Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

23.12.2016

Grußwort zum Jahreswechsel

Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Winzerinnen und Winzer,

das Jahr 2016 war für die Meisten von uns ein schlechtes Jahr. Die Preise für die Milch und für die Feldfrüchte gaben keinen Anlass zur Freude und darüber hinaus hatten wir hohe Aufwendungen, um dem Krankheitsdruck in unseren Beständen Herr zu werden. Die schweinehaltenden Betriebe hatten nach Jahren der Tiefpreisphase zeitweise zufriedenstellende Preise. Im Weinbau können die Winzer für den Jahrgang insgesamt von guten Qualitäten ausgehen. Erfreulich war auch der Preisanstieg im Herbst am Fassweinmarkt, die nun über dem Niveau von 2015 liegen.

Wir leben in einem globalen Markt und erfreulicherweise wünscht sich die überwiegende Mehrheit unserer Verbraucher regional erzeugte Produkte, ohne allerdings nachhaltig bessere Preise dafür zahlen zu wollen. Wir dürfen uns mit unserer Leistung aber nicht klein machen. Wir erzeugen doch Qualitäten, wo sich Menschen in anderen Teilen unserer Welt die „Finger danach lecken“ würden. Wenn in den Schwellenländern die Kaufkraft steigt, werden verstärkt deutsche Produkte nachgefragt. Wenn auch der Meister am eigenen Herd vielfach wenig geschätzt wird, so sind wir in der Welt Spitzenreiter in der Liga der Nahrungsmittelproduzenten. Deswegen dürfen wir uns auch durch schlechte Jahre nicht entmutigen lassen. Schwankungen zeichnen sich nun einmal dadurch aus, dass nach Tälern auch wieder Berge folgen.

Es sind vor allem die gesetzlichen Einschränkungen, die mir persönlich mehr Sorgen machen als marktwirtschaftliche Schwankungen: die Gängeleien und Einschränkungen, die wir aufgrund gesetzgeberischer Maßnahmen hinnehmen müssen. Nach fast zwei Jahren als Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau muss ich feststellen, dass es unglaublich ist, mit welcher Sturheit - auch aus Gründen der Gesichtswahrung – bei der Entwicklung, Bearbeitung, Diskussion und Verabschiedung von Gesetzen und Verordnungen an unsinnigen Inhalten festgehalten wird. Das Aufbrechen dieser geistigen Fronten bindet viel Zeit und viel Kraft.

Ungeachtet dessen gibt es auch gesellschaftliche Strömungen, die versuchen, uns mit Unwissen zu diskreditieren. So müssen wir nicht selten gegen Bürgerinitiativen ankämpfen, die mehr mit unqualifizierten Schlagworten arbeiten als mit Fachkenntnissen. Ich habe jeden Respekt vor Mitgliedern, die sich gegen diese Bürgerinitiativen behaupten und sogar oftmals gegen Politiker kämpfen, die sich vor den Karren solcher Menschen spannen lassen, die von sich selbst glauben, sie würden das Volk vertreten. So ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass Menschen einerseits Obst und Gemüse aus aller Herren Länder einkaufen und andererseits hier vor Ort Landwirte kritisieren, die Gülle aus Westfalen, Holland oder Belgien ackerbaulich verwerten. Gülle spart Mineraldünger ein, verbessert gerade in vieharmen Regionen die Bodenstruktur und ist letztlich auch wirtschaftlich sinnvoll. Anstatt sich aber hinter die Bauern zu stellen, wie das vereinzelt durchaus der Fall ist, gehen viele Bürgermeister und Gemeinderäte doch eher aggressiv gegen Bauernfamilien vor, angeblich im kommunalen Interesse, in der Regel aber, um Bürgerinitiativen zu gefallen. Dabei wird meines Erachtens eines verkannt: Die Menschen wünschen für sich ein Gefühl der Sicherheit. Politische Entscheidungsträger würden nicht nur an Profil, sondern auch an Ansehen in den Gemeinden gewinnen, wenn sie sich fachlich mit der Landwirtschaft auseinandersetzen würden und verunsicherten Menschen deutlich sagen würden, welche Vorteile beispielsweise die Ausbringung von Gülle haben kann und weshalb eine Dorfgemeinschaft dankbar für jeden existenzfähigen Bauernhof sein sollte. Es wäre sehr viel schneller Ruhe und Frieden in den Dörfern, wenn den Bürgerinitiativen der Wind aus den Segeln genommen würde.

2016 wurde eine neue Landesregierung gewählt, die den wirtschaftlichen Erfordernissen der Betriebe wieder mehr Platz einräumt. Hierfür bin ich sehr dankbar, da die Basis eines landwirtschaftlichen Betriebes nun einmal sein Einkommen ist. Auf Dauer können nur wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe bestehen und die von der Gesellschaft gewünschten Ziele umsetzen. Wir Bauern- und Winzerfamilien müssen zusammenhalten, um dies auch gegenüber der Politik und der Gesellschaft deutlich zu machen. Dem Angriff auf einen unserer Betriebe sollte auch immer von uns allen entgegnet werden. Wir sollten uns immer einmischen, Leserbriefe schreiben und uns wehren, auch in kommunalen Gremien. Scheuen Sie sich daher im kommenden Jahr nicht, Leserbriefe zu verfassen und Ihre Meinung kund zu tun. Wir sind alle keine ausgebildeten Schriftsteller oder Literaten, dennoch dürfen wir uns nicht beirren lassen, für unsere Überzeugung zu kämpfen und gemeinsam unsere Meinung sagen, z.B. zu Berichten und Kommentaren in Zeitungen, die uns diskreditieren oder unsere Bewirtschaftungsweise negativ darstellen. Wir müssen wieder stärker aktiv werden, jeder Einzelne von uns! Wir sind doch die Fachleute und wir haben es doch nicht nötig uns von Laien vorführen zu lassen.

Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft. Die Menschen haben Zeit, sie haben Geld und sie möchten lange und gesund leben. Man wünscht sich den Garten Eden zurück – in einer perfekten rückstandsfreien Welt, in der sich selbst die Tiere freiwillig und „selbstverständlich perfekt“ schlachten lassen möchten. Die absolute Rückstandsfreiheit kann es nie geben und ist vielleicht sogar schädlich. Wir haben im Jahr 2016 eine um die eine-Milliarde-fache exaktere Analysegenauigkeit als noch 1960! Und schon das macht den Menschen Angst. Die technischen Entwicklungen sind rasant, die fortschreitende Digitalisierung gehört zum betrieblichen Alltag. Roboter, Drohnen und Datenvernetzung bieten vor allem auch Vorteile: bei der exakten Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, bei der Fütterung von Tieren, bei der Ernte oder im Bereich der Melktechnik. Dies alles müssen wir nutzen und als Teil der modernen Landwirtschaft nach außen tragen.

Unseren Tieren ist es seit Beginn der Domestizierung noch niemals so gut gegangen wie heute. Trotzdem schüren Nichtregierungsorganisationen kontinuierlich gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung. Kurzum, trotz Verunsicherung weiter Teile unserer Gesellschaft, können wir stolz auf unsere Leistungen sein: Wir erzeugen hochwertigste nahezu rückstandsfreie gesunde Lebensmittel sowohl auf konventioneller als auch auf ökologischer Ebene.

Ich wünsche allen für den bäuerlichen Berufsstand aktiven Menschen, dass sie in 2017 das erreichen, was sie sich zum Ziel gesetzt haben. Ich wünsche mir, dass sich die Medien künftig kritischer mit Organisationen auseinandersetzen, die unsere Landwirtschaft permanent pauschal angreifen und populistisch schlecht machen. Und Ihnen, liebe Bäuerinnen und Bauern, wünsche ich ein wirtschaftlich erfolgreiches 2017. Unterstützen Sie bitte auch weiterhin die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter ihres Verbandes. Denn diesen gebührt unser innigster Dank für ihren häufig selbstlosen Einsatz. Ich bitte aber auch um Verständnis, wenn nicht alle Wünsche, die Sie an Ihren Berufsverband stellen, in Erfüllung gehen. Aber wenn wir alle zusammen kämpfen und uns für unsere berechtigten Anliegen einsetzen, können wir erfolgreich sein in Politik und Gesellschaft. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches 2017.

Michael Horper

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau