das Wässern von Gärten, Befüllen von Schwimmbädern verboten und ähnliche wassersparende Maßnahmen angeordnet werden, könne dies nicht für den Weinbau gelten. Investitionen für Junganlagen, die mit hohem finanziellem Aufwand (teilweise bis zu 50.000 €/ha) angelegt worden sind, würden sonst Gefahr laufen, innerhalb kürzester Zeit entwertet zu werden. Dies würde für viele Winzer gerade in der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Situation weitere negative Auswirkungen nach sich ziehen.

BWV-Präsident Weber fordert Klarheit über Rote Gebiete ab 2027

Koblenz. Die Diskussion über die rechtlichen Grundlagen zur Ausweisung der mit Nitrat belasteten sogenannten „Roten Gebiete“ wird derzeit auf der Bundes- und Landesebene mit großem Engagement geführt. Dabei geht es vor allem darum, die Folgen der Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem vergangenen Jahr aufzuarbeiten. Damals hatten die Leipziger Richter die Rechtsgrundlagen der Düngeverordnung in Bayern bemängelt, was eine bundesweite Aussetzung der betroffenen Gebietskulissen bedeutete. Bisher galt, dass landwirtschaftliche Betriebe, die in Roten Gebieten wirtschaften müssen, mit erheblichen Einschränkungen und damit auch wirtschaftlichen Nachteilen zu kämpfen haben. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) hatte sich bereits seit Jahren dafür eingesetzt, dass diejenigen Betriebe, die durch ihre gewässerschonende Bewirtschaftungsweise nicht zu einer erhöhten Nitratbelastung des Grundwassers beitragen, von den Auflagen in den Roten Gebieten befreit werden und so einen verursachergerechten Umgang im Rahmen der Düngeverordnung eingefordert.

Wesentliche Grundlage für das gesamte System der Roten – und auch „gelben“ (eutrophierten) – Gebiete ist ein aussagekräftiges Netz an entsprechenden Messstellen. Die derzeitige Ausweisung der Roten Gebiete in Rheinland-Pfalz geht auf das Jahr 2023 zurück. Grundsätzlich ist es vorgesehen, ab dem Jahr 2027 die bisherige Kulisse, unabhängig von der aktuellen Diskussion über die Rechtsgrundlagen, zu überarbeiten und dafür die aktuellen Messdaten aus dem Zeitraum 2022 bis 2025 zu Grunde zu legen. Um eine fachliche Bewertung vornehmen zu können, sollte das bisherige Messstellennetz auf rund 560 Messstellen ausgeweitet werden, um zusätzliche Daten vor allem für die Nachvollziehbarkeit der Gebietsausweisungen zu gewinnen.

Der Präsident des BWV, Marco Weber, hat gegenüber der zuständigen Landwirtschaftsministerin Christine Schneider noch einmal deutlich gemacht, dass die betroffenen Betriebe Klarheit und Planungssicherheit benötigen und wissen müssen, ob ihre bewirtschafteten Flächen auch in Zukunft in den Roten Gebieten liegen oder ob Änderungen an der bisherigen Gebietskulisse vorgenommen werden. Sollten die Roten Gebiete auch in Zukunft aufrecht erhalten werden, ist die Kenntnis darüber, ob Flächen innerhalb oder außerhalb der mit Nitrat belasteten Gebiete liegen, für die landwirtschaftlichen Betriebe und ihre Anbauplanung ebenso wichtig wie für den Abschluss möglicher neuer Pachtverträge, die in den nächsten Monaten abgeschlossen werden.

Obstbauern fordern Unterstützung von Politik und Lebensmitteleinzelhandel

Mülheim-Kärlich. Angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Situation im heimischen Obstbau hat der neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, Tim Kirch, zu einer Pressekonferenz auf seinen Betrieb in Mülheim-Kärlich eingeladen: „Die Erzeugerpreise liegen am Boden, die diesjährigen Erträge lassen wetterbedingt zu wünschen übrig und gleichzeitig steigen die Betriebskosten enorm. Die Obstbaubetriebe befinden sich in einer schweren Krise“, betonte Kirch zu Beginn der Konferenz.

Auf den ersten Blick sei die schwierige Lage kaum zu erkennen, fuhr der Vorsitzende fort. Die Früchte seien reif, in den Obstanlagen werde gearbeitet und die Ernte eingebracht. Tatsächlich würden jedoch die meisten Betriebe weit unterhalb ihrer Produktionskosten wirtschaften. Dies bereite nicht nur ihm, sondern den Obstbauvertretern in ganz Deutschland große Sorgen. Kirch stellte deshalb die grundsätzliche Frage: „Wollen wir den Obstbau hier in Deutschland überhaupt noch haben?“ Nach seinen Worten liege es nicht alleine an der Politik, die Sonderkulturbetriebe zu unterstützen. Auch der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Der enorme Marktdruck auf die Obstbaubetriebe sei auch eine Folge der Einkaufspolitik des Handels. Importierte Erzeugnisse würden teilweise mit einem Bruchteil der in Deutschland üblichen Lohnkosten und unter Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards produziert, die mit den hiesigen Anforderungen nicht vergleichbar seien.

Es gehe ihm und seinen Berufskollegen um einen fairen Wettbewerb und gerechte Handelsbedingungen. Importware dürfe nicht zu Preisen angeboten werden, mit denen heimische Erzeuger nicht konkurrieren könnten. Zugleich müsse deutsches Obst im Handel eindeutiger gekennzeichnet und von Importware unterscheidbar präsentiert werden. Kirch bedauerte, dass trotz einer Einladung an alle bedeutenden Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels niemand bereit gewesen sei, an der Pressekonferenz teilzunehmen.

An die Politik gerichtet forderte Kirch dringend eine besondere Mindestlohnregelung für Sonderkulturbetriebe. „Lohnkosten machen einen erheblichen Anteil der Produktionskosten aus. Darüber hinaus benötigen die Betriebe mehr Rechtssicherheit bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften aus Drittstaaten.“ Es betrübe ihn zutiefst, dass in Deutschland jeden zweiten Tag ein Obstbaubetrieb seine Tore für immer schließe. Damit gehe nicht nur die wirtschaftliche Existenz von Familien verloren, sondern auch wertvolles Fachwissen, das dringend benötigt werde. Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Obst liege inzwischen nur noch bei rund 18 Prozent. Eigentlich müsse dieser Trend dringend umgekehrt werden. Unter den derzeitigen Bedingungen erscheine dies jedoch nicht realistisch.

Der Vorsitzende des Koblenzer Obstbaurings, Thomas Kreuter, warnte ebenfalls vor den Folgen dieser Entwicklung: „Setzt sich der derzeitige Umgang mit den heimischen Obstbaubetrieben fort, werden die Verbraucher künftig vor allem Zwetschgen aus Bosnien, Erdbeeren aus Spanien oder Kirschen aus der Türkei kaufen können. Obst aus regionaler Erzeugung wird dagegen nach und nach aus den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels verschwinden. Obst aus der Umgebung wird dann nur noch eine Erinnerung sein.“

Diese Entwicklung hätte auch erhebliche Auswirkungen auf die Kulturlandschaft. Ohne die heimischen Baumobstkulturen würde die Attraktivität der Region deutlich verlieren, ebenso wichtige Lebensräume und die biologische Vielfalt. Kreuter verdeutlichte die Entwicklung am Beispiel des Holunderanbaus. Mülheim-Kärlich sei einst ein bedeutendes Anbaugebiet für Holunder gewesen. Heute gebe es in der Region lediglich noch drei Betriebe, die diese Kultur anbauten.

Kirch appellierte an den Handel, den verbliebenen Obstbaubetrieben auskömmliche Preise zu zahlen. Einige zusätzliche Cent pro Kilogramm für heimisches Obst dürften gegenüber der Importware keine unüberwindbare Hürde darstellen. Diese könnten jedoch entscheidend dazu beitragen, die regionale Erzeugung zu erhalten.

Auch die anwesenden Obstbauern kritisierten das Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels scharf. Neben den niedrigen Erzeugerpreisen bemängelten sie eine irreführende Warenpräsentation. Wenn geringe Mengen deutscher Erzeugnisse unmittelbar neben großen Mengen importierter Ware angeboten würden, entstehe bei den Verbrauchern ein falscher Eindruck über den tatsächlichen Anteil heimischer Produkte.

Eine Obstbäuerin forderte gegenüber den anwesenden Medienvertretern sogar einen Einfuhrstopp für Obst aus Drittstaaten. Sie sehe im Handel keinen verlässlichen Partner, der bereit sei, die heimischen Betriebe dauerhaft zu unterstützen. Darüber hinaus müsse auch bei abgepackter Ware das Produktionsland künftig klar und gut sichtbar angegeben werden.

Weinbaupräsident Walter Clüsserath forderte neben einer Sonderregelung beim Mindestlohnregelung für Sonderkulturbetriebe auch eine Überprüfung der Rentenversicherungspflicht für Saisonarbeitskräfte. Viele dieser Beschäftigten würden später nicht oder kaum von den eingezahlten Beiträgen profitieren, während der Wegfall dieser Versicherungspflicht die landwirtschaftlichen Betriebe finanziell entlasten würde. Es sei an der Zeit, sämtliche Einsparpotenziale für Sonderkulturbetriebe zu untersuchen und umzusetzen.

Zum Abschluss der Pressekonferenz fasste Kirch die zentralen Forderungen des Berufsstandes zusammen. Die erheblich gestiegenen Produktionskosten müssten dringend kompensiert werden. Gerade in Jahren wie 2026, in denen keine gute Ernte erzielt werden könne, belasteten die Kosten die Betriebe in vollem Umfang. „Der Lebensmitteleinzelhandel muss endlich aufwachen und seine regionalen Erzeuger nicht nur mit Worten, sondern durch faire Preise und verlässliche Partnerschaften unterstützen. Auch die Politik muss handeln und tragfähige Sonderregelungen für Sonderkulturbetriebe umsetzen“, betonte Kirch. Es brauche Menschen, die diese Probleme entschlossen anpackten. „Mit Sonntagsreden ist den Obstbaubetrieben nicht geholfen.“

Finanzierung, Medien, Betriebe: Wichtige Seminare für Landwirte und Winzer

Koblenz. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) hat sein Herbst- und Winterprogamm veröffentlicht.

Am 20. Oktober beginnt das Programm mit dem gemeinschaftlichen Seminar zusammen mit der Deutschen Kreditbank DKB und der Westerwald Bank mit dem Thema „Finanzierungsfragen und praktische Tipps zum Kreditprozess“. Bernd Werzinger (DKB) und Niklas Gillessen (Westerwald Bank) werden über Bonitäten, Planrechnungen, Vorbereiten eines Investitionsprozesses und über viele weitere Informationen und Tipps berichten. Das Seminar richtet sich vor allem an landwirtschaftliche und weinbauliche Unternehmer. Aber auch weitere Interessierte sind willkommen. Das Seminar „Elektronisches Jagdkataster“ findet am 23. Oktober statt. Dirk Model von der Gesellschaft für Informationssysteme (GIS) erläutert das aktuelle Programm (Version 11) und steigt tief in die Jagdflächenverwaltung ein. Das Seminar ist für Einsteiger und Geübte geeignet.

Mit dem Seminar „Sicher in den Medien bewegen“ wird Fachanwalt für Medienrecht, André Nienhaus aus Bocholt das Programm am 28. Oktober fortsetzen. Viele Menschen bewegen sich im Internet und in den sozialen Medien meist zu unbedarft. Das kann schwere wirtschaftliche Folgen haben. Nienhaus klärt über die rechtlichen und vielfältigen Vorgaben auf. Dabei geht es u.a. um Textveröffentlichungen, Nutzungsrechte von Fotos, medialen Datenschutz, Urheberrechte, etc. Mit „Weingenuss und Literatur“ geht die prominente Reihe am 30. Oktober in sein 21. Jahr. Die Koblenzer Schriftstellerin Susanne Arnold liest aus ihrem humorvollen Wohlfühlkrimi „Bei Kirmes Mord“. Winzer Thomas Richter aus dem Weingut Richard Richter in Winningen kredenzt dabei die Weingenüsse. Das Weingut Richter gehört zu den am meisten ausgezeichneten Weingütern an der Mosel.

Den Betrieb richtig übergeben ist ein zentrales Anliegen des BWV. Daher werden am 3. November vier Fachleute, Barbara Wohlbeck, Dr. Perta Paul, Andreas Pörsch und Hartmut Bauer das Thema aus rechtlicher, steuerlicher und vericherungstechnischer Sicht beleuchten. Der BWV empfiehlt die Teilnahme aller landwirtschaftlichen und weinbaulichen Betriebsleiter, die in den kommenden Jahren ihren Betrieb übergeben ober verpachten möchten. Einen weiteren sehr wichtigen, aber meist vernachlässigten Aspekt wird Persönlichkeitstrainerin Marion Thiel erarbeiten. Ihr Thema lautet am 10. November „Mental gesund trotz wirtschaftlichem Stress“. Alle Unternehmerinnen und Unternehmer leiden unter Erfolgsdruck und äußeren nur schwer beeinflussbaren Faktoren. Das kann zu schwerwiegenden Folgen – auch für das familiäre Umfeld – führen. Daher darf das Wissen um den Umgang mit schwierigen Situationen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es geht um die eigene Gesundheit, die Familie und den Betrieb.

Alle Seminare finden in der BWV-Hauptgeschäftsstelle in Koblenz statt und stehen für Mitglieder des BWV und Nichtmitglieder offen. Näheres hierzu findet sich im Seminarprogramm, das hier auf der BWV-Startseite unter „Termine“ veröffentlicht ist. Anmeldungen sind dort online möglich. Der Verband sendet auf Anfrage das Programm für alle Veranstaltungen auch postalisch zu: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e. V., Karl-Tesche-Straße 3, 56073 Koblenz, Telefon: 0261/9885-1112, E-Mail: presse@bwv-net.de. Das Seminarprogramm liegt auch in den Kreisgeschäftsstellen des Verbandes aus.

Bundesfachgruppe Obstbau und Landesgruppen fordern politische Kehrtwende

Berlin/Koblenz. „Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“ Mit dieser Frage richtet sich die Bundesfachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse in einem Brandbrief an die Landesregierungen, Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage. Unterzeichnet wurde der Appell von 17 Landes- und Fachgruppen, darunter auch Tim Kirch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau.

Die Botschaft ist eindeutig: Ohne grundlegende politische Veränderungen verliert der heimische Obstbau weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Damit stehen nicht nur zahlreiche Familienbetriebe unter Druck, sondern auch die regionale Versorgung mit Obst, Arbeitsplätze und die Wertschöpfung im ländlichen Raum.

Obwohl deutsche Obstbaubetriebe hochwertiges Obst unter hohen Umwelt-, Qualitäts- und Sozialstandards erzeugen und kontinuierlich in nachhaltige Produktionsverfahren investieren, lassen sich die Erzeugnisse vielfach nicht mehr kostendeckend vermarkten. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck durch preisgünstige Importe aus Ländern mit deutlich niedrigeren Produktionskosten. Nach Angaben der Bundesfachgruppe gibt inzwischen alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb seine Produktion auf.

Als Hauptursache nennt die Fachgruppe die stark gestiegenen Produktionskosten. Besonders ins Gewicht fallen die Personalkosten, die im Obstbau bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Seit 2021 sei der gesetzliche Mindestlohn um mehr als 46 Prozent gestiegen, bis 2027 werde sich der Anstieg auf über 53 Prozent summieren. Während deutsche Betriebe diese Kosten tragen müssten, konkurrierten sie mit Importware aus Ländern mit deutlich niedrigeren Löhnen.

Zusätzlich verschärfen der zunehmende Mangel an Saisonarbeitskräften, erschwerte Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte aus Drittstaaten, fehlende Rechtssicherheit bei kurzfristigen Beschäftigungen sowie der Wegfall wichtiger Pflanzenschutzmittel die wirtschaftliche Lage der Betriebe.

Vor diesem Hintergrund fordert die Bundesfachgruppe drei zentrale Maßnahmen. Erstens soll die Wettbewerbsfähigkeit arbeitsintensiver Sonderkulturen gestärkt werden. Vorgeschlagen wird ein 20-prozentiger Abschlag auf den gesetzlichen Mindestlohn für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte bei gleichzeitiger Einführung einer verbindlichen Lohnuntergrenze von 13,90 Euro pro Stunde. Diese Forderung basiert auf einem Gutachten des Lehrstuhls für Arbeitsrecht der Universität Tübingen, das der Deutsche Bauernverband in Auftrag gegeben hat. Dieses Gutachten kann über folgenden Link eingesehen werden: Link über Mindestlohnabschlag für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft

Zweitens fordert die Branche unbürokratische und rechtssichere Verfahren für die Gewinnung von Saisonarbeitskräften aus Drittstaaten. Drittens seien eindeutige gesetzliche Regelungen für kurzfristige Beschäftigungen erforderlich, um Betrieben Planungssicherheit zu geben und Investitionen zu ermöglichen.

„Es geht um die Zukunft des heimischen Obstbaus und die Frage, welchen Stellenwert regional erzeugte Lebensmittel künftig in Deutschland haben sollen“, betont Tim Kirch. Wer regionale Versorgung, kurze Transportwege und hohe Produktionsstandards erhalten wolle, müsse den Betrieben wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen bieten. Nur so könnten Obstbaubetriebe weiter investieren, Arbeitsplätze sichern und jungen Hofnachfolgern eine Perspektive geben. Andernfalls drohe Deutschland zunehmend von Obstimporten abhängig zu werden.

BWV hinterfragt PETA-Auszeichnung „Vegane Vielfalt“ kritisch

Koblenz. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) nimmt die Auszeichnung von REWE durch PETA zum Anlass, die Bedeutung einer vielfältigen, regionalen und krisenfesten Lebensmittelversorgung hervorzuheben. PETA hat REWE in der Kategorie „Beste vegane Vielfalt“ ausgezeichnet. Aus Sicht des BWV greift diese Würdigung zu kurz, weil sie die Bedeutung regional erzeugter Lebensmittel, der Nutztierhaltung und landwirtschaftlicher Kreisläufe nicht ausreichend berücksichtigt.

Eine leistungsfähige regionale Landwirtschaft ist die Grundlage für Versorgungssicherheit und Ernährungssouveränität. Gerade in Zeiten geopolitischer Krisen, instabiler Lieferketten und zunehmender Wetterextreme zeigt sich, wie wichtig die heimische Lebensmittelproduktion ist. Die Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz sorgt täglich dafür, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit hochwertigen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln aus der Region versorgt werden. Diese Vielfalt macht unsere Ernährung nicht nur abwechslungsreich und ausgewogen, sondern stärkt zugleich regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und die Unabhängigkeit von Importen.

Vielfalt statt Einseitigkeit

Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte gehören ebenso zu einer gesunden Ernährung wie Milch, Fleisch und Eier. Tierische Lebensmittel liefern hochwertiges Eiweiß sowie wichtige Nährstoffe wie Vitamin B12, Calcium und die Spurenelemente Jod, Eisen und Zink. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weist darauf hin, dass tierische Lebensmittel weltweit einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten und ihre Nährstoffzusammensetzung nur teilweise durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden kann.

Der BWV kritisiert die Auszeichnung „Beste vegane Vielfalt“, weil sie den Eindruck vermittelt, eine nachhaltige und gesunde Ernährung sei ausschließlich pflanzlich. Eine zukunftsfähige Ernährung basiert jedoch auf Vielfalt – sowohl auf dem Teller als auch in der Landwirtschaft.

Tierhaltung ist Kern einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

Für den BWV ist die Nutztierhaltung ein unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Landwirtschaft. Insbesondere in den Grünlandregionen von Rheinland-Pfalz können viele Flächen nicht ackerbaulich genutzt werden. Wiederkäuer machen diese Flächen erst für die Lebensmittelproduktion nutzbar, indem sie Gras in hochwertige Lebensmittel umwandeln.

Gleichzeitig schließt die Tierhaltung natürliche Stoffkreisläufe: Gülle und Mist liefern wertvolle organische Nährstoffe, fördern die Bodenfruchtbarkeit und ersetzen dabei mineralischen Dünger. Wirtschaftsdünger und pflanzliche Reststoffe werden zudem in Biogasanlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie genutzt. Landwirtschaftliche Kreislaufwirtschaft verbindet damit Lebensmittelproduktion, Bodenfruchtbarkeit, Klimaschutz und Energieversorgung.

Regional einkaufen stärkt Landwirtschaft und Versorgung

Der BWV appelliert an die Verbraucherinnen und Verbraucher, beim Einkauf bewusst auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten. Wer sich für Kartoffeln aus der Eifel statt für Importware aus Ägypten oder für Rindfleisch aus dem Hunsrück statt aus Übersee entscheidet, stärkt regionale Betriebe, sichert Arbeitsplätze, verkürzt Transportwege und leistet einen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

„Regionale Landwirtschaft bedeutet Vielfalt. Sie liefert pflanzliche und tierische Lebensmittel gleichermaßen und verbindet Ernährung, Umwelt- und Klimaschutz mit einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Diese Leistungen verdienen mehr öffentliche Anerkennung“, betont der BWV.

Verband kündigt Gespräch mit REWE an

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau wird in den kommenden Tagen das Gespräch mit der REWE Group suchen. Ziel ist es, die Bedeutung regional erzeugter Lebensmittel für stabile Lieferketten, Ernährungssicherheit und nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu erörtern. Der Verband wirbt für einen ausgewogenen Dialog, der die Leistungen der heimischen Landwirtschaft in ihrer gesamten Vielfalt anerkennt und die regionale Erzeugung als unverzichtbaren Bestandteil einer zukunftsfähigen Lebensmittelversorgung stärkt.

Akzeptable Erträge treffen auf niedrige Preise

Badem. Die Ernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz insgesamt besser aus, als es die ungewöhnlich trockene und heiße Witterung zunächst erwarten ließ. Vor allem Wintergerste, Winterweizen und Raps liefern vielerorts überdurchschnittliche Erträge und ordentliche Qualitäten. Gleichzeitig geraten die Betriebe wirtschaftlich unter Druck: Niedrige Erzeugerpreise stehen deutlich gestiegenen Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit gegenüber. Das machten in der ersten gemeinsamen Erntepressekonferenz der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Ökonomierat Eberhard Hartelt, beim Landhandelsunternehmen Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel in Badem deutlich. Über 50 Gäste aus Politik, Landwirtschaft und Medien besuchten die Erntepressekonferenz der beiden Verbände.

Auch wenn Gewitterschauer in einigen Regionen noch das Schlimmste verhindert haben, kamen die Präsidenten, gemeinsam mit den Ausschussvorsitzenden für Pflanzliche Produktion Harald Schneider und Gerold Füge darin überein, dass die Landwirte sowohl mit den Ernteergebnissen als auch mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht zufrieden sein können.

Weber: „Die Getreideernte lässt zu wünschen übrig, jetzt steht der Mais außerordentlich schlecht. Wenn es nicht bald regnet, müssen sich die Betriebe auch noch Sorgen über die Futtergrundlage ihrer Betriebe machen.“ Die Gesellschaft müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Landwirtschaft dringend Unterstützung benötige. Tankrabatte, Mindestlohn oder Minijobs, die Politik dürfe den ohnehin hohen Druck auf die Betriebe nicht noch zusätzlich erschweren. Es sei an der Zeit, endlich Farbe für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum zu bekennen und die Forderungen des Berufsstandes umzusetzen und die landwirtschaftlichen Betriebe zu schützen. Das gelte auch für unsere Biogasanlagen. Überall in Europa werde die grundlastfähige Biogasproduktion ausgebaut, während in Deutschland noch nicht einmal die vorhandenen Anlagen geschützt würden. Stattdessen würden landwirtschaftliche Flächen für Photovoltaikanlagen der Nahrungsmittelerzeugung entzogen. Das sei nicht nachvollziehbar. Hier müsse dringend eine Kehrtwende erfolgen.

Der BWV-Präsident Marco Weber kritisierte die geringe Wertschätzung des heimischen Getreides scharf. Über alle Getreidearten hinweg würden sich die aktuellen Erzeugerpreise um mehr als die Hälfte unter dem Niveau der Ernte 2022 bewegen. Das könne angesichts der enorm gestiegenen Betriebsmittelpreise kein Betrieb in Rheinland-Pfalz und Deutschland kompensieren. Auch die Tierhalter würden unter Tiefpreise für Fleisch und Milch leiden. Politik und Gesellschaft müssten für Entlastungen sorgen.

Der Präsident des BWV Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, bedauerte, dass die Menschen im Land kaum mehr die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsbereitstellung wahrnehmen würden. Obwohl der Bedarf an Obst und Gemüse nicht einmal mehr zu 30 Prozent aus deutscher Produktion abgedeckt werden könne, werde der Eindruck erweckt, dass alles reichlich vorhanden sei. Dabei werde die landwirtschaftliche Produktion, auch im Vergleich mit fast allen anderen Staaten in der Welt, immer weniger konkurrenzfähig. Folglich werde der Selbstversversorgungsgrad in allen Produktionsbereichen stetig abnehmen. Das sei in Krisenzeiten sehr gefährlich und werde gesellschaftlich völlig unterschätzt.

Das natürlichen Flächenbedarfsgesetz und Planungsbeschleunigungsgesetze würden mit überragendem öffentlichen Interesse begründet, so Hartelt. Die Politik müsse sich die Frage gefallen lassen, ob die Landwirtschaft und die Lebensmittelerzeugung dem überragenden öffentlichen Interesse nicht unterliegen würden. Schließlich sei die Ernährung der Menschen im Land von großer Bedeutung.

Hartelt sieht zwischen Landwirtschaft und Naturschutz keine Konkurrenz. Am Ende könnten die Flächenkonkurrenz reduziert und die Artenvielfalt bei gleichzeig hohem Schutzpotential für die landwirtschaftlichen Kulturen umgesetzt werden.

Der Vorsitzende des Fachausschusses für Pflanzliche Erzeugung und Erneuerbare Energien, Harald Schneider, forderte die Politik auf, die Ernährungssicherheit endlich ins Grundgesetz aufzunehmen. In der Diskussion um die künftige Ausgestaltung der Roten Gebiete brach er eine Lanze für verursacherorientierte Lösungen. Es müsse Schluss damit sein, in den Roten Gebieten faktisch nur Futtergetreide anbauen zu können, während Deutschland Brotgetreide aus Nordafrika importiere.

Menschen, die arbeiten wollten, dürften nicht beschnitten werden. Er erwarte sich von der Landesregierung, dass sie sich in Berlin für den Erhalt der Minijobs einsetze. Außerdem dürfe der Landwirtschaft diese Möglichkeit Arbeitswillige anzustellen nicht genommen werden.

Erntesituation und wirtschaftliche Entwicklung

Das Frühjahr war mit durchschnittlich 2,7 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Seit Februar blieb der Niederschlag in jedem Monat unter dem Durchschnitt. Im Frühjahr fielen nur rund 124 Liter je Quadratmeter statt der üblichen 191 Liter. Das setzte sich bis zur Ernte fort, sodass Hitze und Trockenheit die Abreife beschleunigten und die Getreideernte bereits um die Monatswende Juni/Juli begann. Die trockene Witterung führte außerdem zu einer außergewöhnlich kompakten Ernte. Früh- und Spätdruschgebiete waren vielerorts nahezu gleichzeitig erntereif. Das erschwerte regional die Erfassung durch den Landhandel und führte zusammen mit den niedrigen Erzeugerpreisen teilweise zu Hoflagerungen.

Erfreulich zeigt sich die Wintergerste. Sie konnte von der Winterfeuchte profitieren und reifte unter den trockenen Bedingungen zügig ab. Ertrag und Qualität liegen über dem Durchschnitt. Belastend wirken die rückläufige Nachfrage nach Futtergerste, volle Lager und anhaltende Importe. Top aktuell steigen die Preise aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzung am Schwarzen Meer und der Beschädigung von Hafenanlagen.

Schwieriger ist die Lage bei der Sommerbraugerste. Viele Bestände sind dünn und konnten Hitze und Trockenheit nicht ausgleichen. Vor allem in den Höhenlagen bleiben die Vollkornanteile häufig zu niedrig. Bessere Ergebnisse werden an der Nahe sowie in Rheinhessen und der Pfalz erwartet. Früh gesäte Bestände und die im Herbst ausgesäte sogenannte „Martinsgerste“ profitierten von der Winterfeuchte. Regional sind Erträge um sechs Tonnen je Hektar möglich. Mit rund 175 Euro je Tonne bleibt der Preis dennoch schwach; volle Lager bei den Mälzereien schränken die Vermarktung ein.

Beim Winterweizen, mit rund 106.000 Hektar die wichtigste Marktfrucht des Landes, fällt die Bilanz überwiegend positiv aus. Je nach Region werden sieben bis zehn Tonnen je Hektar erwartet. Auf leichteren Böden hat die Frühjahrstrockenheit die Bildung von weiteren Trieben geschwächt, vielerorts stimmen Ertrag und Qualität dennoch. Regional führte die Hitze während der Kornfüllungsphase jedoch zu einer verkürzten Kornfüllung und niedrigeren Tausendkorngewichten. Die Eiweißgehalte liegen meist um zwölf Prozent, die Hektolitergewichte vielfach über 80 Kilogramm. Wirtschaftlich bleibt die Situation angespannt: Qualitätsweizen erzielt aktuell etwa nur 190 Euro je Tonne, Backweizen rund 180 Euro.

Roggen und Triticale bleiben wirtschaftlich schwierig. Roggen wird bei Preisen um 150 Euro je Tonne zunehmend zum Nischenprodukt. Triticale erzielt zwar durchschnittliche Erträge, wird aber nur auf Futtergerstenniveau bezahlt und deshalb verstärkt als Ganzpflanzensilage oder für Biogasanlagen genutzt.

Sehr erfreulich entwickelt sich der Raps. Die Anbaufläche ist um sieben Prozent auf rund 46.000 Hektar gestiegen. Die trockene Witterung hielt Unkräuter, Pilzkrankheiten und Schädlinge weitgehend zurück. Auf frühen Standorten sind vier Tonnen je Hektar keine Seltenheit, auch die Ölgehalte von 42 bis 45 Prozent überzeugen. Aktuell steigen die Preise auf über 500 Euro je Tonne. Weber warb deshalb für stärkere Vermarktungspartnerschaften zwischen Landwirten und Handel.

Sorge bereitet dagegen der Mais. Seine Entwicklung ist regional extrem unterschiedlich. In Teilen der Eifel, des Westerwaldes und der Südpfalz profitierten die Bestände zunächst von Gewitterschauern. Auf leichten Böden am Oberrhein, in der Vorderpfalz und in Rheinhessen zeigen sich dagegen deutliche Trockenschäden. Hohe Temperaturen und Wassermangel begrenzen zunehmend das Ertragspotenzial. Zwischen guten und stark gestressten Beständen liegen teilweise nur wenige Kilometer. Entscheidend sind nun zeitnahe Niederschläge. Bleiben diese aus, drohen beim Silomais erhebliche Ertrags- und Qualitätseinbußen für die Futterversorgung der Viehbetriebe. Gleichzeitig könnten geringere Körnermaiserträge die Verfügbarkeit heimischer Futtermittel weiter einschränken.

Auch Kartoffeln leiden unter der Hitze. Auf bewässerbaren Flächen waren die Bedingungen zuletzt günstig, nicht bewässerte Bestände zeigen teils deutliche Einbußen. Bei Frühkartoffeln werden überwiegend 25 bis 35 Tonnen je Hektar erreicht, trockengeschädigte Flächen bleiben deutlich darunter. Regional verschärft zudem starker Drahtwurmbefall die Situation, wodurch ein Teil der Ernte nicht mehr vermarktungsfähig ist. Die Preise sind seit Mitte Juni von mehr als 500 auf rund 430 Euro je Tonne gefallen.

Beim Dauergrünland brachte der frühe erste Silageschnitt vielerorts gute Mengen und Qualitäten. Mehr als 50 Dezitonnen Trockenmasse je Hektar waren keine Seltenheit. Auch der zweite Schnitt fiel regional noch ordentlich aus, während flachgründige Böden schwächer abschnitten. Die anhaltende Trockenheit führte jedoch zu deutlichen regionalen Unterschieden. Während in einigen Regionen ein dritter Schnitt noch möglich war, blieb er insbesondere im Süden des Landes aufgrund ausgetrockneter Bestände vielfach aus.

Im Weinbau sind die Reben weit entwickelt, der Gesundheitszustand der Trauben ist bislang gut. Ein früher Lesebeginn Anfang bis Mitte September zeichnet sich ab. In jungen Anlagen und flachgründigen Steillagen nehmen jedoch die Trockenstress-Symptome zu. Bleibt der Regen aus, könnten Menge und Qualität leiden. Hinzu kommt eine schwierige Marktlage mit häufig nicht kostendeckenden Fassweinpreisen. Besonders gefährdet ist nach Einschätzung des BWV die arbeitsintensive Steillagen-Weinkulturlandschaft.

Im Obstbau ergibt sich ein gemischtes Bild. Bei Äpfeln wird eine mittlere Ernte erwartet, allerdings verursachen Sonnenbrandschäden Ausfälle und zusätzliche Sortierarbeit. Süßkirschen brachten gute Erträge, litten jedoch unter Importdruck. Zwetschen präsentieren sich bislang gut, könnten bei anhaltender Trockenheit jedoch Früchte abwerfen. Erdbeeren erzielten im geschützten Anbau überwiegend gute Ergebnisse, während Freilandbestände durch Pilzkrankheiten und Sonnenbrand beeinträchtigt wurden.

Für Weber und Hartelt zeigt die Ernte 2026 damit ein vielfältiges Bild: Auf vielen Flächen stimmen Erträge und Qualitäten, doch die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. „Akzeptable Ernten allein sichern noch kein Einkommen“, betonten die Präsidenten beider Verbände. Stark gestiegene Betriebsmittel- und Lohnkosten träfen auf Erzeugerpreise, die teilweise auf dem Niveau von vor 2020 lägen. Notwendig seien faire Wettbewerbsbedingungen, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine stärkere Marktposition der heimischen Betriebe.

Kleine Entdecker auf dem Saalenhof in der Eifel

Pickließem. Am vergangenen Donnerstag verwandelte sich der Saalenhof von Betriebsleiterin Lea Weber in Pickließem in einen spannenden Lern- und Erlebnisort für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. Mit viel Neugier, Begeisterung und Freude erkundeten die jungen Besucherinnen und Besucher bei verschiedenen Mitmachangeboten die heimische Landwirtschaft. Dabei wurde ihnen die Landwirtschaft nicht nur erklärt, sondern sie erlebten sie hautnah und konnten sie entdecken und begreifen. Denn wer schon früh erfährt, wo unsere Lebensmittel herkommen, wie Tiere versorgt werden und wie viel Wissen, Arbeit und Verantwortung in einem landwirtschaftlichen Betrieb stecken, entwickelt auch ein stärkeres Bewusstsein für Natur, Ernährung und für unsere bäuerlichen Familienbetriebe.

Ausgerichtet wurde der Kindertag vom Saalenhof in Zusammenarbeit mit dem BWV-Kreisverband Bitburg-Prüm, den LandFrauen Bitburg und der Landjugend Eifel.

BWV-Vizepräsident und Kreisvorsitzender Stefan Fiedler ist stolz engagierte Mitgliedsbetriebe im Eifelkreis zu haben: „Der Saalenhof ist heute vor allem als moderner Milchviehbetrieb der Familie Weber bekannt. Der Hof engagiert sich in den Bereichen Tierwohl, Nachhaltigkeit und landwirtschaftliche Bildungsarbeit. Über die Betreuung von Schulklassen während eines Schuljahres und Events in den Ferien nutzt der Betrieb sein Potential für die Öffentlichkeit geradezu vorbildlich.“

Solche Angebote seien ein wichtiger Bestandteil der landwirtschaftlichen Bildungsarbeit. Sie würden Begegnungen schaffen, Fragen beantworten und Wissen vermitteln, das im Schulalltag leider noch immer häufig zu kurz komme, so Fiedler. Umso schöner sei es, wenn Kinder Landwirtschaft mit allen Sinnen kennenlernen und viele neue Eindrücke mit nach Hause nehmen könnten.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen LandFrauen, Landjugendlichen, Helferinnen und Helfern – insbesondere Familie Weber vom Saalenhof – die mit großem Engagement, viel Herzblut und zahlreichen Ideen diesen besonderen Tag möglich gemacht haben!