Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

26.04.2017 - Beratung statt Verordnung

In seinem Schlusswort versprach der Abteilungsleiter Wasserwirtschaft der SGD Nord, Joachim Gerke, noch einmal den anwesenden Landwirten, dass von ihnen nichts verlangt werde, was in der Sache nichts bringe und warb dafür, sich an kooperativen Prozessen zu beteiligen.

Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie an der Prüm

Bitburg. Bereits seit weit mehr als 10 Jahren beschäftigt sich das Land Rheinland-Pfalz intensiv mit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Vor allem im Zusammenhang mit dem angestrebten guten ökologischen und chemischen Zustand von Oberflächengewässern ist die Landwirtschaft in besonderer Weise von möglichen Maßnahmen betroffen. Dies ist auch der Grund dafür, dass sich die Landwirtschaft seit vielen Jahren in Gesprächen mit Ministerium und Behörden für sachliche und umsetzbare Maßnahmen einsetzt. Auf diese Weise sollen insbesondere Nährstoffeinträge aus diffusen Quellen, die zum Teil aus der Landwirtschaft herrühren, vermieden werden. Dabei stehen vor allem kooperative Ansätze im Vordergrund, in deren Rahmen die Bewirtschafter landwirtschaftlicher Flächen möglichst auf freiwilliger Basis dazu bewegt werden sollen, durch bestimmte Verhaltensweisen den Eintrag von Nährstoffen wie Nitrat und Phosphat in Wasserkörper zu verhindern.

In einer beim rheinland-pfälzischen Umweltministerium gegründeten Arbeitsgruppe Landwirtschaft zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurde vereinbart, die Verfahren zur Einbindung von Landwirten in Maßnahmen auf der Grundlage des Vertragsnaturschutzes zu testen. In der Eifel wurde dafür der Bereich der Prüm ausgewählt, um anhand der vorhandenen Daten möglichst zielgenau und ohne mehr als notwendige Eingriffe in die Bewirtschaftung, mögliche Eintragswege, vor allem von Phosphaten, zu verhindern. Die Besonderheit von Phosphateinträgen in Oberflächengewässer besteht darin, dass diese meist durch Erosion verursacht werden, weil die Phosphate an Bodenpartikeln anhaften und ins Gewässer abgeschwemmt werden können. Daher sind vor allem Ackerflächen an Hängen zur Umsetzung freiwilliger Maßnahmen interessant.

Im Rahmen einer Zusammenkunft von Landwirten aus dem Einzugsbereich der Prüm, kamen auf Einladung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau und der SGD Nord, Abteilung Wasserwirtschaft, Ende März etwa 60 Landwirte mit den Vertretern der Behörden zusammen, um über Strategien zur Verringerung von Nährstoffeinträgen zu diskutieren. Dabei wurde noch einmal deutlich, dass es vor allem der SGD Nord sehr daran gelegen ist, hoheitliche Maßnahmen, bis hin zur möglichen Ausweisung von Gewässerrandstreifen, zu vermeiden. Dies kann gelingen, wenn auf kooperativem Wege die Nährstoffeinträge reduziert werden.

BWV-Präsident Michael Horper betonte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der SGD Nord im Zusammenhang mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, wobei er jedoch darauf hinwies, dass Verursacher von Phosphateinträgen in erster Linie nicht die Landwirtschaft, sondern auch andere Verursacher, wie beispielsweise die Kläranlagen, seien. Darüber hinaus wurde deutlich, dass es auch Phosphateinträge aus der Entwässerung von Straßen gebe, die immerhin mit rund 15 Prozent an der Gesamtfracht beteiligt seien. Bei aller Diskussion darüber, wer Hauptverursacher von Phosphateinträgen in Oberflächenwasser sei, plädierte Dr. Friedhelm Fritsch von der Wasserschutzberatung Rheinland-Pfalz dafür, durch gezielte, auf besondere Flächen und auf die Belange der Landwirte zugeschnittene Maßnahmen, die größtmöglichen Erfolge zur Vermeidung von Einträgen zu erzielen. Bei den teilnehmenden Landwirten wurde das Angebot zur individuellen Beratung positiv aufgenommen, so dass in einem nächsten Schritt Gespräche mit Bewirtschaftern der in Frage kommenden Flächen durchgeführt werden.