In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 veränderte sich das Leben Tausender Menschen innerhalb weniger Stunden. Extreme Regenfälle ließen die Ahr und zahlreiche weitere Gewässer über die Ufer treten. Ganze Ortschaften wurden überflutet, Häuser, Straßen, Brücken und Existenzen zerstört.
135 Menschen verloren allein in Rheinland-Pfalz ihr Leben, 134 davon im Landkreis Ahrweiler. Hunderte wurden verletzt, Zehntausende waren unmittelbar von der Katastrophe betroffen. In Teilen der Ahrregion fielen innerhalb von 24 Stunden bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter – mehr als doppelt so viel wie dort durchschnittlich im gesamten Monat Juli. Deutschlandweit starben 185 Menschen.
Heute, am 14. Juli 2026, gedenken wir der Opfer. Unsere Gedanken sind bei ihren Familien und Freunden, bei den Verletzten, den Menschen, die ihr Zuhause oder ihre wirtschaftliche Existenz verloren haben, und bei allen, die die Bilder und Erlebnisse jener Nacht bis heute begleiten.
Zugleich erinnern wir an eine beispiellose Welle der Solidarität. Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Polizei, Bundeswehr, THW, Hilfsorganisationen und unzählige freiwillige Helferinnen und Helfer kamen in die betroffenen Gebiete.
Auch die Landwirtschaft und der Weinbau standen zusammen. Bereits am Tag nach der Katastrophe richtete der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau eine Hilfsplattform ein. Mehr als 100 Berufskolleginnen und Berufskollegen boten darüber unmittelbar ihre Unterstützung an. Der Kreisverband Ahrweiler leistete in dieser Zeit Übermenschliches und auch die hauptamtlichen Mitarbeiter des BWV packten im Ahrtal mit an.
Bäuerinnen und Bauern sowie Winzerinnen und Winzer zogen in Massen mit Traktoren, Radladern, Anhängern, Pumpen und weiterem schweren Gerät ins Ahrtal und in die Eifel. Sie räumten Schlamm und Trümmer beiseite, transportierten Hilfsgüter, stellten Maschinen zur Verfügung und halfen dort, wo Hilfe gebraucht wurde – häufig ohne nach Entschädigung zu fragen und ungeachtet der Arbeit, die gleichzeitig auf den eigenen Betrieben wartete.
Über den Bäuerlichen Hilfsfonds des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau und die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes konnte rund 150 betroffenen Bauern- und Winzerfamilien finanziell geholfen werden. Möglich wurde dies durch die große Spendenbereitschaft vieler Menschen, Unternehmen und Organisationen.
Fünf Jahre später ist bereits vieles neu entstanden. Doch der Wiederaufbau ist noch nicht beendet. Bis zum 1. Juli 2026 wurden für das Ahrtal mehr als 3,7 Milliarden Euro Aufbauhilfe bewilligt. Von rund 20.800 vollständig eingereichten Förderanträgen waren über 96 Prozent bewilligt; rund 2,4 Milliarden Euro wurden ausgezahlt. Zahlreiche kommunale Gebäude, Brücken und andere Teile der Infrastruktur befinden sich weiterhin im Wiederaufbau.
Unser besonderer Dank gilt heute allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, allen privaten Helferinnen und Helfern sowie allen Spenderinnen und Spendern.
Von Herzen danken wir insbesondere den Bauern- und Winzerfamilien, die vor fünf Jahren sofort ihre Maschinen starteten, die Ärmel hochkrempelten und selbstlos halfen – und die sich bis heute für ihre Berufskollegen, ihre Dörfer und den Wiederaufbau im Ahrtal einsetzen.
Diese Solidarität werden wir nicht vergessen.