Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

24.01.2017 - Maifeldwoche

Die Organisatoren der Maifeldwoche Dr. Johannes Noll (2. von links) und Florian Krings (rechts) konnten hochkarätige Redner aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft begrüßen: Staatsekretär Andy Becht (2. von rechts), Dr. Sabine Fabich (Mitte) vom Landwirtschaftsministerium und Dr. Günther Peters (links) von Syngenta Agro

Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln gefährdet

Polch. Der erste Tag der vom VLF Mayen-Koblenz und dem DLR Westerwald-Osteifel organisierten Maifeldwoche in Polch stand unter dem Schwerpunkt Politik und Pflanzenschutz. Andy Becht, Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministeriums, versprach den landwirtschaftlichen Unternehmern, dass seine Verwaltung ein „waches Auge“ auf Entwicklungen habe, die der Landwirtschaft schaden könnten. So habe beispielsweise Minister Dr. Volker Wissing einen Entschließungsantrag in den Bundesrat eingebracht, damit die Reform der Grundsteuer nicht zu finanziellen Einbußen bei den landwirtschaftlichen Unternehmen führen werde.

Die landwirtschaftlichen Unternehmen in Rheinland-Pfalz müssten auch künftig wettbewerbsfähig arbeiten können. Daher müsse eine Landwirtschaftspolitik darauf achten, dass landwirtschaftliche Unternehmen auch künftig Gewinne erzielen und darüber hinaus Geld für Investitionen erwirtschaften könnten. Nur dann könnten auch gesellschaftliche Forderungen umgesetzt werden.

In seinen weiteren Ausführungen brach Becht eine Lanze für ein attraktives Aus- und Weiterbildungsangebot. Sowohl die Berufs- als auch die Fachschulen müssten attraktiv ausgestaltet werden. Quereinsteiger seien in den „Grünen Berufen“ herzlich willkommen.

Die landwirtschaftlichen Betriebe müssten sich mit verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen auseinandersetzen. Daher werde das Landwirtschaftsministerium eine Vertrauenskampagne durchführen und verstärkt auf Information und Aufklärung setzen. Er nannte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Pflanzenschutzes für die Landwirtschaft und für die Erzeugung gesunder Lebensmittel. Auf den Einsatz hochwertiger Pflanzenschutzmittel könne auch in Zukunft nicht verzichtet werden. Becht wies darauf hin, dass die Witterung des Jahres 2016 vor über 100 Jahren eine gewaltige Hungersnot hervorgerufen hätte. Durch den modernen Pflanzenschutz sei diese Gefahr heute gebannt. Die weitere Verschärfung der Zulassungsverfahren könne zu einem allmählichen Wegfall von Wirkstoffen führen. Die durchaus sinnvolle und Bürokratie mindernde Einführung zonaler Zulassungszonen habe ursprünglich zum Ziel gehabt, Wirkstoffe einfacher in den verschiedenen Staaten einer Zone zulassen zu können. Durch zusätzliche Anforderungen deutscher Behörden, hier voran das Umweltbundesamt, würde hingegen ein Berg von Wirkstoffen auf ihre Zulassung warten. Das Umweltbundesamt habe seine Zulassungskriterien zu hoch eingestuft und verhindere damit künftig eine sinnvolle und wichtige Erzeugung gesunder Nahrungsmittel.

Im März vergangenen Jahres habe das Land Rheinland-Pfalz über die Agrarministerkonferenz eine Initiative gestartet, um die Zulassungsverfahren zu beschleunigen. Dies gelte auch für Mittel, die im Rahmen der Lückenindikation genutzt werden könnten.

In einem weiteren Punkt ging Becht auf die Digitalisierung der Landwirtschaft, dem sogenannten „Smart Farming“ ein. Hierbei würden Geobasisdaten mit Naturschutzdaten und privaten Daten verknüpft. Damit könne in der Landwirtschaft effektiver gearbeitet und Bürokratie abgebaut werden. Auch der überbetriebliche Einsatz würde durch die Digitalisierung vereinfacht werden.

Zur Novellierung der Düngeverordnung erklärte Becht, dass sie die gute fachliche Praxis bei der Düngung regele. Auch wenn sich zurzeit der Zustand der Grundwasserkörper nicht wesentlich verbessert habe, dürfe es keine Einschränkungen bei der Qualitätserzeugung landwirtschaftlicher Produkte geben. Die Novellierung der Düngeverordnung sei ein Kompromiss, der auch der Landwirtschaft Freiräume lasse. In Risikogebieten seien allerdings weitere Maßnahmen vorgesehen, die einer Qualitätserzeugung dennoch nicht entgegenstünden.

Die Landwirtschaftspolitik des Landes sei kein verlängerter Arm des Umweltbereiches. Die Landwirtschaft sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der wettbewerbsorientiert Leistung erbringen müsse. Sowohl der steuerliche als auch der soziale Rahmen sei praxisnah zu gestalten. Eine leistungsstarke Agrarverwaltung würde auch künftig die moderne Landwirtschaft begleiten. Auch die gemeinsame Agrarpolitik müsse weiterhin mit einer gut ausgestatteten ersten Säule weiterentwickelt werden. Ihm liege ein staatlich unterstütztes Risikomanagement, das den Landwirten ermögliche, in einem volatilen Markt besser bestehen zu können, am Herzen.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, forderte den Staatssekretär auf, sich für eine finanzielle Freistellung der Aus- und Weiterbildung bei den Grünen Berufen einzusetzen. Im modernen deutschen Bildungssystem hätten die hohen Gebühren für die Auszubildenden nichts zu suchen. Weiter forderte Horper die baldige Wiedereinführung der Ausgleichszulage. Sie fehle gerade den Betrieben in benachteiligten Regionen. Sie sei wichtig für die Viehalter in den Mittelgebirgslagen. Der Staatssekretär wies darauf hin, dass zuerst die Gebietskulisse für die benachteiligten Gebiete neu festgesetzt werden müsse. Die Ausgleichzulage sei aber ein wichtiges wirtschaftliches Instrument und werde sehr ernst genommen. Hinsichtlich der Ausbildungsgebühren erklärte er, dass die Ausbildung zwar noch nicht kostenfrei sei, aber Meisterboni gewährt würden. Er werde sich aber dafür einsetzen, die Kosten in diesem Bereich weiter zu reduzieren.

Der Ehrenkreisvorsitzende Rudolf Schneichel bat den Staatssekretär darum, Einfluss auf die zuständigen Umweltbehörden bei der Ausweisung neuer Wasserschutzgebiete zu nehmen. Gerade durch den letztjährigen Witterungsverlauf hätten höhere Stickstoffwerte im Boden nicht verhindert werden können. Er sehe die Gefahr, dass die Wasserwirtschaft solche Gegebenheiten zum Anlass nehmen werde, um Wasserschutzgebieten sehr stringente Regelungen aufzulegen. Hier müsse landwirtschaftlicher Sachverstand einfließen.

Der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Marco Weber bat den Staatssekretär darum, den E-Antrag zur Agrarförderung bis Ende Februar an die Betriebe zu versenden, damit diese genügend Zeit hätten, um sich mit dem Antrag auseinander zu setzen. Darüber hinaus müssten gerade die Schweine haltenden Unternehmen, die in den letzten Jahren unter sehr starkem wirtschaftlichen Druck gestanden hätten, positiv begleitet werden. Als Beispiel nannte er die aktuelle Diskussion um die Haltung der Muttersauen in Kastenständen.

Der Nachmittag stand im Zeichen des Pflanzenschutzes. Neue Entwicklungen im Pflanzenschutzrecht sowie die Situation bei den Pflanzenschutzmittelzulassungen erläuterten Dr. Sabine Fabich vom rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium und Dr. Günther Peters von der Syngenta Agro GmbH. So wurden die Ziele des Nationalen Aktionsplanes Pflanzenschutz bis zum Jahr 2018 erläutert, der u.a. die Reduzierung der Pflanzenschutzmittel, eine Anti-Resistenz-Strategie und eine ausreichende Zurverfügungstellung von Wirkstoffen pro Anwendungsgebiet vorsehe. Allerdings stünde aufgrund des Zulassungsstaus durch das Umweltbundesamt der Pflanzenschutzbereich vor einem Kollaps. Probleme, wie sie zurzeit die Sonderkulturen durchlebten, werde noch in diesem Jahrzehnt auch auf die Hauptkulturen zukommen.

Die Maifeldwoche wartete auch in diesem Jahr wieder mit einer Vielfalt an interessanten Themen und hochkarätigen Referenten auf. Die Besucher konnten sich ein umfassendes Bild über viele verschiedene landwirtschaftliche Bereiche machen.