Shamonda Virus.ChatGPT Image 6. Aug. 2026 07 21 50 1024x696
© KI-generiert

Neues „Shamonda-like“-Virus bei Rindern nachgewiesen

Wichtiger Hinweis für alle Tierhalter von Rindern, Schafen und Ziegen:

Das in genetischen Untersuchungen aus erkrankten Rindern neu nachgewiesene „Shamonda-like“-Virus wird derzeit isoliert, um intensiv wissenschaftlich untersucht werden zu können. Viele der aktuell kursierenden Informationen beruhen noch auf ersten Beobachtungen und wissenschaftlichen Vermutungen in Analogie zum verwandten Schmallenbergvirus. Belastbare Aussagen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur eingeschränkt möglich.

Eine Beprobung von Einzeltieren eines Bestandes mit akutem Fieber ist derzeit ausdrücklich erwünscht und dient ausschließlich der weiteren Aufklärung des Krankheitsgeschehens. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand gibt es keine tierseuchenrechtlichen Regelungen bezüglich des Einzelbetriebes oder Handelsbeschränkungen die Regionen betreffen würden. Die Verbringung von akut erkrankten Tieren ist sowieso nicht gestattet.

Jede gezielt ausgewählte und eingesandte Probe (1-4 Proben/Betrieb) zur PCR-Differentialuntersuchung trägt dazu bei, das Virus besser zu verstehen, seine Verbreitungsdynamik einzuschätzen und künftig geeignete Maßnahmen zum Schutz der Tierbestände entwickeln zu können. Bitte unterstützen Sie die Untersuchungen, wenn in Ihrem Bestand entsprechende Krankheitsanzeichen auftreten.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat Anfang August erstmals in Deutschland, zeitgleich mit Frankreich, ein neues Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe („Shamonda-like“) nachgewiesen. Da sich die Lage derzeit sehr dynamisch entwickelt und noch viele Fragen offen sind, möchten wir Sie über den aktuellen Kenntnisstand informieren.

Wichtig: Zum jetzigen Zeitpunkt liegen noch sehr wenige wissenschaftliche Erkenntnisse über das neu nachgewiesene Virus vor. Viele derzeit diskutierte Zusammenhänge beruhen auf ersten Beobachtungen und Spekulationen, die erst durch weitere Untersuchungen bestätigt oder widerlegt werden müssen. Die nachfolgenden Informationen spiegeln daher den derzeitigen Wissensstand wider und können sich mit zunehmenden Forschungsergebnissen ändern.

Seit Juli wurden in mehreren Milchviehbetrieben in Süddeutschland sowie bereits zuvor in Frankreich und der Schweiz vermehrt Erkrankungen mit Fieber, Durchfall und teilweise deutlichen Milchleistungsrückgängen beobachtet. Zunächst wurde ein Auftreten des Schmallenberg-Virus vermutet. Weiterführende erbgenetische Untersuchungen mit Sequenzanalyse des gefundenen Erbgutes in akut erkrankten Tieren zeigten jedoch, dass ein bislang unbekanntes Virus aus der Simbu-Serogruppe die Ursache dieser Erkrankungen sein muss und wie die Erkenntnisse aus Frankreich bestätigen.

Für Rheinland-Pfalz ist derzeit noch unklar, ob und in welchem Umfang das Virus bereits vorkommt. Deshalb bittet das Landesuntersuchungsamt (LUA) betroffene Betriebe um Unterstützung bei der weiteren Aufklärung. Pressemitteilung LUA: Neues Virus wurde bei Rindern in Süddeutschland nachgewiesen.

Das neu nachgewiesene Virus gehört zu einer Virusgruppe die ursprünglich vor allem in Afrika, Asien und Australien gefunden wurden. Übertragen werden sie, ähnlich wie das Blauzungen- oder Schmallenberg-Virus, durch blutsaugende Gnitzen. Betroffen sind vor allem Rinder, Schafe und Ziegen.

Bei erwachsenen Tieren wurden bisher überwiegend folgende Symptome beobachtet:

  • Fieber,
  • Durchfall,
  • teilweise deutliche Rückgänge der Milchleistung.

Infektionen mit Viren der Simbu-Serogruppe führen bei erwachsenen Tieren in der Regel zu einer kurzen Virämie und meist nur zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt tragenden Tieren. Aufgrund der Verwandtschaft zum Schmallenberg-Virus wird derzeit vermutet, dass Infektionen während der Trächtigkeit möglicherweise zu Aborten, Totgeburten oder Fehlbildungen der Nachkommen führen könnten. Ob dies tatsächlich auch für das neu nachgewiesene Virus zutrifft, ist derzeit jedoch nicht belegt und wird aktuell intensiv untersucht.

Da die Gnitzensaison voraussichtlich noch bis Ende November andauert, muss mit einer weiteren Verbreitung des Virus gerechnet werden. Das Friedrich-Loeffler-Institut arbeitet derzeit mit Hochdruck an der weiteren Isolierung und Charakterisierung des Erregers sowie an der Entwicklung geeigneter Diagnoseverfahren. Ob zukünftig ein Impfstoff notwendig oder verfügbar sein wird, kann derzeit noch nicht beurteilt werden.

Für den Menschen besteht nach heutigem Wissensstand kein relevantes Infektionsrisiko durch diese Viren. Dennoch wird, wie bei allen neu auftretenden und bislang unzureichend charakterisierten Viren, ein mögliches zoonotisches Potenzial vorsorglich wissenschaftlich untersucht.

Was sollten/können betroffene Betriebe jetzt tun?

Beobachten Sie Ihre Tiere aufmerksam. Sollten aktuell oder in den vergangenen Wochen folgende Symptome in Ihrem Bestand aufgetreten sein,

  • Fieber und Durchfall bei Rindern,
  • deutliche Rückgänge der Milchleistung,
  • Aborte, Totgeburten oder missgebildete Kälber beziehungsweise Lämmer,

informieren Sie bitte zeitnah Ihren Hoftierarzt.

Passen Sie Ihr Fruchtbarkeitsmanagement den aktuellen Gegebenheiten an, insbesondere auch in Mutterkuhbetrieben. Beobachten Sie Ihre Tiere sorgfältig und lassen Sie bei Verdachtsfällen frühzeitig Proben untersuchen. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich zudem eine Trächtigkeitsuntersuchung (TU).

Der Einsatz von Repellentien in Analogie zur Blauzungenkrankheit und eine symptomatische Therapie sind zielführend.

Blutproben können über das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz (LUA) untersucht werden. Auch Proben von geeigneten Tieren (siehe oben) die innerhalb der vergangenen 14 Tage eingesandt wurden, können nachträglich noch auf das neue Virus untersucht werden.

Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und Sie fortlaufend über neue Erkenntnisse informieren. Weitere Informationen zum Shamonda-Virus (SHAV) finden Sie im Steckbrief des verwandten Shamonda-Virus Friedrich-Loeffler-Instituts: Steckbrief: Shamonda-Virus (SHAV)

Quellen: Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz (LUA).