Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

24.08.2016 - Pokémon Go

Hände weg von Privatgrundstücken

Koblenz. Smartphones sind allgegenwärtig. Sie sind für viele zum ständigen Begleiter geworden und beeinflussen viele Lebensbereiche, vor allem das Freizeitverhalten wird mehr und mehr davon bestimmt. Ein Beispiel dafür ist das auf GPS und Mobilfunkortung basierende positionsbezogene Spiel „Pokémon Go“.

Ziel des Spiels Pokémon Go ist es, virtuelle kleine Monster (sogenannte Pokémons) zu fangen und zu trainieren bzw. weiterzuentwickeln, damit diese in virtuelle Kämpfe gegen andere Pokémons geschickt werden können. Dabei sind die Pokémons in der realen Welt „versteckt“. Die Plätze, bei denen die Pokémons und weitere sogenannte PokéStops (das sind unterstützende Gegenstände wie Heiltränke oder Bälle) zu finden sind, sind über die gesamte Welt verteilt. Im Juli 2016 gab es etwa 5 Millionen dieser sogenannten PokéStops.

Die Pokémons und die PokéStops werden vom Hersteller des Spiels per Zufallsprinzip auf einer virtuellen Landkarte generiert. So werden Spieler mit ihren Handys auf der Jagd nach Pokémons gelegentlich auch auf landwirtschaftlichen Grundstücken angetroffen. Das ist nicht im Sinne des Eigentümers oder Bewirtschafters, gelegentlich ist ein derartiges Verhalten gar mit Gefahren für den Spieler verbunden, der sich in unbekanntem Gelände mit steilen Abhängen (wie z.B. beim Weinbau) oder in einer Mutterkuhherde wiederfindet, die den Besuch gar nicht so freundschaftlich empfängt.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Spieler von Pokémon Go nicht die Eigentumsrechte der Grundeigentümer und Pächter respektieren. Es ist darauf hinzuweisen, dass das Betreten von Privatgrundstücken ohne Zustimmung des Eigentümers beziehungsweise berechtigten Nutzers nicht statthaft ist. Insbesondere dann, wenn Spieler über Zäune klettern und sie fremde Grundstücke ohne Zustimmung des Eigentümers betreten, sind die Grenzen des Spielspaßes spätestens erreicht. Formal kann sogar der Straftatbestand des Hausfriedensbruches erfüllt sein, wenn Spieler wissentlich gegen ein Verbot des Eigentümers handeln, der mit einer Anzeige bei der Polizei reagieren kann. Dieser Umstand ist den Entwicklern des Spiels auch bekannt, sodass er seine Nutzer bei dem Download der zu akzeptierenden Nutzungsbedingungen auch darauf hinweist. Diese werden jedoch nur selten gelesen oder beachtet.

Gerade wenn bewirtschaftete landwirtschaftliche Grundstücke betroffen sind, ist das gedankenlose Überlaufen einer möglicherweise frisch eingesäten Fläche mehr als ärgerlich, vor allem, wenn es nicht bei einem Spieler bleibt. Wirtschaftliche Schäden sind nicht auszuschließen, vor allem, da das Bewusstsein bei vielen Menschen, Privatgrundstücke und landwirtschaftliche genutzte Grundstücke nicht betreten zu dürfen, nicht vorhanden ist. Dies zeigen auch die Erfahrungen, die vor vielen Jahren mit der GPS-Schnitzeljagd Geocaching gemacht wurden. Auch dabei war in den Anfangsjahren zu beobachten, dass der Respekt vor dem Eigentum Dritter häufig nicht ausgeprägt war und es zu Konflikten mit Landwirten und Jägern kam.

Wenn die Nutzung von Grundstücken aufgrund der Suche nach Pokémons überhand nimmt, haben Privateigentümer die Möglichkeit, beim Betreiber auf einer deutschsprachigen Seite die Entfernung entsprechender Markierungen von privaten Grundstücken einzufordern. Die Seite ist unter https://support.pokemongo.nianticlabs.com/hc/de/requests/new?ticket_form_id=341148 einsehbar. Dort muss unter Bezugnahme auf eine Karte oder unter Angabe geografischer Koordinaten, die Herausnahme eines PokéStops oder gar einer Pokémon-Arena auf dem betroffenen Privatgrundstück gefordert werden, damit weitergehende Konflikte vermieden werden.

Auch wenn dieser Weg derzeit noch recht umständlich ist, so scheint dies doch die einzige erfolgversprechende Möglichkeit vor Fertigung einer offiziellen Anzeige zu sein, um Besucher von Privat- und Betriebsgrundstücken fernzuhalten.