Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

29.11.2017 - Rheinisch-Nassauische Obstbautagung

Norbert Schäfer übergibt Staatsekretär Andy Becht die Resolution aller betroffenen Obstbauorganisationen mit den Forderungen, die weiterhin effektive Versuchs- und Beratungsstrukturen im Obstbau zum Ziel haben. (Link zur Resolution)

Resolution: Bekenntnis zum Obstbauzentrum in Klein-Altendorf

Klein-Altendorf. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, hielt vor rund 100 Obstbauern und Gästen während der Obstbautagung im Kompetenzzentrum für Gartenbau, Klein-Altendorf, ein Plädoyer für den Erhalt dieses Beratungs-, Versuchs- und Bildungsstandortes.

Das Vegetationsjahr 2017 mit seinen Frostschäden habe deutlich gemacht, wie wichtig eine effektive Beratung mit Unterstützung von Wissenschaft und Versuchswesen für die Obstbaubetriebe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sei. Er dankte Ehrenpräsident Leo Blum, Vizepräsident Walter Clüsserath, Landfrauenpräsidentin Rita Lanius-Heck und Hauptgeschäftsführer Dr. Josef Derstappen, die mit ihrer Anwesenheit bei der Obstbautagung ihre Solidarität und Unterstützung des gesamten Berufsstandes für die Obstbauern in dieser Frage bekunden würden. Es sei beeindruckend, was in den vergangenen 15 Jahren in diesem Kompetenzzentrum gemeinsam mit der Universität Bonn, dem Forschungszentrum in Jülich und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen entstanden sei.

Die Politik wolle die Region um Bad Kreuznach zum Silicon Valley in Rheinland-Pfalz machen. Gerade die modernen Fragen des Pflanzenschutzes, der Düngung, aber auch des Obstbaus würden in Bad Kreuznach und Oppenheim hervorragend betreut. Es wäre sinnvoll, gerade diesen Standort für den gesamten Obstbau in Rheinland-Pfalz mit seiner Außenstelle in Klein-Altendorf auszubauen. Das Forschungszentrum Jülich mit seinen technischen Innovationen im Bereich des Pflanzenschutzes sei in Klein-Altendorf ebenfalls nicht mehr wegzudenken.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Obstbau, Norbert Schäfer, betonte, die Durchführung der Rheinisch-Nassauischen Obstbautagung in Klein-Altendorf sei ein deutliches Zeichen für das Kompetenzzentrum. Die Fröste im April dieses Jahres hätten zu schwerwiegenden Schäden und wirtschaftlichen Einbußen bei den Obstbaubetrieben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geführt. Er dankte Staatssekretär Andy Becht, dass die Landesregierung Wort gehalten habe und die landwirtschaftlichen Betriebe unterstützen würden. Damit diese sich in Zukunft selbst helfen könnten, wäre es von großer Bedeutung, dass beispielsweise eine Steuerglättung eingeführt werde, beziehungsweise Versicherungslösungen mit staatlicher Unterstützung angeboten würden. Darüber hinaus würde es den Betrieben helfen, wenn sie Kulturschutzanlagen ohne Repressalien durch die Kreisverwaltungen errichten könnten.

Resolution aller Obstbauorganisationen für Klein-Altendorf

Er unterstütze die Aussage des Präsidenten, indem er darlegte, dass Generationen von landwirtschaftlichen Unternehmern in Klein-Altendorf unterrichtet und fortgebildet worden seien. Die Landwirte selbst wüssten, was gut für sie sei. Die institutionsübergreifende Zusammenarbeit in Klein-Altendorf sei beispielhaft in ganz Deutschland. Diese Kooperation müsse auch weiterhin genutzt werden. Deshalb habe er als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Obstbau, gemeinsam mit der Fachgruppe Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd und dem Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer mit Unterstützung der Universität Bonn, eine Resolution verabschiedet, die ein klares Bekenntnis für den Obstbaustandort hier im zentralen Obstanbaugebiet von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sei.

(Die Resolution kann hier eingesehen werden)

„Alle Leute, die hier im Raum sitzen, ziehen an einem Strang. Nun müssen wir das Fundament für einen weiterhin zukunfts- und wettbewerbsfähigen Obstbau schaffen“. Es müsse ein Konzept erarbeitet werden, die die drei eng und kooperativ zusammenarbeitenden Zentren in Klein-Altendorf, Köln-Auweiler und Oppenheim umfasst. Anschließend verlas Schäfer fünf zentrale Forderungen der Resolution, nämlich die weiterhin enge Verzahnung von praxisorientiertem Versuchswesen und angewandter Wissenschaft unter Beteiligung der Universität Bonn, des Forschungszentrums Jülich und der Länder Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, eine länderübergreifende obstbauliche Beratung durch spezialisierte Fachkräfte, die Gründung eines neuen Fachgremiums mit praxisorientierter Ausrichtung, die Fortführung der bewährten Lehr- und Berufsausbildung sowie die zeitnahe und vollumfängliche Wiederbesetzung der Stelle des Leiters des Versuchsbetriebs in Klein-Altendorf.

Die Obstbauern liegen uns am Herzen

Mit den Worten „Sie liegen uns am Herzen!“ begann Staatssekretär Andy Becht seine Rede. Viele Inhalte der Resolution, die die Obstbauern fordern würden, seien im Sinne der Landesregierung. Es werde wohl nicht alles in dem bisherigen Umfange erhalten bleiben, zumal ein vorgegebenes Maß an Personalabbau umgesetzt werden müsse. Er gehe aber davon aus, dass ein Teil des Know-hows durch Rationalisierung und Digitalisierung kompensiert werden könne. Der Landesrechungshof habe 2013 bereits Einsparungen am Standort Klein-Altendorf gefordert. Schließlich habe Ende 2016 der Landtag einen Entlastungsbeschluss verabschiedet.

Trotz des Beschluss des Landtages, die Pacht- und Mietverträge am Kompetenzzentrum in Klein-Altendorf nicht zu verlängern, werde das Land auch weiterhin an diesem Standort festhalten. Es gelte nun, die Beteiligung des Landes am Kompetenzzentrum neu zu gestalten. Fest stehe, dass am Standort Klein-Altendorf die Fachkompetenz erhalten bleiben und die Nachwuchsqualifizierung fortgeführt werde. An dieser Position habe sich seitens des Landwirtschaftsministeriums nichts geändert. „Sein Haus“ arbeite an einer tragbaren und länderübergreifenden Lösung. Er dankte den Verbänden für ihre Resolution, da sie auch den Verhandlungspartnern die Bedeutung des Standortes verdeutliche. 2018 werde das Jahr des Aufbruchs sein. Bereits ab Januar werde sich ein Workshop mit der Zukunft Klein-Altendorfs beschäftigen. Hier würden Vorschläge für Anschlusslösungen ab 2025 erarbeitet werden. Alle Partnerorganisationen seien eingeladen, am Workshop teilzunehmen.

In der anschließenden Diskussion machten die Teilnehmer deutlich, wie wichtig ihnen der Versuchs-, Beratungs- und Schulungsstandort Klein-Altendorf sei. So habe beispielsweise Landwirt Johannes Nachtwey bereits zweimal mit Staatsminister Dr. Wissing über die Zukunft des Standortes gesprochen. Weitere Landwirte haben ebenfalls Briefe geschrieben oder das Gespräch mit verantwortlichen Politikern gesucht. Staatssekretär Andy Becht zeigte sich beeindruckt über die Bedeutung des Standortes für die Praktiker im Land.

Prof. Dr. Ralf Pude, der Geschäftsführer des Campus Klein-Altendorf, erläuterte die innovative Forschungsinfrastruktur am Campus. So seien vier neue Forschungsgewächshäuser sowie Maschinen- und Werkstatthallen und ein Versuchs-Technikum mit Seminarraum entstanden. Das 2002 gegründete Kompetenzzentrum Gartenbau stehe nun einmal auf den Säulen „Bundesland Rheinland-Pfalz“, „Universität Bonn“, „Forschungszentrum Jülich“ und „Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen“. Keines dieser vier Säulen sollte wegbrechen, da alle zur fruchtbaren Arbeit dieses Zentrums beitrügen. Seitens der Universität Bonn würden drei Professoren, nämlich Prof. Ralf Pude, Prof. Thomas Döring sowie ab 01. April 2018 Prof. Eike Lüdeling die Forschungsprojekte betreuen. In seinen weiteren Ausführungen stellte Pude verschiedene Forschungsprojekte vor, wie z. B. die energetische Nutzung von Obstbäumen, die Gründung des „bio innovation parks Rheinland e.V.“, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Miscanthus, so z. B. als Pflanzsubstrat, sowie über den Kompetenzschwerpunkt biobasierte Produkte.

Anschließend erläuterte Thomas Münch von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau (SVLFG) die Bedeutung des Atemschutzes für landwirtschaftliche Unternehmer. Dabei stellte er die verschiedenen technischen Möglichkeiten, von der Körperbekleidung bis hin zur Kabinentechnik, vor. Wer kontinuierlich fahrlässig mit Pflanzenschutzmittel umgehe, riskiere seine Gesundheit. Dabei sei es recht einfach, sich zu schützen, wenn die Schutztechnik verantwortungsbewusst eingesetzt werde.

Die Rheinisch-Nassauische Obstbautagung war eine Demonstration für eine zukunftsweisende Beratungs-, Versuchs- und Schulungsstruktur für die Obstbauern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Der Vorsitzende Norbert Schäfer machte am Ende der Veranstaltung deutlich, dass sich der bäuerliche Berufsstand auch weiterhin vehement für den Zukunftsstandort Klein-Altendorf einsetzen werde und dankte Staatssekretär Andy Becht für die Zusage, diesen Weg nicht nur unterstützen, sondern vorantreiben zu wollen.

Die Obstbauern gaben während des Obstbautages in Klein-Altendorf ein klares Bekenntnis für das Versuchswesen, die Forschungstätigkeiten und die Beratungs- und Schulungskompetenz des KoGa ab.