Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

08.03.2017 - Verbändegespräch BWV und Bioland

Die Spitzen des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau und des Bioland-Anbauverbandes trafen sich zum Meinungsaustausch und stellten die gemeinsamen agrarpolitischen Ziele fest.

GAP-Reform muss auch künftig eine ausreichende Basisprämie gewährleisten

Koblenz. Die Spitzen des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau und des Bioland-Anbauverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland trafen sich zu einem Sondierungsgespräch in Koblenz. Präsident Michael Horper, Vizepräsident Manfred Zelder, Hauptgeschäftsführer Dr. Josef Derstappen und stellv. Hauptgeschäftsführerin Karin Bothe-Heinemann trafen den Bioland-Landesvorsitzenden Regino Esch, Geschäftsführerin Sabine Berger und Matthias Dörr aus dem Saarland.

Übereinstimmend stellten die Teilnehmer fest, dass die gemeinsame Agrarpolitik auch nach 2020 für eine ausreichende wirtschaftliche Unterstützung aller landwirtschaftlichen Betriebsformen sorgen müsse. Esch bemerkte, dass es erklärtes Ziel der Bundesregierung und der Landesregierung sei, auf absehbare Zeit 20 Prozent aller Betriebe auf die ökologische Produktionsweise umzustellen. Die aktuelle Ausstattung der zweiten Säule lasse aber nur die weitere Umstellung von vier Prozent der Betriebe auf dann insgesamt 13 Prozent zu. Bei einem weiteren Anstieg wäre eine Umschichtung von der ersten in die zweite Säule notwendig. Präsident Michael Horper vertrat die Auffassung, dass auch die Wiedereinführung der Ausgleichszulage für von Natur aus benachteiligte Gebiete wichtig sei. Darüber hinaus seien über die zweite Säule die Bodenordnung, die Investitionsförderung sowie freiwillige Agrarumweltmaßnahmen zu fördern. Die verschiedenen Produktionsrichtungen sollten sich dabei nicht auseinander dividieren lassen. Schließlich profitierten von der Basisprämie der ersten Säule alle landwirtschaftlichen Unternehmen, auch die ökologischen Betriebe. Diese hätten darüber hinaus keine weiteren Greeningauflagen zu erfüllen und müssten daher trotz Erhalt der Basisprämie keine kostenverursachenden Einschränkungen hinnehmen. Horper würde es sehr begrüßen, wenn bei der kommenden GAP-Periode die Tierhalter gestärkt würden. Sie hätten unter den marktwirtschaftlichen Schwankungen bisher am meisten gelitten.

Dr. Josef Derstappen fügte hinzu, dass der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau die Umschichtung von Finanzmitteln von der ersten in die zweite Säule nicht unterstütze. Wer anderes wolle werde die verschiedenen Produktionsrichtungen gegeneinander aufbringen. Berger entgegnete, dass sie sich eine Dynamik in den Prämien wünsche. Schließlich befänden sich die Prämien für ökologisch wirtschaftende Betriebe in Rheinland-Pfalz im unteren Drittel im deutschlandweiten Ranking. Esch bestätigte, dass die Prämien erhöht werden müssten. Schließlich werde der Bioanbau professionell betrieben und dies sei zu honorieren. Man werde sich für eine Strategie einsetzen, die in der kommenden GAP-Periode die ökologischen Betriebe finanziell absichere.

Die Verbände kamen darin überein, dass alle Produktionsrichtungen ihre Berechtigung und ein Anrecht auf eine Grundabsicherung über die Basisprämie hätten. Während der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau eine Absenkung der Basisprämie ablehne, würde der Bioland-Anbauverband eine höhere und weitere Förderung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe durch eine Aufstockung der zweiten Säule begrüßen. Einig waren sich beide Verbände hinsichtlich der Beratung und Investitionsförderung. Die Landwirte seien vor Investitionsbeginn so zu beraten, dass sie auch in späteren Jahren noch in der Lage seien ihre Betriebe auf die ökologische Bewirtschaftungsweise umstellen zu können. Bothe-Heinemann wies darauf hin, dass die Auflagen im Bereich der Investitionsförderung für moderne Stallhaltungssysteme bereits heute über das gesetzlich geforderte Minimum hinausgehe. „Jede Förderung in Stallsysteme führt zu einer Verbesserung des Tierwohls“, ergänzte Dr. Derstappen. Zelder ärgerte sich über negative öffentliche Diskussionen über moderne Stallhaltungssysteme. Die Investitionen in das Tierwohl der letzten Jahre würden in der Öffentlichkeit nicht respektiert. Das sei nicht fair und nicht in Ordnung.

Beide Verbände stimmten darin überein, dass eine Entwicklung, wie im Saarland nicht eintreten dürfe, wo konventionelle Betriebe aufgrund fehlender staatlicher Mittel nicht mehr auf ökologische Landwirtschaft umstellen könnten. Soweit dürfe es in Rheinland-Pfalz nicht kommen. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau respektiere jede betriebliche Entscheidung seiner Mitglieder. Wer seinen Betrieb umstellen möchte, solle dies auch tun können. Sollten die Finanzierungsmittel ausgeschöpft sein, müsse man sich zu gegebener Zeit wieder zusammensetzen. Wichtig sei aber eine ausgewogene Berücksichtigung aller Betriebszweige. Beide Organisationen werden auch weiterhin das Gespräch suchen.