„Tiergesundheit stärken, Seuchenrisiken minimieren: Fachinstitutionen beraten sich in Bekond“.
Bekond, im Juni 2026 – Vertreterinnen und Vertreter landwirtschaftlicher Institutionen aus den Bereichen Tiergesundheit, Landwirtschaft und Veterinärwesen haben sich in der Kreisgeschäftsstelle des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Bekond zu einem ersten Runden Tisch Tiergesundheit und Seuchenprävention Rheinland-Pfalz zusammengefunden. Ziel des Austausches war es, aktuelle Herausforderungen im Bereich Tierseuchenprävention und Biosicherheit zu identifizieren und Handlungsbedarfe für die Zukunft zu benennen.
An dem Treffen nahmen Frau Dr. Wettlaufer-Zimmer vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz (LUA), Frau Dr. Mengel Tierseuchenkasse Rheinland-Pfalz, Herr Dr. Hettich Veterinäramt Vulkaneifel, Frau Hemmes von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Herr Vogelgesang und Frau Franke für den Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz-Süd, sowie Herr Fiedler und Frau Nolden für den Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau teil.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die zunehmenden Anforderungen an die Tierseuchenbekämpfung und die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen Behörden, Verbänden, Tierärzteschaft und Tierhaltern. Ein wesentliches Thema war die unzureichende Herdenimmunität bei verschiedenen Tierseuchen. In diesem Zusammenhang wurden Möglichkeiten zur Steigerung der Impfbereitschaft der Tierhalter sowie die Vor- und Nachteile möglicher verpflichtender Impfmaßnahmen erörtert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Informationsverfügbarkeit im Seuchenfall. Die Teilnehmenden stellten fest, dass aktuelle Vorgaben und Regelungen oftmals nicht zeitnah und einheitlich verfügbar seien. Daher wurde die Entwicklung eines landesweit abgestimmten „Fahrplans für den Seuchenfall“ angeregt. Dieser soll Tierhaltern und beteiligten Institutionen klare Orientierung zu Zuständigkeiten, Meldewegen, Verbringungsregelungen und Notfallabläufen geben. Die entsprechenden Informationen sollen künftig zentral und leicht auffindbar auf den Internetseiten der beteiligten Organisationen bereitgestellt werden.
Diskutiert wurden außerdem Unterschiede bei der Umsetzung europäischer und bundesrechtlicher Vorgaben durch die zuständigen Veterinärbehörden in den Landkreisen. Die Teilnehmenden sehen hier Potenzial für eine stärkere Vereinheitlichung der Verwaltungsverfahren und eine intensivere Abstimmung zwischen den zuständigen Stellen.
Besondere Aufmerksamkeit galt den zahlreichen Kleinst- und Hobbyhaltungen von Nutztieren. Nach Einschätzung der Fachleute besteht hier häufig ein unzureichendes Bewusstsein für Biosicherheitsmaßnahmen und die damit verbundenen gesetzlichen Anforderungen. Gleichzeitig stellen diese Haltungen einen wichtigen Baustein bei der Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen dar.
Einigkeit bestand darüber, dass die Öffentlichkeitsarbeit deutlich verstärkt werden muss. Durch gezielte Informationskampagnen sollen Tierhalterinnen und Tierhalter sowie die breite Öffentlichkeit stärker für die Dringlichkeit von Biosicherheit, Tiergesundheit und Zoonosen sensibilisiert werden. Dies gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund von Hoffesten, Schulbesuchen und weiteren Veranstaltungen auf landwirtschaftlichen Betrieben an Bedeutung.
Darüber hinaus wurden Herausforderungen bei der Verfügbarkeit von Tierärzten, der Dokumentation von Impfungen, der Versorgung mit Tierarzneimitteln sowie beim Fachkräftemangel in nahezu allen beteiligten Bereichen angesprochen. Die Teilnehmenden sprachen sich für gemeinsame Schulungsangebote zu Biosicherheitsmaßnahmen und Tiertransporten aus, die sowohl für Tierhalter als auch für Tierärzte angeboten werden sollen.
Als konkrete nächste Schritte wurden die Erarbeitung von Merkblättern und Handlungshilfen für den Seuchenfall, die Durchführung gemeinsamer Schulungen sowie die Vorbereitung von Praxissimulationen zur Erprobung von Krisenabläufen vereinbart. Zudem soll die Bedeutung betrieblicher Biosicherheitspläne stärker in den Fokus gerückt werden.
Das nächste Treffen des Runden Tisches wird sich mit möglichen Lösungsansätzen und der konkreten Umsetzung der identifizierten Maßnahmen befassen.
Alexandra Nolden, Nadine Hemmes