Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

10.05.2016 - Mindestlohn

Obst- und Gemüsebauern sehen sich durch Mindestlohnstudie bestätigt

Berlin. Der gärtnerische Berufsstand sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt, dass der Mindestlohn „erhebliche Auswirkungen auf den Anbau arbeitsintensiver Kulturen hat und mit einem Rückgang des Anbaus in Deutschland zu rechnen ist“. Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) bemängelte am vergangenen Mittwoch erneut vor allem die „unflexiblen Arbeitszeitregelungen“ und „praxisfernen bürokratischen Anforderungen“.

Anlass ist die aktuelle Studie des Thünen-Institutes (TI) zu den Auswirkungen des Mindestlohnes im Obst-, Gemüsebau und der Landwirtschaft.

Probleme sehen die befragten Betriebsleiter neben der Lohnhöhe demnach vor allem beim hohen Verwaltungsaufwand für Arbeitszeitaufzeichnungen, aber auch in den zu unflexiblen Ausnahmeregelungen des Arbeitszeitgesetzes bei drohenden Ernteverlusten. Mit der gesetzlich festgeschriebenen Begrenzung der Wochenarbeitszeit seien zudem viele Saisonarbeitskräfte unzufrieden, da sie während des kurzen Aufenthaltes in Deutschland möglichst viel verdienen wollten. Auch die Umsetzung von Leistungslohnsystemen beklagten die Befragten. „Der Mindestlohn wird uns stark fordern“, sagte der Vorsitzende des Bundesausschusses Obst- und Gemüse (BOG), dessen Träger auch der ZVG ist, Jens Stechmann. Die Arbeitszeitregelungen ignorierten die Realitäten gärtnerischer Betriebe. Es sei keinem Erntehelfer zuzumuten, während der Mittagshitze der Sommermonate auf dem Feld zu arbeiten, nur um die nächtlichen Ruhezeiten einzuhalten. Auch hinsichtlich der Produktqualität werde bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden geerntet, gab Stechmann zu bedenken. Erforderliche Ruhezeiten und Pausen seien in der Vergangenheit schon einvernehmlich mit den Mitarbeitern geregelt worden und benötigten daher keine staatliche Kontrolle. Der ZVG warnte erneut vor einer Verschiebung des Anbaus arbeitsintensiver Kulturen in andere europäische Länder. Neben Spanien und Portugal seien auch die Türkei, Griechenland und Polen starke Anbieter im Obst- und Gemüsebau. AgE