Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

30.08.2017 - Obstbau

Landrat Alexander Saftig (Mitte) informierte sich in Mülheim-Kärlich über die ernste Situation der heimischen Obstbauern und sagte seine Unterstützung zu.

Kapitale Einbußen im Koblenzer Obstbaugebiet

Mülheim-Kärlich. Während des jährlichen Obstbaurundgangs in Mülheim-Kärlich informierten sich Landrat Alexander Saftig, der Verbandsbürgermeister von Weißenthurm Georg Hollmann, der erste Beigeordnete Thomas Przybylla und Medienvertreter über die aktuelle Situation im Obstbau. Der Vorsitzende des Obstbauringes Koblenz, Thomas Kreuter, bedauerte, der Öffentlichkeit ein extrem ertragsarmes Obstjahr präsentieren zu müssen. Werner Haak, Geschäftsführer des Raiffeisenlagers in Mülheim-Kärlich bestätigte, dass er in 40-jähriger Tätigkeit im Warenlager ein solch schlimmes Jahr noch nie erlebt habe. Über alle bisher geernteten Obstarten seien maximal 20 bis 25 Prozent der sonstigen Erntemengen eingegangen. Am Beispiel der Zwetschen erklärte er, dass die Erzeugerpreise zwar recht passabel seien, diese aber die Ernteeinbrüche nicht kompensieren könnten. Er rechne am hiesigen Lager mit einem Umsatzeinbruch von 70 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Vorjahr.

Kreuter sieht auch in der anstehenden Apfelernte keine besseren Ergebnisse. Kritisch sei auch die Einkaufspolitik des Lebensmitteleinzelhandels. Zwar werde mit Produkten aus der Region geworben, gleichzeitig werde aber sehr viel Importware angeboten. Diese drücke selbstverständlich auf die Erzeugerpreise, so dass dringend benötigte höhere Preise kaum erzielt werden könnten. Hinzu komme, dass für den Obstbau wichtige Pflanzenschutzmittel gegen die Kirschessigfliege, die in Deutschland mittlerweile nicht mehr zugelassen seien, im Ausland aber durchaus eingesetzt würden. Dies führe zu weiteren gravierenden Wettbewerbsverzerrungen.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Obstbau und Vizevorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Obstbau, Norbert Schäfer, kritisierte auf das Schärfste, dass Discounter weitere Auflagen, über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, von den Bauern abverlangen würden. Dies sei ein Feigenblatt für die Unternehmen, die ihr Image auf dem Rücken der bäuerlichen Familienbetriebe aufpolieren würden.

Martin Balmer vom DLR Rheinpfalz, mit Sitz in Klein-Altendorf, erläuterte die Auswirkungen des Frostes Ende April für die Obstbaubestände in Rheinland-Pfalz. Lediglich die Hauszwetsche sei robuster und habe mit späterer Blüte die Schadensperiode weitgehend unbeschadet überstanden. Gerade die Zwetschenanbauer hofften nun auf die Ernte dieser Zwetschenart. Aufgrund der klimatischen Veränderungen würde die Apfelblüte immer frühzeitiger beginnen, während weiterhin späte Kaltlufteinbrüche Mitte, Ende April erfolgen würden. Dies führe zu problematischen Konstellationen, die schließlich zu der katastrophalen Situation in 2017 geführt habe. Kreuter forderte die Politik auf, sich für eine Unterstützung der Mehrgefahrenversicherung einzusetzen, damit auch Frostschäden im Obstbau versichert werden könnten. Die aktuelle Situation sei unbefriedigend.

Während des Rundganges erläuterte QS-Betreuerin Anje Hamann-Kraut die Nutzung verschiedener Feldstrukturen zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Darüber hinaus erklärte sie, wie Solitärbienen in Obstbauflächen angesiedelt und gehalten werden könnten.

Mathias Jönck vom Obsthof Mohrs-Jönck, verdeutlichte anhand verschiedener Apfelsorten die Auswirkungen des Frostes auf seinem Betrieb. Teilweise seien keine 20 Prozent an Erträgen mehr einzufahren. Unter anderem nannte er die Sorten Galmac, Zari sowie Braeburn als besonders stark betroffen. So erwarte er bei frühen Sorten Einbußen bis zu 80 Prozent, bei den robusteren Sorten wie Elstar, Gala oder Rubinette hingegen normale Erntemengen.

Landrat Saftig zeigte sich sehr betroffen von dem wirtschaftlichen Schicksalsschlag, mit dem sich die hiesigen Obstbaubetriebe auseinandersetzen müssten. Er werde sich in der Politik weiterhin für die Unterstützung der stark betroffenen Betriebe einsetzen. Sowohl Schäfer als auch Kreuter ergänzten, dass die Zukunft des Obstbaus in der Region auch sehr von der Zukunft des Kompetenzzentrums Klein-Altendorf abhänge. Sie baten den Landrat, sich in der Politik auch für die Erhaltung und Stärkung des Beratungsstandortes einzusetzen. Gerade das Jahr 2017 habe gezeigt, wie wichtig in schwierigen Jahren eine schlagkräftige staatliche Beratung sei.