Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

Jahresrundschreiben 2018 mit Rückblick und aktueller Weinbaupolitik aus Sicht der Weinbauverbände Mittelrhein und Mosel (Stand: Dezember 2018)

Traumjahrgang – Weinjahr 2018

Was war das für ein Weinjahr 2018 – ein Traum! Was eine Rebe doch so alles zu leisten im Stande ist. Sehr gute Erträge, hervorragende Qualitäten, gesunde Trauben bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen bis weit in Oktober hinein – Winzerherz was willst Du mehr. Ich persönlich kann mich an kein Jahr erinnern, an dem die Handlese so viel Spaß gemacht hat. Keine Hektik, kein zu großer Aufwand bei der Sortierung und die Trauben lachten mit der Sonne um die Wette. Lediglich von der Trockenheit gestresste Beeren mussten verworfen werden. Und das waren entgegen aller Befürchtungen selbst in den trockenen Steillagen verhältnismäßig wenig.

In diesem Herbst wurde der Lesezeitpunkt einmal nicht, wie in den Vorjahren, durch den Gesundheitszustand der Trauben bestimmt. Bei keiner Sorte, in keinem Weinberg und bei keinem geplanten Weinstil. Die Mostgewichte erreichten erfreuliche Werte, die Aromareife stellte sich noch ein, die Farbintensität bei den roten Trauben ließ nichts zu wünschen übrig. Und dann die Mengen! Endlich einmal wieder genug Wein im Keller.

Die Weinbereitung dürfte kaum Probleme verursachen. Allerdings sorgte die trockene und heiße Witterung während der Reifephase für einen raschen Abbau der Fruchtsäuren in den Trauben. Bei der Säurebestimmung dominierte die Weinsäure mit rund 80 %. Zugelassen wurde die Möglichkeit der Säuerung mit der Veröffentlichung im Staatsanzeiger am 20. August. Die Säuerung mit 1,5 g/l Weinsäure wurde besonders in den Mosten bei den Burgundersorten empfohlen, um höhere pH-Werte abzusenken.

In Jahren mit intensiver Sonneneinstrahlung bilden die Beeren in ihren Schalen verstärkt phenolische Substanzen als Sonnenschutz Abwehrreaktionen. Die Analysen ergaben dreifach höhere Phenolwerte als üblich. Kontrollieren, Messen und Probieren waren aber auch in diesem Jahr angesagt. Für das Ziel einer frühen Vermarktung wurde eine Enzymbehandlung mit pektolytischen Enzymen empfohlen. Das galt besonders bei Partien mit markigem Traubengut. Eine Maischestandzeit war möglich. Sie senkt jedoch den Säuregehalt ab. Auch dies galt es bei den kellerwirtschaftlichen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen. Die Moste schmeckten schon sauber, reintönig und fruchtig.

Neben all diesen erfreulichen Aspekten gab es für eine Reihe von Winzern aber auch die andere Seite der Medaille: zu große Mengen und niedrige Trauben-, Most- und Fassweinpreise! Die Höhen und Tiefen der Preise für die Rohware verlaufen analog des sogenannten Schweinezyklus und das hat es immer schon gegeben. Das war in den Zeiten vor der Einführung der durch EU-Recht vorgeschrieben Hektarertragsregelung sogar noch dramatischer (Siehe nächstes Kapitel).

An der Mosel wurde die Gesamterntemenge auf 1,02 Millionen Hektoliter geschätzt, bei einer Ertragsrebfläche von 8539 ha. Am Mittelrhein lautet die Schätzung: 46.000 hl auf 463 ha.

Auf steigende Fassweinpreise zu hoffen, ist bei diesen Bedingungen auf jeden Fall riskant. Die verfügbare Menge an Wein ist durch die großen Ernten in allen deutschen und europäischen Weinbauregionen sehr groß. In diesem Jahr werden erfolgreiche Selbstvermarkter kaum den Fassweinmarkt in Rheinland-Pfalz entlasten. Im Gegenteil, einige werden in solchen Jahren selbst zu Verkäufern von Fasswein.

Ärgerlich ist es gewiss, wenn ein Winzer beste Trauben in guter Qualität und im gesunden Zustand nicht ernten kann. Dabei hat es doch in den vergangenen Jahren keine vollen Fässer mehr gegeben. In diesen Zeiten wird dann die bestehende Hektarertragsregelung verflucht und Kritik an Gesetzgeber, Weinbaupolitikern und Verbandsvertretern geübt.

Der eine oder andere Winzer zieht in diesem Jahr in Erwägung, an Mittelrhein und Ahr, die mögliche Überlagerung von Weinmengen zu praktizieren und im Qualitätsgruppenmodell von Pfalz, Rheinhessen, Nahe und Mosel gewisse Weinmengen für das nächste Jahr zu parken. Letzteres ist aber mit großer Vorsicht zu genießen. Das Parken erweist sich nur dann als Vorteil, wenn im nächsten Jahr die Kontingentmenge der Vermarktungsmöglichkeit für Qualitäts- bzw. Prädikatswein nicht erreicht wird. Das kann zum Beispiel für Betriebe in Frage kommen, in deren Gemarkungen Bodenordnungsverfahren laufen.

In dem Kellerwirtschaftlichen Informationsservice (KIS) wurde das Modell des Parkens schon häufiger dargestellt, auch in diesem Jahr.

Die Moselwinzer haben von Anfang an die bestehende Möglichkeit innerhalb der gesonderten Meldung der Hektarerträge (GHE) durch Aufteilung in Grundwein mit 200 hl/ha, Landwein mit 150 hl/ha und Qualitätswein mit 125 hl/ha so gut wie nie genutzt. Auf alle Fälle ist das Modell Parken nur dann sinnvoll, wenn Betriebe im nächsten Jahr Grundwein- oder Landweinmengen zu Qualitätsweinmengen machen können. Dafür muss zunächst im laufenden Jahr Fläche in Abzug beim Qualitätsweinkontingent gebracht werden und zwar in der Höhe der für das Qualitätsweinkontingent erzielten Übermenge. Und im nächsten Jahr muss wieder eine geringere Ernte im Qualitätsweinkontingent eingefahren werden, um das Parken wieder auflösen zu können.

Bei den meisten Fassweinwinzern und Traubenerzeugern lohnt sich das nicht, weil sie so gut wie jedes Jahr versuchen müssen, an die Kontingentmengen im Qualitätsweinsegment heranzukommen. Das ist natürlich die Entscheidung eines jeden Betriebsleiters selbst.

Fazit für das Weinjahr 2018: Tolle Mostgewichte, ausreichende Mengen, sensationelle Traubengesundheit und großartige Weine. Alle Weinfreunde dürfen sich schon heute auf die jede Gelegenheit freuen, die 2018er Weine probieren zu können. Getrübt wird die Stimmung allerdings von den viel zu geringen Fassweinpreisen und der Tatsache, dass wohl nicht alle Trauben verwertet werden dürfen.

Entwicklung der nationalen Hektarertragsregelung

(Achim Blau, DWV)

Die EG-Qualitätsweinverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten seit 1970 dazu, Hektarhöchstertragswerte für Trauben, Most oder Wein festzulegen, unter Berücksichtigung der Erträge der zehn vorhergehenden Jahre, wobei nur die qualitätsmäßig zufriedenstellenden Jahrgänge zu berücksichtigen sind. Das deutsche Weingesetz (WeinG) sieht seit der Einführung der damaligen EG-Qualitätsweinverordnung im Jahre 1970 vor, dass die Weinbau treibenden Bundesländer Hektarertragswerte für alle Qualitätsweine b.A. festsetzen. Bis zur Änderung des Weingesetzes im Jahr 1989, mit der mengenbegrenzende Maßnahmen gesetzlich normiert wurden, konnte ein Wein auch bei Überschreitung des zulässigen Hektarertrags als Qualitätswein b.A. in Verkehr gebracht werden, wenn er die amtliche Qualitätsweinprüfung bestanden hatte.

Mit dem Weingesetz 1989 wurden die Länder über eine Änderung des Weingesetzes dazu verpflichtet, Regelungen über die Festsetzung des zulässigen Hektarertrages zu erlassen. Der neue § 2a WeinG sieht vor, dass für alle Weine, die auf zur Erzeugung von Qualitätswein-geeigneten Flächen geerntet werden, Hektarhöchstwerte festgelegt werden. Der zulässige Hektarertrag wird folgendermaßen definiert: Er ist die Höchstmenge an Weinerzeugnissen, die je Jahrgang in Verkehr gebracht werden dürfen. Die Hektarhöchstwerte können von den Weinbau treibenden Ländern nach folgenden Kriterien festgelegt werden:

Anbaugebiet, Teil des Anbaugebietes

Rebsorten oder Rebsortengruppen

Qualitätsstufen

Rheinland-Pfalz, das als einziges Weinbau treibendes Bundesland Höchsterträge bereits für den Jahrgang 1989 festlegte, hatte für die einzelnen Anbaugebiete unterschiedliche Grenzwerte nach verschiedenen Kriterien festgesetzt:

Für die Mosel ist die Bezugsrebfläche die Ertragsrebfläche. Hier galt folgendes Rebsortenmodell: Hektarhöchstertragswert in hl/ha: Elbling 140; Müller-Thurgau 130; übrige Rebsorten 120. Für die Gebiete außerhalb von Rheinland-Pfalz wurden unter Abstellung auf die Ertragsrebfläche Einwertmodelle festgelegt. Die Überlagerung von Übermengen und die Verwertung der Übermengen als Esstrauben, Traubensaft, Grundwein zur Destillation bzw. Brennwein und Essiggrundwein wurden zugelassen.

Durch das am 1. September 1994 in Kraft getretene neue Weingesetz wurde die 1989 eingeführte nationale Hektarertragsregelung neu gestaltet. Der Hektarertrag wurde entsprechend den Vorgaben des Gemeinschaftsrechts als festgesetzter Ertrag je Hektar Ertragsrebfläche definiert. Als Ertragsrebfläche gilt die bestockte Rebfläche vom zweiten Weinwirtschaftsjahr nach dem der Pflanzung.

Mit Ausnahme der Anbaugebiete Mosel-Saar-Ruwer, Pfalz und Rheinhessen wurden für alle anderen Anbaugebiete sogenannte Einwertmodelle festgelegt.

Mosel-Saar-Ruwer Hektarertrag in hl: Elbling 150; übrige Rebsorten 125; Rheinhessen Hektarertrag in hl: Qualitätswein 105; Tafelwein 150

Pfalz: Hektarertrag in hl: 105; Tafelwein 135. Übersteigt die Produktion in einem Betrieb den Gesamthektarertrag, so darf die Mehrmenge nicht in den Verkehr gebracht werden. Zugelassen ist die Überlagerung von im eigenen Betrieb hergestellten Wein oder Qualitätsschaumwein b.A. sowie die Destillation. Bis einschließlich der Weinernte 1996 können Übermengen unbegrenzt überlagert werden. Ab der Ernte 1997 wird die Überlagerungsmenge auf 20 % des Gesamthektarertrags begrenzt, in Ausnahmefällen kann dieser Wert bis auf 50 % erhöht werden. Die die zulässige Überlagerungsmenge übersteigende Menge muss bis zum 15. Dezember des auf die Ernte folgenden Jahres ohne Gewährung öffentlicher Gelder zwangsdestilliert werden.

Seit der Weinernte 1994 sind die bis dahin zugelassenen Möglichkeiten der Verwendung von Übermengen zur Herstellung von Schaumein oder Qualitätsschaumwein im bestimmten Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer abgeschafft worden.

Mit dem am 1. August 2000 in Kraft getretenen Zweiten Gesetz zur Änderung des Weingesetzes wurde den Ländern im Sinne der angestrebten Marktspaltung die Möglichkeit eingeräumt, im Qualitätsgruppenmodell einen spezifischen Hektarertragswert für „Verarbeitungswein“ einzuführen, der maximal 200 hl/ha betragen darf. Sofern die Länder von der Ermächtigung zur Festsetzung eines Hektarertragswertes für „Verarbeitungswein“ Gebrauch machen, ist die Möglichkeit der Überlagerung von Übermengen zwingend ausgeschlossen.

Sofern die Länder auf die Festsetzung eines eigenständigen Hektarertragswerts für Verarbeitungswein verzichten, darf als neue Möglichkeit der Übermengenverwertung die den Gesamthektarertrag um nicht mehr als 20 % übersteigende betriebliche Erntemenge anstelle der Überlagerung zur Herstellung von Traubensaft verwendet und in den Verkehr gebracht werden.

Seit 2000 hat Rheinland-Pfalz für die Anbaugebiete Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Pfalz und Rheinhessen unterschiedliche Hektarerträge nach den Qualitätsgruppen Qualitätswein b. A., Landwein und Verarbeitungswein mit den noch heute geltenden Werten festgelegt. Später erfolgte die Umbenennung von „Verarbeitungswein“ in „Grundwein“ und die Festlegung eines Wertes von 150 hl/ha für deutschen Wein mit Rebsortenangabe.

Im Rahmen der am 4. Juli 2017 in Kraft getretenen Änderung des Weingesetzes wurde eine Länderermächtigung aufgenommen, wonach diese durch Rechtsverordnung einen Hektarertrag auch für die außerhalb der bestimmten Anbaugebiete und Landweingebiete erzeugten Weine festlegen können, der 200 hl/ha nicht übersteigen darf. Soweit in einem Bundesland keine Rechtsverordnung diesbezüglich erlassen wird, gilt in den Gebieten automatisch ein Hektarertrag von 200 hl/ha als festgesetzt. An der Mosel gilt nun aktuell das Gruppenmodell mit 200 hl/ha Grundwein, 150 hl/ha Landwein und 125 hl/ha Qualitätswein. Am Mittelrhein gilt das Einwertmodell mit 105 hl/ha und der Möglichkeit einer 20 % Überlagerung von Übermengen.

Schutzgemeinschaften Warum?

Die Reform der Gemeinsamen Agrarmarktordnung (GMO) hat ein neues zweistufiges (nationales und europäisches) System zur Anmeldung und Änderung von geschützten Ursprungsbezeichnungen (gU) und geschützten geografischen Angaben (ggA) eingeführt. Die Verantwortung für die Lastenhefte wurde dabei auf die Privatwirtschaft übertragen. Die Zuständigkeit liegt nicht mehr bei den Landesbehörden. Vielmehr ist eine „interessierte Gruppe von Erzeugern“ (Artikel 95 und 105 GMO) nun Antragsteller für Änderungen des Lastenheftes.

In anderen Mitgliedstaaten - wie z.B. Frankreich oder Italien - gibt es eine lange Tradition des Systems geschützter Herkunftsbezeichnungen. Diese Länder verfügen bereits über gewachsene Strukturen zur Verwaltung der Lastenhefte der geschützten Ursprungsbezeichnungen.

Auch in Deutschland sollte verhindert werden, dass zahlreiche - sich widersprechende - Anträge von verschiedenen Gruppen von Erzeugern zu einer geschützten Ursprungsbezeichnung / geschützten geografischen Angabe parallel gestellt werden, die die Verfahren unnötig verlängern. Um das Verfahren zu beschleunigen, müssen bereits auf regionaler Ebene die Interessen der Antrag berechtigten Erzeuger abgestimmt bzw. kanalisiert werden.

Dies kann im Rahmen sogenannter regionaler Schutzgemeinschaften erfolgen, die die Anträge der Erzeuger diskutieren, formulieren und bei der in Deutschland zuständigen Stelle, dem Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), einreichen und somit das notwendige behördliche Verfahren durchführen. Das Modell bzw. das Grundgerüst der Schutzgemeinschaft sollte dabei bundeseinheitlich sein, wobei bei der Zusammensetzung einzelne regionale Unterschiede berücksichtigt werden könnten.

Aufgaben der Schutzgemeinschaft

Die Schutzgemeinschaft verpflichtet sich, in ihrer Satzung die Verwaltung der Lastenhefte der geschützten Ursprungsbezeichnung zu übernehmen: Ausarbeitung, Formulierung und Abstimmung zwischen den Mitgliedern von Änderungsanträgen zu den Lastenheften (Durchführung des Genehmigungsverfahrens mit der BLE). Weitere Aufgaben können, müssen aber nicht festgelegt werden.

Im Artikel 95 GMO befindet sich keine Vorgabe an die Größe oder an die Repräsentativität für die Weinerzeugung der interessierten Gruppe. Damit die Schutzgemeinschaft tatsächlich „das Heft in der Hand hat“ bei der Entscheidung über Änderungen des Lastenheftes, muss sie eine gewisse kritische Größe überschreiten. Es ist nach dem EU-Recht nicht möglich, andere Gruppen bei der Antragstellung kategorisch auszuschließen, somit kann an sich nicht festgelegt werden, dass nur Schutzgemeinschaften Anträge stellen dürfen. Wenn die Schutzgemeinschaft jedoch repräsentativ für die Weinerzeuger ist, können abweichende Einzelanträge von der BLE zunächst informell an die Schutzgemeinschaft verwiesen werden. Mit einem hohen Repräsentativitätsgrad kann die Schutzgemeinschaft faktisch alleiniger Antragsteller werden.

Die Schutzgemeinschaft muss repräsentativ für die Weinerzeuger innerhalb der g.U./g.g.A. sein. Da sich im Zusammenhang mit den geschützten Ursprungsbezeichnungen keine Definition von „Repräsentativität“ gibt, könnte man sich an der Definition aus Artikel 29 der VO (EG) Nr. 607/2009 orientieren, die im Zusammenhang mit der Antragstellung bei traditionellen Begriffen verwendet wird. Danach kann als repräsentativ eine Organisation bzw. Vereinigung angesehen werden, wenn die in ihr vertretenen Mitglieder über mindestens 2/3 der Weinbergsflächen verfügen und wenn auf sie mindestens 2/3 der Weinerzeugung entfallen.

Für die Entscheidung, wer (Trauben- und/oder Weinerzeuger) und mit welchem Einfluss in der Schutzgemeinschaft vertreten sein sollte, muss insbesondere berücksichtigt werden, was in einem Lastenheft tatsächlich geregelt wird.

Die Traubenerzeuger sind die Inhaber/Eigentümer/Nutzungsberechtigte der Rebflächen. Sie sollten darüber entscheiden können, wie sie ihr Eigentum oder ihr Bewirtschaftungsrecht konkret nutzen können. Das heißt, sie sollten über die Gestaltung des Anbaus also der Traubenproduktion entscheiden können. Da die meisten Elemente des Lastenheftes / der Produktspezifikation den Anbau betreffen (Hektarhöchstertrag, Mindestalkoholgehalte, zulässige Rebsorten, Gebietsabgrenzung), sollten auch diejenigen, die anbauen und damit am unmittelbarsten betroffen sind, über diese Elemente entscheiden können.

Im eigenen Interesse sollte der Traubenerzeuger natürlich berücksichtigen, welcher Wein nachgefragt wird, da er seine Trauben verkaufen möchte. Insofern ist eine Einbeziehung der vermarktenden Weinerzeuger auf jeden Fall sinnvoll.

Schutzgemeinschaften Mittelrhein und Mosel gegründet

Die Gründungsversammlungen der Schutzgemeinschaften Mittelrhein und Mosel zur Verwaltung herkunftsgeschützter Weinnamen fanden am Donnerstag, 13. Dezember 2018 in der Rotunde des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Koblenz statt. Der Präsident des Mittelrheins, Heinz-Uwe Fetz, und der Vizepräsident des Weinbauverbandes Mosel, Walter Clüsserath, begrüßten die interessierten Gäste im Namen der drei Organisationen der Interessensgruppen Weinbau, Kellereien und Genossenschaften (Mosel). Sie erläuterten den Sinn und Zweck der Gründung von Schutzgemeinschaften und wiesen dabei auf die Reform der EU-Weinmarktordnung im Jahr 2008 hin.

Im Rahmen dieser Reform wurden die Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung, Weine mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) und Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) eingeführt und weingesetzlich für alle weinbautreibenden EU-Mitgliedsstaaten verankert. Jede g. U. bzw. jede g.g.A.-Region wird durch ein Lastenheft, in dem die jeweiligen Produktspezifikationen wie Gebietsabgrenzung, zugelassene Rebsorten, Mindestmostgewichte, Ertragsregelungen dargelegt sind, definiert. Mit der Reform 2018 hatte die EU-Administration mehr Kompetenzen von staatlichen Institutionen in die Wirtschaft verlagert. Daher werden nun die Organisationen wie die Schutzgemeinschaften für die Verwaltung und Gestaltung der Lastenhefte zuständig sein und nicht mehr die Landesregierungen.

Im Deutschen Weinrecht wurde im Juni 2017 die Gründung von Schutzgemeinschaften verankert. Diese Schutzgemeinschaften müssen von den jeweiligen Landesregierungen der Bundesländer anerkannt werden. Die Antragsstellung für Änderungen der Lastenhefte erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn.

Die gegründeten Schutzgemeinschaften können weitere Aufgaben innerhalb der Regionen übernehmen. Die Verwaltungsvorschrift zu den Weinwirtschaftsräten in Rheinland-Pfalz läuft mit Jahresabschluss 2018 aus. Die Schutzgemeinschaften bestehen im Wesentlichen aus den drei Interessensgruppen, Weinbau, Genossenschaften und Weinkellereien, die auch gemeinsam zur Gründungsveranstaltung eingeladen haben. Die Einladungen wurden am 5. November im Staatsanzeiger Rheinland-Pfalz veröffentlicht. Gleichzeitig hatten die Geschäftsstellen der Weinbauverbände die Einladungen an die Amtsblätter der Verbandsgemeinden und die Redaktion der DWZ – Die Winzer-Zeitschrift gegeben. Der Geschäftsführer der Weinbauverbände, Gerd Knebel, stellte den zwischen den Interessensgruppen und mit dem Ministerium abgestimmten Satzungsentwurf vor. Die Satzung wurde einstimmig in der vorgestellten Form beschlossen.

Folgende Personen fungieren als Vertreter/innen in der Schutzgemeinschaft Mittelrhein: Heinz-Uwe Fetz, Dörscheid; Joachim Lorenz, Boppard, Tobias Korn, Oberheimbach; Jürgen Volk, Spay, Cecilia Jost, Bacharch; Jörg Lanius Oberwesel, Georg Mohr, Leutesdorf; Felix Pieper, Rhöndorf; Stephan Fendel, Oberheimbach; Christiane Lambrich, Oberwesel-Dellhofen; Walter Perll, Boppard. Im Vorstand agieren: Heinz-Uwe Fetz, Cecilia Jost, Stephan Fendel, Joachim Lorenz, Jörg Lanius und Felix Pieper. In der ersten Vorstandssitzung wurde Heinz-Uwe Fetz zum Vorsitzenden und Cecilia Jost zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

In der Vertreterversammlung der SG Mosel arbeiten: Vertreter der IG Weinbau: Rolf Haxel, Cochem; Walter Clüsserath, Pölich; Thomas Kaufmann, Kröv; Ralf Hoffmann, Wincheringen; Günter Meierer, Osann-Monzel; Matthias Kerpen, Bernkastel-Wehlen; Andreas Barth, Niederfell; Gerd Petgen, Perl; Stefanie Vornhecke, Senheim; Armin Appel, Saarburg; Michael Thielen, Minheim und Carolin Hoffranzen, Mehring.

Vertreter der IG Kellereien: Matthias Dockendorff, Weinhaus Gebr. Steffen, Trittenheim; Johannes Hübinger, Zimmermann-Graeff & Müller, Zell; Christoph Schneider, Fa. Peter Mertes, Bernkastel-Kues; Matthias Baum, F.W. Langguth Erben, Traben-Trarbach; Juliane Schmitt, Schmitt-Söhne, Longuich; Dr. Dirk Richter, Weinhandlung Dr. Richter & Sohn, Mülheim.

Vertreter der Genossenschaften: Henning Seibert, Kurt Kranz, Moselland eG, Bernkastel-Kues und als Ersatzvertreter Dr. Rudolf Loosen, Moselland eG, Bernkastel-Kues.

In der anschließenden ersten Vertreterversammlung wurde Weinbaupräsident Rolf Haxel zum Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Mosel gewählt. Johannes Hübinger vom Verband der Kellereien und Henning Seibert vom genossenschaftsverband der Regionen fungieren als stellvertretende Vorsitzende.

Weiterentwicklung Weinbezeichnungsrecht

Es soll durchaus Winzer geben, die keine Änderung beim derzeitigen Weinbezeichnungsrecht wollen. Das ist jedoch realitätsfremd. Die EU-Vorgaben fordern die Umstellung auf ein Herkunftssystem. Die Kategorie der Tafelweine wurde von Seiten der EU bereits abgeschafft. Das bisherige Qualitätsweinsystem konnte in Deutschland nur durch die Anerkennung traditioneller Begriffe aufrecht erhalten werden. Dies kann allerdings wohl mehr oder weniger nur als Übergangslösung in Betracht gezogen werden.

Die Gremien im Deutsche Weinbauverband arbeiten derzeit intensiv an einer Weiterentwicklung des deutschen Weinbezeichnungsrechts vom Qualitätsweinsystem hin zu einem qualitätsorientierten Herkunftssystem. Die Verantwortungsträger beim Deutschen Weinbauverband geben sich wirklich alle Mühe, die Betroffenen der Weinwirtschaft von der Notwendigkeit der Anpassung des „verstaubten“ deutschen Weinbezeichnungswirrwarrs an ein qualitätsorientiertes, europarechtskonformes Herkunftssystem zu überzeugen. Doch Veränderungen lösen immer auch Betroffenheit aus. Jeder, der die Vorträge mit den Vorschlägen zur Neuorientierung im Bezeichnungsrecht hört, stellt sich zunächst unwillkürlich die Frage, was bedeutet das konkret für mich und meinen Betrieb zu Hause. Aus verständlichen Gründen ist die Angst vor weiterer Bürokratie und den dadurch ausgelösten potenziellen Kontrollen sehr groß. Nicht ohne Grund sind die DeutschWeinVision 2020 und der Antrag der damaligen Regierungsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen in Rheinland-Pfalz zur Weiterentwicklung des Weinbezeichnungsrechtes gescheitert.

Die damals in Auftrag gegebenen Studien zur Profilierung von Weinen mit Herkunftsbezeichnungen zeigten eindeutig, dass die meisten Winzer keine Änderung wollen. Ähnlich dürfte das Resultat ausfallen, wenn die Besucher der Weinbautage 2018 gefragt worden wären: Wer möchte eine Änderung des derzeitigen Weinbezeichnungsrechtes? Auf alle Fälle braucht es für eine breite Zustimmung für eine Neuausrichtung im deutschen Weinbezeichnungsrecht sehr guter Argumente.

Diese guten Argumente sind allerdings bei objektiver und zukunfts- sowie qualitätsorientierter Betrachtung reichlich vorhanden. Nicht zuletzt die Verbraucher und Weinfreunde hätten es verdient, authentische, einfach zu verstehende, transparente und logisch aufgebaute Bezeichnungen auf den Etiketten deutscher Weine zu finden. Solange jedenfalls eine 2016er Kerner Spätlese feinherb mit über 40 g/l Restzucker, aus einer Großlage Piesporter Michelsberg mit den Zusatzbezeichnungen aus alten Reben, Reserve und Steillage in den Regalen der Discounter für 1,99 € die 0,75 Liter Flasche gestellt werden kann, stimmt doch etwas nicht mit dem „alten deutschen Weinbezeichnungsrecht“.

Warum ist also gerade jetzt eine Neuausrichtung des deutschen Weinbezeichnungsrechts notwendig?

Das alte bisherige Bezeichnungsrecht im Qualitätsweinsystem ist nicht mehr EU-konform. Viele Winzer scheinen es noch nicht gemerkt zu haben, dass sie keinen QbA-Wein mehr abfüllen, sondern seit der EU-Weinmarktreform 2009 nur noch deutsche Qualitätsweine mit der geschützten Ursprungsbezeichnung (Mosel, Ahr, Nahe, Mittelrhein, etc.). Die Anpassung des bisherigen am Alkoholgehalt (Mostgewicht) orientierten Qualitätssystems an das EU-kompatible Herkunftssystem mit Weinen ohne und mit Herkunftsbezeichnungen ist also längst überfällig.

In der Realität ist diese Umstellung von vielen Betrieben bereits vollzogen. Rheinhessen pflegt und lebt dieses neue System auf freiwilliger Basis. Aber besonders die jüngere Winzergeneration, auch in anderen deutschen Weinbaugebieten, setzt schon heute auf eine Herkunftspyramide. Sie haben erkannt, dass die Herkunft ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal in der Weinvermarktung darstellt.

Und es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund für die Umstellung: In der globalen Betrachtung genießt nur das europäische System mit den Kategorien geschützte geografische Angabe (ggA) und geschützte Ursprungsbezeichnung (gU) einen Schutzstatus. Ein solcher kann beim derzeitigen deutschen Qualitätsweinsystem nicht aufrechterhalten werden. Der Antrag eines chinesischen Weinhandelsunternehmens auf ein weltweites Patent für den Begriff Eiswein zeigt dies überdeutlich.

Zur Neuausrichtung des Bezeichnungsrechtes mit Anpassung an das europäische Herkunftssystem müssen und sollen möglichst alle Betroffene mitgenommen werden. Die Umstellung kann natürlich auch nicht von heute auf morgen vollzogen werden. Das europäische Herkunftssystem unterscheidet zwischen Weinen ohne Herkunftsbezeichnung und Weinen mit Herkunftsbezeichnung. Weine mit Herkunft werden nochmal in die Kategorien Weine mit geschützter geografischer Angabe und Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung unterschieden. Für die Weine aus geschützter Ursprungsbezeichnung bietet sich eine Herkunftspyramide in vier Stufen an. Die vier vorgeschlagen Stufen sind: Gebietswein – Bereichswein – Ortswein – Lagenwein. Es muss sich um ein authentisches, leicht verständliches und nachvollziehbares System handeln. Auch soll eine Hierarchisierung in den gewählten Qualitätskriterien eingeführt werden. Jede Stufe beinhaltet ein Qualitätsversprechen nach dem Motto: „Je enger die Herkunftsbezeichnung, desto höher die Qualitätsanforderungen an diesen Wein“. Die konkrete Ausgestaltung der Qualitätskriterien obliegt schließlich der jeweiligen Schutzgemeinschaft in einem festgelegten Rahmen einer Nationalen Schutzgemeinschaft.

Knackpunkte der neuen Systemausrichtung sind schließlich der künftige Umgang mit den Großlagen und den Traditionellen Begriffen, wie die Prädikate, Classic, Selektion sowie das Riesling Hochgewächs. Keiner will auf die gelernten und wichtigen Prädikate wie Trockenbeerenauslese, Beerenauslese, Eiswein, etc. verzichten.

Die deutsche Weinwirtschaft muss also diesen Weg gehen und das deutsche Weinbezeichnungsrecht an diese EU-konformen Strukturen des Herkunftssystems anpassen.

Auf der Delegiertensitzung des Weinbauverbandes Mosel Mitte August 2018 wurde sich mehrheitlich für das DWV Konzept mit dem 4-stufigen System im Bereich der gU ausgesprochen. Zur Gründung einer Schutzgemeinschaft für den ggA Landwein Rhein, wie von der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Weinbauverbände diskutiert, haben Mosel und Mittelrhein folgende Position: Das Lastenheft dieser gebietsübergreifenden Weinkategorie muss über eine eigenständige Schutzgemeinschaft verwaltet und gestaltet werden. Die Kollegen vom Weinbauverband Mittelrhein sprechen sich gegen die Verwendung des Herkunftsnamens Rhein aus. Die Delegierten der Mosel unterstützen den Vorschlag vom Mittelrhein, eine geschützte geografische Angabe, allerdings mit dem Namen des Bundeslandes, Rheinland-Pfalz, schaffen zu wollen. In der Diskussion sollen die Anliegen des Kellereiverbandes beachtet werden. Die Kellereien fordern seit vielen Jahren den Gesamtalkoholgehalt nach einer Anreicherung um 0,5 %vol. anzuheben. Abgelehnt wird nach wie vor der Wunsch der Kellereiseite, die Rebsortenliste bei den Weinen ohne Herkunftsbezeichnung (Deutscher Wein) zu streichen und auch bei dieser untersten Stufe den Gesamtalkohol zu erhöhen. Es muss grundsätzlich sichergestellt werden, so die Mehrheitsmeinung der Delegierten, dass sich die Weine aus den höher eingestuften Herkunftsbezeichnungen der geschützten Ursprungsbezeichnung mit dem Gebietswein Mosel, den Bereichs- bzw. Regionalweinen, den Orts- und Lagenweinen attraktiv und qualitativ von den ggA Weinen für die Verbraucher unterscheidbar abheben.

24. Änderung Weinverordnung

Bei der Beantragung von Neuanpflanzungen von Rebflächen soll künftig eine Bescheinigung vorgelegt werden müssen, dass die betreffende Fläche in einem Anbau- oder im Landweingebiet liegt. Das sieht die 24. Verordnung zur Änderung der Weinverordnung vor. Damit wird auf häufig auftretende Fehler bei der Zuordnung von Flächen im Rahmen des seit drei Jahren geltenden EU-Genehmigungssystems für neue Rebpflanzungen reagiert. Dies führte zu einem erheblichen Mehraufwand bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sowie den betroffenen Landesbehörden. Im Jahr 2017 mussten 30 Bescheide der BLE wegen einer falschen Angabe des Anbaugebietes aufgehoben werden. Mit der Änderung des Verfahrens will man diesen Mehraufwand verringern. Daneben soll mit der Änderungsverordnung von der im EU-Recht vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, dass Mitgliedstaaten im Fall außergewöhnlich ungünstiger Witterungsverhältnisse die Anreicherungsgrenzen um 0,5 Volumenprozent anheben dürfen. Dazu sieht die Verordnung ein Verfahren vor. Schließlich soll die in der Weinverordnung enthaltene Regelung zur Verwendung der Bezeichnung „Selection“ aufgehoben werden.

Vorschläge zur GAP 2021 – 2017

Wichtige agrarpolitische Entscheidungen auf und nationaler Ebene müssen in nächster Zeit getroffen und entsprechende Strategien entwickelt werden. Dabei steht die Förderpolitik in der ersten und zweiten Säule im Blickpunkt. Landwirtschaft, Weinbau und ländliche Räume sind auf eine finanziell gut ausgestattete und effiziente Gemeinsame Agrarpolitik angewiesen. Sie wollen, dass ihre Markt- und Wettbewerbssituation im Hinblick auf eine attraktive Zukunftsperspektive gestärkt, Artenvielfalt und natürliche Lebensgrundlagen nachhaltig bewahrt und der Klimawandel erfolgreich bewältigt werden.

Im Sommer 2018 hatte die EU-Kommission Vorschläge zur neuen GAP von 2021 bis 2027 vorgelegt. Absehbar sind dabei empfindliche Kürzungen im Finanzbudget der zweiten Säule. Die Nationalen Stützungsprogramme im Weinsektor sollen auch in der neuen Förderperiode aufrechterhalten bleiben.

Die Vorschläge der EU-Kommission zur neuen GAP zielen auf sieben Leitmotive der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik. Dazu gehören Vereinfachung, Subsidiarität, Ergebnisorientierung, eine bessere Verteilung der Direktzahlungen, Austausch und Wissenstransfer in die Praxis, Umweltleistungen und Umgang mit dem Klimawandel sowie Produktqualität und Tierwohl. Die EU will hierfür einen gemeinsamen Rahmen setzen, an dem sich die Mitgliedsstaaten orientieren sollen. Das Gesamtbudget beläuft sich im Kommissionvorschlag auf 365 Milliarden € für die Förderperiode von 2021 bis 2017. Dies sind 4,6 % weniger als derzeit. Die notwendigen Kürzungen, bedingt durch Brexit sowie Grenzsicherung und Flüchtlingspolitik, betreffen vor allem die Mittel in der zweiten Säule. Es ist den Mitgliedsstaaten aber grundsätzlich möglich, Gelder von der ersten in die zweite Säule zu verschieben. Somit können diese selbst festlegen, wie beispielsweise Agrarumweltmaßnahmen, Junglandwirte und Klimaaspekte berücksichtigt werden. Die Direktzahlungen dienen der Stützung der Grundeinkommen der Betriebe, sind aber auch flexibel zu gestalten. Die EU plant eine Degression für Großbetriebe bei 75.000 € einzuführen. Löhne und Gehälter, auch für Familien eigene Arbeitskräfte können hierauf gerechnet werden.

Für den Weinsektor speziell beinhaltet der EU-Kommissionsvorschlag:

- Die nationalen Stützungsprogramme beim Wein sollen beibehalten werden.

- Erzeugnisse mit geschützten Ursprungsbezeichnungen dürfen aus Rebsorten gewonnen werden, die zu Vitis vinifera oder einer Kreuzung zwischen der Sorte Vitis vinifera und einer anderen Sorte der Gattung Vitis gehören.

- Zum besseren Schutz vor Krankheiten und zur Einstellung auf den Klimawandel sollen künftig auch Vitis Labrusca Rebsorten und Rebsorten aus Kreuzungen zwischen Vitis vinifera, Vitis Labrusca und anderen Sorten der Art Vitis zugelassen werden.

- Die bisher nicht zur Weinherstellung zugelassenen Rebsorten Noah, Othello, Isabelle, Jacquez, Clinton und Herbemont sollen verwendet werden dürfen.

- Die bisherige Regelung, wonach die Mitgliedstaaten jährlich Genehmigungen für Neuanpflanzungen für 1 Prozent der tatsächlich mit Reben bepflanzten Gesamtfläche in ihrem Hoheitsgebiet zur Verfügung stellen, soll um folgende Alternative ergänzt werden: 1 Prozent der tatsächlich mit Reben bepflanzten Gesamtfläche in ihrem Hoheitsgebiet zum Stand 31. Juli 2015, die aktuell mit Reben bepflanzt ist und für die nach der damaligen einheitlichen GMO Neuanpflanzungsrechte, Wiederbepflanzungsrechte und Pflanzrechte aus der Reserve bestanden, die geeignet waren, in Genehmigungen nach dem neuen Genehmigungssystem für Rebpflanzungen umgewandelt zu werden.

- Regelungen zu entalkoholisierten und teilentalkoholisierten Weine sollen in die einheitliche GMO aufgenommen werden, wobei die Definitionen denen der OIV angelehnt sein sollen.

- Bezüglich der Registrierung von geschützten geografischen Angaben gemäß der VO (EU) Nr. 251/2014 über aromatisierte Weinerzeugnisse soll das Verfahren vereinfacht werden.

Nicht enthalten ist die seit Jahren von den Weinbauverbänden Mosel und Mittelrhein geforderte Aufnahme der Steillagenförderung in die erste Säule ohne Auflagen der bisherigen Agrarumweltmaßnahmen berücksichtigen zu müssen. Im Blick dabei sind besonders die sogenannten Historischen Weibaulandschaften.

Historische Weinbaulandschaften:

Das DLR Mosel hat eine Zusammenstellung von besonderen Handarbeits- und landschaftsbildprägenden Weinbausteillagen gemacht. Ziel ist hierfür besondere Fördermittel zu erzielen, vor allem Gelder zum Mauerbau und der Mauersanierung.

Im Anbaugebiet Mosel sind derzeit 8.700 Hektar Rebfläche (Stand 2016), davon sind 3.500 Hektar Steillagen (> 30% Steigung) und 400 Hektar Steilst- und Terrassenlagen (> 50% Steigung). Die Mosel ist mit fast 4.000 Hektar das bei weitem größte Steillagengebiet in Rheinland-Pfalz (Nahe ca. 800 ha, Ahr und Mittelrhein je ca. 400 ha). In die Abgrenzung der „Historischen Weinbaulandschaften an der Mosel“ sind 342 Hektar Steilst- und Terrassenlage einbezogen. Es handelt sich um insgesamt 30 abgegrenzte Areale von Trier bis Koblenz, die nach der Bedeutung für Weinbau, für Flora und Fauna und für das Landschaftsbild ausgewählt worden sind. Der Arbeitsaufwand für die Einzelpfahlanlagen mit Handlese beträgt rund 1.000 Stunden pro Hektar und ist doppelt so hoch wie in Steillagen mit Drahtrahmen und RMS-Einsatz (ca. 500 Std./ha inkl. Handlese) und rund fünfmal so hoch wie in den Flachlagen mit Vollernte-Einsatz (ca. 200 Std/ha).

Derzeit arbeiten 1400 Familienbetriebe in Vollzeit. Diese Haupterwerbsbetriebe müssen ein der gewerblichen Wirtschaft vergleichbares Familieneinkommen erwirtschaften. Je nach Erntemenge kostet eine Flasche Wein aus Steillagen mindestens 6 € die 0,75 L Flasche, aus Terrassenlagen mindestens 8 €.

Derzeit gibt es eine Förderung für Steillagen und Steilstlagen, die aber mit Bewirtschaftungsauflagen (Agrarumweltprogramm der EU) verbunden ist. Prämie aktuell: 765 €/ha Steillagen und 2555 €/ha Steilst- und Terrassenlagen).

Für die Errichtung von stationären Transporteinrichtungen (z.B. Monorack-Bahnen) und die Sanierung von Mauern in landschaftsbildprägenden Lagen kann bis zu 80 % gefördert werden. Allerdings sind in diesen Fördertöpfen meist nur unzureichend wenig Finanzmittel verfügbar. DLR Mosel

Weinbergsbrachen und Dauergrünland

Auf der Startup ELER Veranstaltung in Boppard kam auch das Thema Dauergrünland zur Sprache. Die Vertreter der Landwirtschaft kritisierten das strikte Veränderungsverbot am Status Dauergrünland, wie von der EU vorgegeben. Da sich in einigen Regionen die Viehbestände drastisch reduzierten, ist auf Dauer auch der Bedarf an Grünland nicht mehr so hoch und die Vorgabe des Umbruchverbotes kontraproduktiv. Völlig unsinnig ist die Ausweisung von Dauergrünland im Weinbergsgelände. Auch bei Brachland über fünf Jahre darf dieses dann nicht zu Dauergrünland mit Umbruchverbot belegt werden. Dies war der Vertreterin der EU Kommission überhaupt nicht bewusst. Es muss also eine Chance geben, diese völlig unsinnige Regelung wieder zu kippen.

Intervitis und Weinbaukongress – was nun?

Die Intervitis Interfructa Hortitechnica 2018 und der 63. Internationale DWV-Weinbaukongress fanden vom 4. – 6. November 2018 statt. Schon während der drei Messe- und Kongresstage beherrschte ein Thema die Gespräche der Teilnehmer untereinander. Wie geht es mit Messe und Weinbaukongress weiter? Schon im Vorfeld der Veranstaltung wurde das Fernbleiben einiger Firmen als Aussteller kritisiert. Das mangelnde Interesse großer Teile der weinbaulichen Praxis tat ein Übriges zur gedrückten Gemütslage. Dabei brauchen sich die Veranstalter, die Messe Stuttgart und der Deutsche Weinbauverband, keine Vorwürfe zu machen. Organisation und Durchführung der Veranstaltungen Messe und Kongress funktionierten nahezu perfekt.

Die Messebilanz fällt insgesamt auch nicht so negativ aus, aber ein Erfolg war die Ausstellung auch nicht gerade. Die Besucherzahlen sprechen eine deutliche Sprache. Rund 18.000 Besucher aus 50 Ländern zählte die Messe diesmal. Im Jahre 2016 waren es noch 24.500 und bei der Auflage 2013 sogar 44.000. Auch die Anzahl der Aussteller ist von 615 im Jahre 2010 auf aktuell 302 zurückgegangen. Objektiv betrachtet, stellen Ambiente mit Messehallen, Kongresscenter, Parkmöglichkeiten und Infrastruktur jede andere Örtlichkeit bei regionalen Weinbauausstellungen bei Weitem in den Schatten. Die Württemberger erwiesen sich einmal mehr als gute Gastgeber.

Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, wenn deutsche Maschinen- und Gerätehersteller für die Bereiche Wein-, Obstbau und Sonderkulturen die bedeutendste Ausstellung auf nationaler Ebene mit internationalem Flair meiden. Ob es daran liegt, dass gerade im Monat November gleich mehrere Messen in Italien und Frankreich anstehen und hier die potenziellen Käufer höher eingeschätzt werden, muss hinterfragt werden. Fakt ist, dass die Intervitis zum Frühjahrstermin März/April/Mai eine weitaus höhere Resonanz genoss, als bei den beiden Auflagen im November. Die Bereiche Obstbau und Gemüseproduktion konnten die Gesamtbilanz nicht wirklich schönen. Doch nicht nur der Termin, auch der Standort und der Turnus der Durchführung müssen auf den Prüfstand. In der Satzung des Deutschen Weinbauverbandes sind Kongress und Ausstellung als unbedingt durchzuführen, fest verankert.

Das nicht gerade gute Image, mit dem die Intervitis bei vielen Winzern inzwischen zu kämpfen hat, ist ganz und gar nicht zu verstehen. Und dies kann doch nicht mit dem Fehlen einiger vermeintlich wichtiger Aussteller begründet werden. Auf der Messe und beim Kongress gab es so viel zu erleben, so viel zu lernen, so viel auszutauschen und so viel zu genießen, dass auf alle Fälle das Positive überwiegt. Einen solchen Event gab es für die deutsche Weinbranche jedenfalls kein zweites Mal in diesem Jahr.

Viele Macher haben die Veranstaltungen zum Erfolg werden lassen. Beispielsweise die Berater und Wissenschaftler der deutschen Weinbauschulen, Dienstleistungszentren Ländlicher Raum, Forschungsanstalten, Ministerien und nachgeordneten Institutionen. Die Vorträge der Referenten aus dem In- und Ausland zu den Schwerpunktthemen Klimawandel und Digitalisierung boten hochinteressante Wissensvermittlung. Die traditionellen Maschinenvorführungen, die Demonstrationen bei Drohnen und Robotik sowie die „geführten“ Versuchsweinproben in der Verkostungszone haben schon allein den Besuch der Messe erlebenswert gemacht.

Des Weiteren gibt der Internationale Weinbaukongress die Richtung an hinsichtlich aktueller Weinbaupolitik. Ein EU-Kommissar, Minister und Staatssekretäre sowie hochrangige Staatsbeamte gaben sich in Stuttgart einmal mehr ein Stelldichein. Dieser Kongress trägt ganz wesentlich dazu bei, dass die Standpunkte der deutschen Weinwirtschaft in der Weinbaupolitik auch international Gehör finden. Dies alles unterstützen Winzer als Besucher und deutsche Maschinen- und Gerätehersteller mit ihrer Präsenz auf den Stuttgarter Veranstaltungen. Diese kritischen Zeilen sollen Einzelne nicht anprangern, aber zum Nachdenken anregen.

Die eingangs gestellte Frage, wie geht es mit Intervitis und Weinbaukongress weiter, ist tatsächlich eine essentielle. Es bedarf einer neuen Strategie. Es bedarf neuer Ideen. Es bedarf aber auch einer breiten Unterstützung aller Winzerinnen und Winzer ohne Scheuklappenblick auf regionale Kirchtürme. Sollten Intervitis und Internationaler Weinbaukongress in Deutschland wirklich sterben, dann stirbt auch ein großes Stück Identität im Weinland Bundesrepublik Deutschland.

Generalsekretär Rudolf Nickenig verabschiedet

Der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes, Dr. Rudolf Nickenig, ist Ende des Jahres 2018 in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Damit hat ein großer Stratege und langjähriger Kämpfer für die Belange der deutschen Winzerinnen und Winzer die weinbaupolitische Bühne an vorderster Front verlassen. Er selbst wollte nie im großen Rampenlicht stehen, sondern im Dienste der Weinwirtschaft und der ehrenamtlich Verantwortlichen agieren.

Der Rheinländer aus Boppard am schönen Mittelrhein mit dem Säckchen Heimaterde, das er nach eigenen Angaben immer in der Tasche trägt, ist im Herzen immer Heimatverbunden geblieben. Ein hauptamtlicher Generalsekretär muss aber für alle da sein. In dieser Hinsicht ist Rudolf Nickenig tatsächlich ein Vorbild im Hauptamt als Dienstleister eines Berufsstandes.

Rudolf Nickenig war rund ist großartig vernetzt im Bereich der nationalen und internationalen Weinbaupolitik mit dem Blick in die Zukunft. Als Autor von inzwischen zwei Büchern und als Chefredakteur der Fachzeitschrift „Der Deutsche Weinbau“ zeigte er sich immer als humorvoll, ideenreich, historisch bewandert, mit prickelnder Ironie gesegnet, akribisch in der Recherche und klar im Ausdruck.

Anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand ehrte der Deutsche Bauernverband (DBV) Dr. Rudolf Nickenig mit der Verleihung der Andreas Hermes Medaille. Dr. Rudolf Nickenig wurde am 18. Mai 1953 in Boppard am Rhein geboren. Die Eltern bewirtschafteten einen kleinen Winzerbetrieb und so war er schon früh mit der Weinbaupraxis im elterlichen Betrieb vertraut. Nach dem Abitur studierte er von 1972 bis 1976 Ernährungswissenschaft in Bonn und promovierte dort mit einer Dissertation über Polyphenole in Weißwein. Er kam 1980 als Referent zum Deutschen Weinbauverband (DWV) und wurde 1986 Generalsekretär. Ab dieser Zeit war Rudolf Nickenig verantwortlich für die Organisation der Deutschen Weinbaukongresse sowie DWV-Bevollmächtigter für die Intervitis Interfructa und Mitglied des beratenden Ausschusses für Wein der EU-Kommission sowie Vizepräsident in der COPA/COGECA Arbeitsgruppe Wein. Zusätzlich übernahm er das Amt als Beauftragter der Deutschen Weinakademie (DWA) für Wein, Gesundheit und Gesellschaft. Seit 1991 ist er Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Weinexporteure.

Das Team der DWZ sowie der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau mit den Weinbauverbänden Ahr, Mittelrhein, Mosel und Nahe wünschen Dr. Rudolf Nickenig alles Gute, viel Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und immer wenn er Lust dazu verspürt, einen guten Riesling aus heimischen Gefilden im Glas.

Planwagenfahrten neu geregelt

Das rheinland-pfälzische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau (MWVLW) hat den Umgang zum Einsatz von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen bei örtlichen Brauchtums-Veranstaltungen, einschließlich Felder- und Weinbergsfahrten, neu geregelt. Hintergrund der vom MWVLW im Rahmen eines Erlasses vom 24. Juli 2018 vorgestellten Neuregelung sind Beschwerden von einigen Kommunen und Anwohnern über lokal ausufernde „Party- und Ballermannfahrten“. Intention der Landesregierung war es zudem, die bestehenden Regelungen in einem Dokument zusammenzufassen, um Kontrollen vor Ort zu erleichtern. Das Ministerium hat die Überarbeitung jedoch auch dazu genutzt, eine Verbesserung der Verkehrssicherheit zu erreichen und insbesondere technische Vorgaben für den Einsatz von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen festzuschreiben.

Die neue Regelung ermöglicht es Landwirten und Winzern nach wie vor, bei Einhaltung bestimmter Voraussetzungen brauchtumsmäßige Felder- und Weinbergsrundfahrten unter erleichterten Rahmenbedingungen durchzuführen. Rein touristische Fahrten gelten (bereits seit vielen Jahren) allerdings nicht als Brauchtumsfahrten. In technischer Hinsicht ist beispielsweise von Bedeutung, dass in Zukunft nur noch ein einziger Anhänger hinter einem Zugfahrzeug verwendet werden darf, auf dem dann maximal 16 Personen Platz finden dürfen, es sei denn, dass der Fahrzeugführer eine Fahrerlaubnis der Klasse DE aufweisen kann. In diesem Falle dürfen bis zu 24 Personen befördert werden. Weitere Kernpunkte der Regelung insbesondere für Felder- und Weinbergsrundfahrten sind die Präzisierung der jährlichen Untersuchung der Fahrzeugkombination durch einen Sachverständigen. Wenn weniger als 50 Fahrten pro Jahr durchgeführt werden, ist ein dreijähriger Untersuchungsrhythmus vorgesehen. Die Veranstalter müssen zudem einen speziellen Versicherungsnachweis vor Durchführung der Fahrten vorlegen. Winzer dürfen in Zukunft nur noch ihre eigenen - auch dauerhaft gemieteten oder geleasten - Fahrzeuge für Felder- und Weinbergsrundfahrten nutzen. Die Fahrt selbst darf nur innerhalb der eigenen Gemeinde beziehungsweise der unmittelbar angrenzenden Nachbargemeinden durchgeführt werden, in denen sich der Betriebssitz befindet oder Flächen bewirtschaftet werden. Eine weitere Neuerung besteht darin, dass die Fahrten grundsätzlich am Weingut beziehungsweise landwirtschaftlichen Betrieb beginnen und auch dort enden müssen. Nur in Ausnahmefällen kann eine andere Routenführung von der zuständigen Kommune genehmigt werden. Die Streckenführung selbst ist vorher anzuzeigen, wobei klassifizierte Straßen außerorts grundsätzlich nicht befahren, sondern nur gekreuzt werden dürfen. Weitere Einzelheiten, wonach die Fahrten beispielsweise nicht bei Dunkelheit durchgeführt und auf Wirtschaftswegen nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf, sind ebenso wie zusätzliche technische und organisatorische Vorgaben dem Erlass zu entnehmen. Dieser ist bei den Kreisverwaltungen beziehungsweise den Geschäftsstellen des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau erhältlich.

Neues Verpackungsgesetz – ein Überblick

Brandaktuell müssen sich die Winzer, die abgefüllte Flaschen Wein verkaufen, mit dem neuen Verpackungsgesetz beschäftigen. Die meisten werden das schon getan haben, für die restlichen wird es allerhöchste Zeit. Das neue Verpackungsgesetz ist seit dem 1. Januar 2019 in Kraft und schließt nun alle Lücken bei der Entsorgung und beim Recycling von Verpackungsabfällen in Deutschland. Und es gibt keine Bagatellregelung.

Alle Erstinverkehrbringer von befüllten Verpackungen sind dabei. Das betrifft alle Weinbaubetriebe, die selbst Flaschenweine verkaufen und alle Landwirte mit Hofläden. Für alle Betroffenen heißt es: erst registrieren dann lizenzieren! Die neue Transparenz wird durch das Registrieren bei einer Zentralen Stelle im Verpackungsregister LUCID erreicht. Wer dort nicht erscheint, wird zum potenziellen Opfer von Abmahnspezialisten. Die „alte“ VerpackungsVO hat es seit 1992 mit all ihren Novellierungen nicht geschafft, dass wirklich alle Erstinverkehrbringer von verpackten Waren zur Finanzierung des Entsorgung- und Recycling-Systems in Deutschland beizutragen.

Seit September konnten sich die Weingüter beim Verpackungsregister LUCID schon registrieren lassen. Wer das bisher noch nicht getan hat, für den wird es höchste Zeit. Der zweite Schritt muss dann der Abschluss eines Vertrages zur Lizenzierung mit einem der neun in Deutschland tätigen Unternehmen sein.

Die Weinbauverbände haben inzwischen einen Rahmenvertrag mit dem Lizenzierungsunternehmen RKD Recycling Kontor Dual GmbH in Köln abgeschlossen.

Wer diesen Rahmenvertrag nutzen möchte, sollte sich bei den Kreisgeschäftsstellen des Bauern- und Winzerverbandes informieren. Die Zeit drängt. Die Verpackungsmengen, die voraussichtlich im Jahre 2019 in Verkehr gebracht werden, müssen schon bis 10. Januar 2019 beim Vertragspartner gemeldet sein. Die Fa. RKD stellt den Verbänden ein separaten Link für ein Online-Portal zur Verfügung. Dort müssen sie ihre Betriebsdaten und Verpackungsmengen angeben sowie den Vertrag abschließen. Die Konditionen sind etwas teurer als bisher, aber im Vergleich mit anderen Lizenz-Unternehmen wesentlich günstiger.

Neues Verpackungsgesetz – warum?

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister hat im Einvernehmen mit dem Bundeskartellamt ein Konzept zur Marktanteilsberechnung für die dualen Systeme, inklusive einer Prüfleitlinie vorgelegt. Seit dem 01.01.2019 berechnet die Zentrale Stelle Verpackungsregister die sogenannten „Marktanteile“ der dualen Systeme. Dies ist die Grundlage für die Verteilung der Entsorgungskosten aus dem Gelben Sack, der Gelben Tonne, den Glascontainern und dem Verpackungsanteil in der Papiersammlung. Bislang geschah dies auf der Basis eines Vertrags der dualen Systeme, der in den vergangenen Jahren Gegenstand von Streitigkeiten war und immer wieder zu Datendifferenzen geführt hat.

Die Entsorgung von Verkaufs- und Umverpackungen ist in Deutschland wettbewerblich geregelt. Damit das sogenannte duale System für den Verbraucher möglichst kostengünstig ist, werden die Leistungen ausgeschrieben. Da aber nicht neun unterschiedliche Anbieter in jedem Gebiet Sammelfahrzeuge fahren lassen können, wird ein Anbieter beauftragt und die Kosten anhand von Marktanteilen aufgeteilt. Diese Marktanteile wurden bislang auf der Basis eines privatrechtlichen Vertrags kontrolliert, gemeldet und berechnet.


Das Verpackungsgesetz (VerpackG) ordnet die Aufgabe der Marktanteilsberechnung nunmehr der Zentralen Stelle Verpackungsregister zu. Dies muss im Einvernehmen mit dem Bundeskartellamt geschehen, da hier Wettbewerbsregeln aufgestellt werden. So wird gesichert, dass die gesetzlichen Vorgaben streng abgebildet werden. Die Systemwirtschaftsprüfer werden zukünftig zudem die Herstellermeldungen abgleichen und somit Differenzen sofort erkennen und klären. Das System bekommt endlich die Transparenz, die es braucht, um reibungslos zu funktionieren. Streitigkeiten und Datendifferenzen gehören nun hoffentlich der Vergangenheit an, so das Ansinnen des Gesetzgebers.


Die Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister hat ihren Sitz in Osnabrück. Stifter sind die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Handelsverband Deutschland (HDE), die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen sowie der Markenverband. Sie wird mit Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes am 01.01.2019 als beliehene Behörde für mehr Transparenz und Kontrolle beim Verpackungsrecycling sorgen.

Wie ermittle ich meine Mengen?

Die Verpackungsmengen sind selbstständig und eigenverantwortlich nach Art (zum Beispiel Glas, Kartonage) und Gewicht zu ermitteln. Die einzelnen Gewichte stehen entweder auf den Lieferscheinen oder Rechnungen oder müssen selbstständig ermittelt werden, indem man mehrere leere Gläser oder sonstige Verpackungen oder Verschlüsse auf die Küchen- oder Briefwaage stellt.

Was passiert, wenn man nichts macht?

Wer die Vorgaben des Verpackungsgesetzes nicht erfüllt, muss mit Bußgeldern sowie im Extremfall auch mit Verkauf und Abgabeverboten rechnen. Größtes Problem dürfte dabei die latente Gefahr von Abmahnungen auf Basis des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) sein, wie man sie von den lästigen Internetabmahnungen her kennt.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau hat mit der Firma Recycling Kontor Dual GmbH & Co. KG (RKD)einen neuen Rahmenvertrag für die Zeit vom 01.01. - 31.12.2019 abgeschlossen.

Erst Registrieren -> dann lizenzieren in folgenden Arbeitsschritten:

1. Online-Registrierung bei der Zentralen Stelle www.verpackungsregister.org.

2. Individuelle Berechnung der Verpackungsmengen 2019

3. Vertrag mit dualem System (hier: RKD) abschließen

-> Der duale Lizenzierer (hier: RKD) meldet die Anmeldedaten der Systembeteiligung an die Zentrale Stelle

Auf dem BWV-Internetauftritt unter www.bwv-net.de finden Sie unter dem Stichwort Verpackungsgesetz 2019 die notwendigen Informationen, die Sie zur Registrierung bei dem Verpackungsregister LUCID benötigen.

Wie kann das Mitglied an dem Rahmenvertrag mit RKD teilnehmen?

Auf der Grundlage des Rahmenvertrages zwischen dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) und der Firma RKD beantragt das BWV-Mitglied die Lizenzierung der in Deutschland in Verkehr zu bringenden Verpackungen gemäß aktuellem Stand des Verpackungsgesetzes.

Der Einzelvertrag des Mitglieds mit RKD kommt auf Grund einer individuellen Anmeldung zwischen dem BWV-Mitglied und RKD ab dem 10.12.2019 direkt über eine online-Anmeldung über den BWV-Internetauftritt www.bwv-net.de zustande. Bitte melden Sie sich über das Auswahlfeld bei Ihrem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau an. Bei dem online-Vertragsabschluss erhält das Mitglied unmittelbar nach erfolgreichem Vertragsschluss seinen Vertrag per E-Mail zugeschickt (dieser bedarf keiner Unterschrift, da das Mitglied den Vertragsschluss durch Anklicken von „Vertragsschluss“ und „Datenschutzbestimmungen“ verbindlich abschließt.

Die Vertragslaufzeit beginnt am 01.01.2019 und endet automatisch am 31.12.2019. Anmeldefrist: laut Gesetzgeber muss der vom Mitglied unterschriebene Einzelvertrag bis zum 10. Januar 2019 beim Lizenzierer (RKD) vorliegen, bei verspäteter Anmeldung müssen Verspätungszuschläge (=Pönalen) gezahlt werden.

Verkaufsverpackungen, die beim Endverbraucher anfallen, sind zu lizenzieren (z.B. Glas, Papier, Pappe, Karton, Dosen, Säcke, Flaschenverschlüsse, etc.). Nach wie vor können wiederverwendete Flaschen nicht mehr abgezogen werden, d.h. kein Abzug der Eigenrücknahme! Auch Exportmengen können weiterhin von der zu lizenzierenden Menge abgezogen werden, da sie unverändert lizenzfrei bleiben.

Die standardmäßige Einstufung erfolgt als Jahresmeldung. Liegt die Netto-Lizenzgebühr über 5.000 Euro, so kann eine Einstufung als Quartalsmeldung erfolgen. Wer unter 5.000 Euro Netto-Lizenzgebühr eine Einstufung als Quartalsmelder wünscht, der kann dies über den BWV anfragen.

Zum 15.08.2019 sind Aktualisierungen der Jahresplanmenge durchzuführen (!)

Anfang 2020 erfolgt eine genaue Jahresabschluss-Meldung

Vorsicht: Mengenabweichungen bei der Jahresabschlussmeldung, die im Vergleich zur Augustmeldung mehr als 15 % betragen, können zu Zuschlägen führen.

Die Konditionen im Rahmenvertrag bei Glas liegen bei 33 €/Tonne und bei Papier/Pappe/Karton bei 69,50 €/Tonne netto zzgl. Umsatzsteuer.

308 Hektar neue Pflanzgenehmigungen

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hatte im Jahre 2018 vor allem aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Anträge für neue Rebpflanzungen entgegengenommen. Für insgesamt rund 834 Hektar potenzielle Weinanbaufläche nahm die BLE seit Januar 2018 insgesamt 3.080 Anträge entgegen. Von den letztlich 3.004 genehmigungsfähigen Anträgen kommen rund 72 Prozent aus Rheinland-Pfalz, 18 Prozent aus Baden-Württemberg und fünf Prozent aus Bayern.

Wer wie viel zusätzliche Anbaufläche erhält, richtet sich in erster Linie nach der Steillage der beantragten Anbauflächen. Erste Priorität haben Lagen mit über 30 Prozent Gefälle, dann folgen Lagen mit 15 bis 30 Prozent Hangneigung.

Die Verteilung auf die Bundesländer gestaltet sich 2018 wie folgt:

Baden-Württemberg 46,7738 ha

Bayern 34,3061 ha

Brandenburg 0,8259 ha

Hessen 1,7623 ha

Mecklenburg-Vorpommern 1,7191 ha

Niedersachsen 3,4519 ha

Nordrhein-Westfalen 0,6395 ha

Rheinland-Pfalz 194,0710 ha

Saarland 1,1829 ha

Sachsen-Anhalt 11,1264 ha

Schleswig-Holstein 3,5200 ha

Thüringen 2,0605 ha

Wer weniger als 50 Prozent der beantragten Fläche erhält, kann der BLE innerhalb eines Monats den Verzicht erklären. Anderenfalls muss die Bepflanzung innerhalb von drei Jahren nach positivem Bescheid erfolgen. Zuständig für die Kontrollen in den Anbaugebieten sind die jeweiligen Landesbehörden. Weitere Informationen unter www.ble.de/pflanzrechte-wein.

Weinbau Förderungen im Überblick 2018

Für die Unternehmen der Weinwirtschaft gibt es umfangreiche Möglichkeiten der Förderung durch EU, Bund und Land. Vom Grundsatz her besteht die EU-Förderpolitik aus zwei Säulen. Die Säule 1 umfasst die Nationalen Stützungsprogramme der EU sowie die Zahlungsansprüche für Flächenprämien nach der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). In der Säule 2 werden Maßnahmen im sogenannten Entwicklungsprogramm EULLE für rheinland-pfälzische Unternehmen gefördert. Die folgenden Ausführungen enthalten einen Überblick über die Fördermöglichkeiten in der rheinland-pfälzischen Weinwirtschaft.

Förderungen in der Säule 1:

Für die laufende Förderperiode bis 2020 bleibt im Rahmen des Nationalen Stützungsprogramms die Förderhöhe für Deutschland mit rund 38,9 Mio. Euro erhalten. Für die Winzerinnen und Winzer in Rheinland-Pfalz stehen hiervon jährlich 23,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Investitionsförderung Weinbaubetriebe:

Gefördert werden Investitionen in Verarbeitungseinrichtungen, in Infrastrukturen von Weinbaubetrieben und in die Vermarktung von Weinprodukten, die der Verbesserung der Gesamtleistung der Unternehmen dienen. Antragsberechtigt sind Weinbaubetriebe, Winzergenossenschaften, Erzeugergemeinschaften und Weinkellereien. Voraussetzung ist der Nachweis einer schlüssigen Finanzierungskonzeption, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und die Darstellung der Maßnahmenziele. Die Investitionen werden in kleine und große Investitionen untergliedert. Alle Anträge werden nach Prioritätskriterien in sechs Auswahlverfahren bewertet und beschieden.

Kleine Investitionen: Alle Weinbaubetriebe können Anträge stellen. Gefördert werden technische Gerätschaften und Maschinen, aber keine bauliche Maßnahmen. Die Förderspanne bei diesen kleinen Investitionen liegt zwischen 10.000 und 50.000 €. Als Fördersätze gelten: 25 % für Weingüter und 15 % für prosperierende Weingüter. Für definierte qualitätsfördernde Maßnahmen sollen hierauf nochmals 5 % gesetzt werden. Die Bewilligung geschieht über das DLR Mosel. Der Winzer muss seine Aktivität als Weinbaubetrieb nachweisen sowie die Traubenernte- und Weinerzeugungsmeldung in den beiden vergangenen Jahren fristgerecht abgegeben haben. Es ist ein aktueller Jahresabschluss der Buchführung vorzulegen und die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme ist nachzuweisen. Außerdem müssen die Finanzierung gesichert und mindestens drei Angebote eingeholt werden. Für einen Betrieb sind maximal förderfähig 250.000 Euro in 5 Jahren.

Für die Förderung in 2018 gilt, dass die Weinbaubetriebe jeweils nur einen Antrag für eine Kleine Investition im Jahr stellen dürfen.

Große Investitionen: Alle Weinbaubetriebe können Anträge stellen. Gefördert werden technische und bauliche Maßnahmen mit Investitionssummen von 30.000 € bis 200.000 € pro Antrag. Der Fördersatz beträgt bei Weingütern: 25 % und bei Weingütern, die die Prosperitätsgrenze überschreiten: 15 %, eventuell plus die 5 % für qualitätsfördernde Maßnahmen. Auch hierbei erfolgen Antragstellung und Bewilligung über das DLR Mosel. Vorzulegen sind dabei drei Einkommenssteuerbescheide und zwei aktuelle Buchführungsabschlüsse. Nachgewiesen werden müssen eine berufliche Qualifikation sowie die Aktivität als Weinbaubetrieb. Es sind mindestens 3 Angebote einzuholen, außerdem müssen auch hier die Erntemeldungen der vergangenen zwei Jahre fristgerecht abgegeben worden sein. Bei der großen Investition sind maximal förderfähig 3 Millionen Euro in 5 Jahren.

Fakt ist bei der Investitionsförderung, dass seit 15. Juli 2016 ein Auswahlverfahren notwendig ist. Für das Auswahlverfahren werden 6 Termine im Jahr eingeführt. Die Stichtage werden für 2018 wie folgt festgelegt: 40 % Förderbudget für Stichtag 20.12.2017; 20 % Budget für 1.2.2018 und je 10 % für die Stichtage 3.4.2018; 1.6.2018; 1.8.2018 und 1.10.2018. Von Seiten der EU werden folgende Kriterien gesetzt: Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Energieeffizienz. Weitere Maßnahmen werden auf eine Positivliste gesetzt. Jeder Antrag muss anhand der Kriterien einer Punktebewertung ausgesetzt werden. So konnte es geschehen, dass im Förderjahr 2017 nicht alle Anträge berücksichtigt werden konnten, obwohl sogar 4,9 Millionen Euro nicht abgerufener Mittel an die EU zurückgezahlt werden mussten.

Wichtig bei der Investitionsförderung: Seit 2017 müssen alle geförderten Maßnahmen einer 100-prozentige Vor-Ort-Kontrolle unterzogen werden.

Umstrukturierung von Rebflächen

Bei der Umstrukturierung geht es um die Erstellung einer modernen Drahtrahmenanlage in Weinbergen mit der Anpassung der Edelreis-Unterlagen-Kombination an die sich verändernden Klimabedingungen. Zudem wird die Erstellung einer Rebanlage mit langfristig funktionsfähigen Trockenmauern in terrassierten Handarbeitslagen und die Umstellung von Steillagenbewirtschaftung auf die Bewirtschaftung in Querterrassen gefördert. Die Maßnahmen können sowohl außerhalb als auch in Verbindung mit einer Bodenordnungsmaßnahme durchgeführt werden.

Beim Programm der Förderung der Umstellung und Umstrukturierung von Rebflächen sind folgende Fördersätze möglich:

Flachlagen: 10000 €/ha

Steillagen: 19000 €/ha

Steilstlagen: 21000 €/ha

Handarbeitssteillagen mit Terrassen und Mauern: 32.000 €

Verwendung von gebrauchten Materialien: 6000 €

Querterrassierung: 24.000 €

Die Auflagen bei der Querterrassierung: Hangneigung über 30%, 5 Ar Mindestgröße, mindestens 2000 Reben pro Hektar, keine Vorgabe bei der Zeilenbreite.

Die sonstigen Auflagen: Die Mindestgröße in Flachlagen beträgt 1000 m² und in Steil- und Steilstlagen 500 m². Auch Mindeststockzahlen und Zeilenbreiten sind als Fördervoraussetzungen zu beachten:

Flachlagen: 2 – 3 m Zeilenbreite und 3500 Stock/ha;

Steillagen: 1,8 – 3m Zeilenbreite 2500 Stock im Querbau, 3500 normal;

Steilstlagen: bis 3m ab 4 m erfolgt keine Förderung, 2500 Stock Querbau;

Handarbeitsmauerlage: wie Steilstage.

Das Förderverfahren zur Umstrukturierung von Rebflächen musste im Jahr 2016 nach EU Vorgabe in einen ersten und einen zweiten Teil geteilt werden. Ein erster Teil wurde notwendig, damit eine Kontrolle vor Beginn der Maßnahme erfolgen kann. Dieser erste Teil war im Jahr 2017 vom 3. Juli bis 15. August festgesetzt. Für 2018 gilt: Teil 1 im Zeitraum 15. Mai bis 30. Juni 2018.

Im Antrag (Teil 1) müssen alle Flächen aufgeführt werden, für die im nächsten Jahr eine Förderung durch die Umstrukturierung geplant ist. Im Januar des geplanten Pflanzjahres erfolgt jedenfalls die Antragstellung Teil 2, was der Verfahrensweise der Vorjahre entspricht. Hier können nur Flächen beantragt werden, die schon in einem Teil 1 aufgeführt wurden. Nach durchgeführter Vor-Ort-Kontrolle vor der Maßnahme erhält der Winzer eine Nachricht durch die Kreisverwaltung, dass die Rodung auf den beantragten Flächen erfolgen kann.

Folgende Konstellationen sind förderfähig:

Es können derzeit bestockte Rebflächen beantragt, gerodet und wiederbestockt werden.

Ab dem Antragsjahr 2018 ist für umgewandelte Pflanzrechte in neue Genehmigungen keine Förderung durch Umstrukturierung mehr möglich. Dies ist einer EU-Vorgabe zuzuschreiben.

Nicht förderfähig sind zudem aus verständlichen Gründen Anpflanzungen, die durch neu genehmigte Rebflächen über die BLE angelegt werden können.

Die Antragsunterlagen für Teil 1 und Teil 2 der Umstrukturierung sind bei den Kreisverwaltungen erhältlich. Seit dem Jahr 2017 ist keine Bankbürgschaft mehr vorgesehen. Die Fördergelder werden erst nach Fertigstellung und erfolgter Endkontrolle ausgezahlt.

Richtliniengemäß fertiggestellt ist eine Anlage, wenn alle Pfropfreben gepflanzt, alle Pflanzpfähle gesteckt, alle End- und Mittelstickel eingeschlagen und verankert sowie 1 Draht je Zeile gespannt sind.

Die Fertigstellungsmeldung ist erst dann abzugeben, wenn die Anlagen auch wirklich richtlinienkonform fertiggestellt sind. Bei Abweichungen von der ursprünglichen Antragstellung sind bei Teilflächen unbedingt auch Planskizzen beizufügen.

Die Vertreter des Weinbauministeriums machen auf folgende Probleme beim Antragsverfahren aufmerksam. Viele Anträge konnten in 2017 und 2018 nicht genehmigt werden, da

vor der Genehmigung gepflanzt wurde,

gebrauchtes Material (Anker, Drähte, Stickel) genutzt wurden,

trotz Fertigstellungsmeldung die Anlage nicht fertig war,

Teilflächen in Teil 1 nicht gemeldet waren,

die Bewirtschaftungseinheiten nicht mit der Meldung übereinstimmten,

Zahlendreher bei Flurstück, Parzellennummer vorhanden waren,

die notwendige Skizze nicht aussagefähig war,

Fristen nicht beachtet wurden,

falsche Angaben bezüglich Edelreis–Unterlagenkombination angegeben wurden.

GAP – Zahlungsansprüche für Direktzahlungen

Die Winzer erhielten im Jahr 2015 Zahlungsansprüche (ZA) zugewiesen, die sie auf ihren Rebflächen aktivieren können. Diese automatische Zuweisung der Zahlungsansprüche war auf das Jahr 2015 beschränkt. Für später erworbene Neu- beziehungsweise Pachtflächen müssen weitere Zahlungsansprüche von anderen Bewirtschaftern mit ZA in Rheinland-Pfalz käuflich erworben werden. Ein Zahlungsanspruch entspricht einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (also auch Rebfläche). Die Zahlungsansprüche gliedern sich in fünf Segmente: Basisprämie, Umverteilungsprämie, Kleinerzeugerregelung, Junglandwirteprämie und Ökologisierung (Greening). Das sogenannte Greening braucht allerdings nicht von Weinbaubetrieben berücksichtigt zu werden. Winzer erhalten die vorgesehene Greening Prämie automatisch.

Die Mittel für die ZA der Winzer werden aus dem Bundesbudget der Agrarwirtschaft genommen. Bis 2019 sollen die Basis-Prämien bundesweit angeglichen werden. Das heißt, dass sie sich in Rheinland-Pfalz in den Jahren 2017, 2018 und 2019 moderat erhöhen. Die ZA sind ab dem Jahr 2019 dann auch bundesweit handelbar. Derzeit können die Zahlungsansprüche, außer bei der Kleinerzeugerregelung, aber schon Rheinland-Pfalz weit gehandelt werden.

Die Aktivierung der Zahlungsansprüche muss jedes Jahr bis zum 15. Mai im Rahmen der Agrarförderung schriftlich über die zuständige Kreisverwaltung beantragt werden.

Die Zahlungsansprüche setzen sich wie folgt zusammen:

Basisprämie: Die rheinland-pfälzischen Winzer erhielten im Jahr 2018 eine Basisprämie plus Greening von 255 €/ZA. Sie erhöht sich im Jahr 2019 auf dann 261 €/ha.

Kleinerzeugerregelung: Bis zum 15. Mai 2015 (und nur bis zu diesem Termin) konnten sich Antragsteller in Rheinland-Pfalz zum Kleinerzeuger erklären. Das hatte den Vorteil, dass mögliche Cross Complaince Kontrollen entfallen. Das galt auch für die CC-Kontrollen in anderen Förderbereichen wie Steillagenförderung und RAK, nicht jedoch für Fachrechtskontrollen. Die Prämie bei der Kleinerzeugerregelung ist auf maximal 1250 € gedeckelt. Für Winzer bis ca. 4 ha Flächengröße dürfte die Kleinerzeugerregelung interessant sein (4 ZA x ca. 300 € = 1200 € im Betrieb). Ein Betrieb mit 2 Hektar = 2 ZA erhält auch bei der Kleinerzeugerregelung den entsprechenden Anteil 2 x 300 € = 600 € und nicht etwa pauschal die 1250 €. Die Zahlungsansprüche bei der Kleinerzeugerregelung dürfen nicht verkauft werden. Die Kleinerzeugerregelung umfasst alle Bestandteile der Direktzahlungen (Basisprämie, Greeningprämie, Umverteilungsprämie und Junglandwirteprämie). Der Wechsel eines Betriebes von der Kleinerzeugerregelung zur „normalen“ Aktivierung von Zahlungsansprüchen ist möglich, der umgekehrt Weg nicht.

Junglandwirte / Jungwinzer: Die Prämie für Junglandwirte beträgt 44 €/ha für die ersten 90 ha. Sie wird gezahlt für 5 Jahre, bei Antragsstellung darf der Junglandwirt nicht älter als 40 Jahre sein. Der Junglandwirt muss Betriebsinhaber sein. In anderen Gesellschaftsformen wie GBR, GmbH oder OHG darf keine Entscheidung im Betrieb gegen den Willen des Junglandwirtes getroffen werden.

Umverteilungsprämie: Als Umverteilungsprämien werden für die ersten 30 ha ZA auf Betriebsfläche 50,87 €/ha und für die nächsten 16 ha jeweils 30,52 €/ha gewährt.

Die Antragstellung für die GAP-Flächenprämien erfolgt über die jeweiligen Kreisverwaltungen. In diesem Antrag zur Agrarförderung muss der Antragsteller alle seine Betriebsflächen aufführen, einschließlich der Hoffläche. Des Weiteren müssen sogenannte Landschaftselemente angegeben werden.

eAntrag stellen

In der sogenannten InVeKoS-Verordnung (EU VO 809/2014 in Art. 17 Abs. 2) ist seit 2018 vorgeschrieben, dass der Landwirt bzw. Winzer seine Flächen nur noch georeferenziert – nicht mehr alphanumerisch – beantragen kann. Und eAntrag bedeutet: elektronischer Antrag mit der Abwicklung komplett am PC. Voraussetzung dafür ist ein schneller Internetzugang.

Die Beantragung beruht nun ausschließlich auf Grundlage von Luftbildern. Das heißt, dass die Schläge in die angezeigte Karte eingezeichnet werden müssen. Wenn die Schlaggeometrie erstellt ist, wird automatisch die Flächengröße erfasst und eingetragen. Geltung hat ausschließlich die reale Bewirtschaftung, wie sie aus dem Luftbildmaterial ersichtlich ist. Strommasten, Vorgewende, Felsköpfe und Saumstrukturen bleiben unberücksichtigt und müssen rausgerechnet werden. Winzer/innen brauchen die Greeningauflagen nicht zu beachten. Weinbau ist automatisch als Vorrangsfläche beim Greening anerkannt. Plausibilitätsprüfungen wie bei der elektronischen Steuererklärung zeigen fehlende oder nicht schlüssige Eingaben auf.

Weitere Infos auf der Website www.dlr.rlp.de -> Cross Compliance und Förderung -> eAntrag Agrarförderung oder Telefon 0671/820 290 bzw. E-Mail: support.e-antrag@dlr.rlp.de. Betroffen vom eAntrag sind alle Winzer, die die flächenbezogene Agrarförderung nutzen: Aktivierung der Zahlungsansprüche zur Flächenprämie, RAK Förderung, Bewirtschaftungszuschüsse für Steil- und Steilstlagen.

Absatzförderung auf Drittlandsmärkten

Das betrifft Maßnahmen zur Absatzförderung für Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung bzw. geschützter geografischer Anbabe aus Rheinland-Pfalz. Gefördert werden

Absatzförderungs- und Werbemaßnahmen;

Teilnahme an internationalen Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen;

Studien über neue Märkte zur Verbesserung der Absatzförderungsmaßnahmen;

Informationsveranstaltungen und Informationsreisen, insbesondere über die EU-Systeme für geschützte Ursprungsbezeichnungen (gU) und geschützte geografische Angaben (ggA);

Studien zur Bewertung der Ergebnisse der Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen.

Beantragt werden kann die Förderung von privatwirtschaftlichen Unternehmen oder Zusammenschlüssen von Unternehmen oder von Marketingorganisationen, anerkannten Erzeuger- oder Branchenorganisationen oder öffentlichen Stellen der Weinwirtschaft. Alle Unternehmen müssen ihren Sitz in Rheinland-Pfalz haben. In erster Linie sind die regionalen Gebietsweinwerbungen der größeren Weinbaugebiete, die hier Anträge stellen. Die Förderung je Antrag muss mindestens 5000 € betragen.

Es wurden in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, dieses Förderverfahren zu vereinfachen und zu entbürokratisieren. Das ist inzwischen gelungen. Mittlerweile werden die Anträge auch nicht mehr über die ISB, sondern über das DLR Mosel gestellt.

Förderprogramm zum Binnenmarketing

Grundlage für dieses Programm bilden die EU VO 1308/2010 der Gemeinsamen Marktorganisation und zwar Artikel 45 der Absatzförderung sowie die Durchführungsverordnung EU 555/2008 Art. 5b zur Verbraucherinformation.

Das Programm verfolgt zwei Ansätze:

Informationen des Verbrauchers zum verantwortungsbewussten Weinkonsum und den Warnungen vor einem Alkoholmissbrauch;

Allgemeine Informationen zu den neuen Weinbezeichnungen geschützte Ursprungsbezeichnung (gU) und geschützte geografische Angabe (ggA).

Die Umsetzung in Deutschland erfolgte durch das Deutsche Weingesetz in § 3b bei den Stützungsprogrammen sowie die rheinland-pfälzische Landesverordnung vom 15. November 2015.

Es werden von Seiten der EU strenge Vorgaben bei dieser Förderung gemacht. So dürfen keine Hinweise auf einzelne Weingüter, Handelsmarken, Erzeuger oder Vermarkter gemacht werden.

Möglich sind Werbeaussagen für die gU bzw. ggA Gebiete, also die Weinregionen ganz allgemein. So können hier zum Beispiel Werbekampagnen, Anzeigen, Messen, Ausstellungen, Präsentationen etc. gefördert werden.

Konkrete Absatzförderungsmaßnahmen werden maximal für drei Jahre gefördert. Das Mindestinvestitionsvolumen beträgt 5000 €. Gefördert werden sollen in erster Linie die regionalen Gebietsweinwerbungen mit einem Zuschuss von 50 %. Eine Doppelförderung wird, wie bei allen EU-Förderprogrammen allerdings ausgeschlossen. Förderfähig sind grundsätzlich auch Branchenverbände und öffentliche Stellen, wie zum Beispiel die Landwirtschaftskammer.

Beim Förderprogramm zum Binnenmarketing sind eine ganze Reihe von Leitlinien zu beachten:

Bei Anzeigenwerbungen müssen die Abbildungen der EU-Embleme für ggA und gU vorhanden sein. Darüber hinaus ist die Nennung der Begriffe geschützte Ursprungsbezeichnung bzw. geschützte geografische Angabe nötig. Wichtig sind auch Erläuterungen zu diesen Begriffen und Hinweise auf weiterführende Informationen (Links) ins Internet. Diese Hinweise und Infos zu den Begriffen dürfen keinen Fußnotencharakter aufweisen. Die Logos müssen eine Größe von mindestens 2 cm haben, die Schriftgröße muss mindestens 10 aufweisen. Ebenso ist ein Mindestumfang bei den Informationen zu den gU bzw. ggA vorgeschrieben, mit Hinweisen auf das Gebiet, die Rebsorten, Klima und Terroir.

Messestand: Hier müssen die zentralen Botschaften zur gU bzw. ggA enthalten sein, mit den Emblemen. Die Bereiche von Gemeinschaftsständen mit überwiegenden Werbeaussagen für einzelne Weingüter sind nicht förderfähig. Es wird kein vorzeitiger Maßnahmenbeginn akzeptiert, d.h. die Maßnahme muss als Förderprogramm genehmigt sein, bevor die Messeflächen gebucht werden. Auch hier müsste ein genehmigter Wirtschaftsplan vorgelegt werden.

Für 2018 regen die Vertreter der rheinland-pfälzischen Weinwirtschaft an, mehr Geld für die Gemeinschaftswerbung DWI zur Verfügung zu stellen. 1 Million € könnte vom rheinland-pfälzischen Anteil dem DWI zusätzlich übertragen werden.

Säule 2: EULLE – Förderung VO EU 1305/2015

Die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER) wird in Rheinland-Pfalz verwirklicht durch das Programm mit der Bezeichnung EULLE (Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung). Auch im Programm EULLE wird unterschieden zwischen flächenbezogenen Agrarumweltmaßnahmen und investiven Maßnahmen (innerbetrieblich und überbetrieblich).

Für den Weinsektor sind im Rahmen von EULLE die folgenden Maßnahmen relevant: Förderung von Investitionen für Spezialmaschinen im Weinbau; Ländliche Bodenordnung; Förderung zur Erschließung von Rebflächen in Steillagen einschließlich Erhalt Weinbergsmauern; Förderung von Investitionen zur Einkommensdiversifizierung; Umweltschonende Bewirtschaftung der Steil- und Steilstlagenflächen im Weingut; Vertragsnaturschutz Weinberg; Biotechnische Pflanzenschutzverfahren im Weinbau; Einführung des ökologischen Weinbaus und Beibehaltung des ökologischen Weinbaus.

Förderung von Investitionen für Spezialmaschinen im Weinbau:

Zur Verbesserung der umweltschonenden Weinbergbewirtschaftung soll die Modernisierung der Unternehmen durch Investitionen in Spezialmaschinen, Zusatzgeräte und Informationstechnik unterstützt werden. Förderfähig sind die Ausgaben für den Kauf folgender Maschinen: anerkannte Maschinensysteme (RMS und SMS) einschließlich Zusatzgeräte zur Bewirtschaftung von Rebflächen in amtlichen festgestellten rheinland-pfälzischen Weinbausteillagen sowie anerkannte Maschinen zur Pflanzenschutzmittelausbringung im Weinbau. Die Förderung wird als Zuschuss gewährt. Die förderungsfähigen Ausgaben müssen mindestens 10.000 € betragen. Es wird ein Zuschuss in Höhe von bis zu 30 % der förderfähigen Kosten gewährt. Die Zuschüsse werden auf bis zu insgesamt 35.000 € je Unternehmen begrenzt. Diese Obergrenze kann in den Jahren 2014 bis 2020 höchstens einmal ausgeschöpft werden. Bei dieser Fördermaßnahme gilt die Prosperitätsgrenze (120.000 € Einkommen Ledige und 150.000 € pro Jahr bei Ehegatten).

Förderung von Bodenordnungsverfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz:

Durch eine ungünstige Flurverfassung und eine starke Flurstückzersplitterung kommt es zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen bei der Bewirtschaftung weinbaulich genutzter Flächen. Das wirkt sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Weingüter aus. Der umfassende und integrale Ansatz der Ländlichen Bodenordnung zielt darauf ab, Lösungen für die vielfältigen Probleme anzubieten. Förderfähig sind Aufwendungen für die Neuordnung ländlichen Grundbesitzes und für die Gestaltung des ländlichen Raumes zur Verbesserung der Agrarstruktur in Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz, einschließlich Maßnahmen zur Sicherung eines nachhaltigen leistungsfähigen Naturhaushaltes. Zulassungsempfänger sind die Teilnehmergemeinschaften einer Flurbereinigung. Die Förderung wird als Zuschuss gewährt bis zu 60 % der zuwendungsfähigen Ausgaben bei Weinbergflurbereinigungen; Verfahren mit besonderer Bedeutung zum Erhalt der Kulturlandschaft bis zu 80 %. Ein Bonus von 10 % kann darüber hinaus in Leader-Gebieten gewährt werden. Dazu müssen jedoch von den betroffenen Gemeinden spezielle Anträge gestellt werden. Die jeweilige LAG muss dem zustimmen.

Förderung zur Erschließung von Rebflächen in Steillagen einschließlich Erhalt Weinbergsmauern:

Insbesondere in den Steillagen besteht durch Mängel in der Flächenerschließung die Gefahr, dass deren dauerhafte Bewirtschaftung gefährdet ist. Dadurch gehen traditionelle Kulturlandschaften durch Bewirtschaftungsaufgabe verloren mit einem enormen Verlust an Biodiversität. Die Förderung zielt darauf ab, die Erschließung von Steillagenrebflächen durch angepasste Infrastrukturmaßnahmen zu unterstützen. Förderfähig sind angemessene Aufwendungen für Investitionen für stationäre Transporteinrichtungen zur Erschließung der Weinberge und die Instandsetzung von Weinbergsmauern zum Erhalt landschaftsbildprägender Rebflächen in Steillagen. Die Förderung wird als Zuschuss gewährt. Die Fördersätze betragen bis zu 80 % der zuwendungsfähigen Ausgaben. Es müssen die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege gewährt werden. Eine Zuwendung wird gewährt, wenn das zu fördernde Vorhaben in einer Steillage gelegen ist. Es handelt sich dabei um topografisch abgeschlossene Gebiete mit landschaftsprägendem Charakter, deren Geländeneigung 30 % und mehr beträgt. Stationäre Transporteinrichtungen (z.B. Monorackbahn) dürfen nur gefördert werden, wenn die Rebfläche, deren Bewirtschaftung erleichtert werden soll, mindestens 0,25 ha umfasst und die geplante Maßnahme wirtschaftlich vertretbar ist. Eine Förderung soll nur erfolgen, wenn in diesen Gebieten eine Flurbereinigung bisher nicht erfolgt ist.

Förderung von Investitionen zur Einkommensdiversifizierung:

Hierbei geht es um Unterstützung von Wertschöpfungspartnerschaften mit Schwerpunkt der Direkt- und Regionalvermarktung. Fördergegenstand: Urlaub auf Winzerhöfen; bäuerliche Gastronomie; Direktvermarktung; Familien- und Altenbetreuung und Natur- und Landschaftspflege. Das Mindestinvestitionsvolumen beträgt 10.000 €, die Zuschussobergrenze 100.000 €. Die Förderquote liegt bei 25 % der förderfähigen Ausgaben.

Umweltschonende Bewirtschaftung der Steil- und Steilstlagenrebflächen im Unternehmen:

Dieses Steillagenförderprogramm wird schon seit vielen Jahren im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen angeboten. Das Ziel ist die Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt in Steil- und Steilstlagen. Alle diese Weinberge müssen umweltschonend bewirtschaftet werden. Hierbei wird besonders auf die Bodenbeschaffenheit, die Begrünung bzw. den Erosionsschutz abgestellt. Die Förderhöhe bleibt auf der Höhe der bisherigen Förderperiode:

Steillagen 765 €/ha und Steilstlagen 2555 €/ha.

Voraussetzungen: Die Flächen müssen im abgegrenzten und zugeordneten Gebiet für Steil- und Steilstlagen liegen. Es sind erosionshemmende Maßnahmen zum Bodenschutz zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März des Folgejahres zu ergreifen. Dazu zählen Begrünungseinsaat, Selbstbegrünung, die Bodenabdeckung mit organischem Material und der Verzicht auf Pflugeinsatz. Vorlage von Ergebnissen einer Bodenuntersuchung bis spätestens zum Ende des 1. Verpflichtungsjahres für jede Fläche. Zu ermitteln sind: Humusgehalt, Gesamtstickstoffgehalt, Kali, Phosphor, Magnesium, der pH-Wert oder der Kalkbedarf. Pro Hektar müssen 3 repräsentative Bodenproben gezogen werden. Es genügt in der neuen Förderperiode die Untersuchung der oberen Bodenschicht von 0 – 30 cm. Beim Rebschutz dürfen nur raubmilbenschonende Spritzfolgen mit entsprechenden Pflanzenschutzmitteln zur Anwendung kommen. Der Verpflichtungszeitraum beträgt 5 Jahre. Es muss beachtet werden, dass der Einstieg in dieses Programm nicht in jedem Jahr möglich ist. Informationen hierzu geben die Kreisverwaltungen.

Vertragsnaturschutz Weinberg

Im Vertragsnaturschutz Weinberg soll die Freistellung von dauerhafter Offenhaltung von aufgelassenen Weinbergsflächen in den vom Weinbau geprägten Flusstälern gefördert werden. Für die Freistellungspflege gibt es bis zu 580 €/ha, bei erschwerter Freistellungspflege auch bis zu 740 €/ha. Bei der Offenhaltungspflege stehen bis zu 370 €/ha im Programm, bei erschwerter Offenhaltungspflege bis 490 €/ha. Hierbei geht es um die dauerhafte Freistellung und Offenhaltung von Weinbergslagen. Es ist eine regelmäßige Pflege nach naturschutzfachlicher Vorgabe erforderlich. Die Pflegemaßnahmen müssen dokumentiert werden. Auch hier liegt der Verpflichtungszeitraum bei 5 Jahren.

Biotechnische Pflanzenschutzverfahren im Weinbau:

Dieses Förderprogramm wird weitergeführt mit einer Förderhöhe von 50 € pro Hektar. Die Fördervoraussetzungen und Bedingungen bleiben gleich. Der Verpflichtungszeitraum beträgt wie bisher 5 Jahre.

Ökologischer Weinbau mit dem Ziel der Erhöhung und Erhaltung der biologischen Vielfalt und des Humusgehaltes in den Weinbergsböden. Bei EULLE wird unterschieden zwischen der Einführung des ökologischen Weinbaus und der Beibehaltung dieser Bewirtschaftungsart. Die Förderhöhe beträgt bei der Einführung des Ökoweinbaus in den ersten beiden Jahren 900 €/ha. Für die spätere Beibehaltung des ökologischen Weinbaus werden dann ab dem 3. Jahr 580 €/ha gezahlt. Zusätzlich werden 300 €/ha in Steillagen gewährt. Fördervoraussetzung ist die Teilnahme an den Kontrollverfahren der Ökokontrollstellen. Das jeweilige Unternehmen muss die Bewirtschaftung seiner Weinberge nach der ÖKO-VO (EG) Nr. 834/2007 durchführen.

Mauerbau/Mauersanierung:

Das Problem der nachhaltigen Förderung von Mauerbau und Mauersanierung im Terrassenweinbau gibt es seit vielen Jahren. Das neue Landesnaturschutzgesetz eröffnet neue Möglichkeiten im Bereich der Ausgleichsgelder. Ansatzpunkt sind hier die sogenannten Produktionsintegrierten Maßnahmen. Es muss eine ökologische Aufwertung erreicht werden. Die Trockenmauern müssen als eine solche ökologische Aufwertung anerkannt werden. Der Ausgleich muss nicht mehr direkt vor Ort geleistet werden. Die Gelder der Ausgleichszahlungen werden in einen Topf nach Mainz einbezahlt. Ein Beirat entscheidet über die Vergabe. Leider finden derzeit diese Gelder in der Praxis noch nicht in erwarteter Weise den Weg zugunsten von Mauersanierungen im Weinbau.

FMA Förderprogramm aufgelegt

Seit dem 1. Dezember 2016 ist ein neues Förderprogramm FMA (Maschinen und Geräte der Außenwirtschaft) auferlegt worden. Das Ziel ist, gewisse umweltschonende Maschinen der Außenwirtschaft in Landwirtschaft und Weinbau zu fördern. Für den Weinbau sind hierbei die Recyclinggeräte im Rebschutz mit mindestens 90 % Abdriftminderung förderfähig. Es kommen in erster Linie die Nachläufer mit Überzeilengeräten bei entsprechender Recyclingtechnik in Betracht. Möglich ist die Förderung auch beim Kauf von modernen Pflanzenschutzgeräten mit Sensortechnik. Die zu fördernden Geräte müssen vom JKI geprüft und anerkannt worden sein. Mindestinvestitionssumme für diese Förderprogramm beträgt 20.000 €. Die Anträge zu diesem Programm können ab sofort bei der Landwirtschaftskammer gestellt werden. Der Fördersatz wurde auf 20 % festgelegt. Weitere Infos auf der Homepage des DLR Mosel unter www.dlr.mosel.rlp.de oder auf der Homepage der Agrarverwaltung Rheinland-Pfalz unter www.dlr.rlp.de.

Finanzierung der regionalen Weinwerbungen 2018

Am 19. Dezember 2017 wurde von der EU für die Auszahlung der Abfög-Mittel an die sechs Gebietsweinwerbungen in Rheinland-Pfalz ein Zahlungsstopp verhängt. Die zuständigen Personen im Mainzer Weinbauministerium informierten den zuständigen Minister im Laufe des Januars. Die betroffenen Gebietsweinwerbungen wurden erst am 24. Januar 2018 darüber in Kenntnis gesetzt.

Die Auszahlung der Gelder durch die Abfög (Absatzförderungsgesetz Wein vom 28. Juni 1976) muss von Seiten der EU alle fünf Jahre notifiziert werden.

Die Abgabe beträgt jährlich je Ar der Weinbergsfläche, sofern diese mehr als 5 Ar umfasst, in den bestimmten Anbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Nahe, Pfalz und Rheinhessen 0,77 EUR und im bestimmten Anbaugebiet Mosel 0,87 EUR.

Die Abgabe wird nach § 1 von den Gemeinden zusammen mit der Abgabe für den Deutschen Weinfonds festgesetzt, erhoben und beigetrieben.

Verwaltungsvorschrift vom 18. April 1991:

Die Mittel aus der Weinwerbeabgabe sind zweckgebunden; sie dürfen nur zur Förderung des Absatzes von in Rheinland-Pfalz erzeugten Weinen verwendet werden.

§ 4 AbföGWein RhPf: Verwendung:

Die Einnahmen aus der Abgabe dürfen nur zur Förderung des Absatzes von in RLP erzeugten Weinen verwendet werden. Dabei ist jedes bestimmte Anbaugebiet entsprechend seinem Aufkommen aus der Abgabe zu berücksichtigen.

Gefördert werden können Einrichtungen des Weinbaus, die eine Förderung des Absatzes der in den bestimmen Anbaugebieten erzeugten Weine zum Ziel haben, insbesondere die von den Verbänden des Weinbaues getragenen Absatzförderungseinrichtungen. Die Förderung erfolgt zur Deckung der gesamten Ausgaben oder eines nicht abgegrenzten Teils der Ausgaben des Förderungsempfängers, die dieser für Zwecke der Gebietsweinwerbung aufwendet.

Die Werbung darf nur firmenneutral und herkunftsbezogen durchgeführt werden. Die Förderungsempfänger haben die Werbung untereinander und mit dem Deutschen Weinfonds abzustimmen.

Es können auch einzelne Maßnahmen der Gemeinschaftswerbung für mehrere Anbaugebiete gefördert werden. Für diesen Förderungszweck können insgesamt bis zu 10 % der jährlichen Einnahmen aus der Abgabe verwendet werden. Über die Höhe und die Art der Verwendung dieser Mittel entscheidet das fachlich zuständige Ministerium nach Anhörung des Werbebeirates.

Für die Bewirtschaftung der Mittel aus der Abgabe ist für jedes Haushaltsjahr ein Wirtschaftsplan aufzustellen.

Die Verwaltung der Einnahmen aus der Abgabe nach § 1 AbföG Wein wird der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz übertragen. Als Vergütung erhält sie dafür 1 % des jährlichen Aufkommens aus der Abgabe.

Auswirkungen in der Praxis:

Die neuen Verwaltungsvorschriften des Ministeriums wurden auf die Förderung von Agrarmarketingmaßnahmen abgestellt. Es darf nur noch projektbezogen und nicht mehr pauschal ausgezahlt werden. Für jedes Projekt ist ein Antrag zu stellen, der zunächst genehmigt werden muss. Oft sind zum Projekt offizielle Ausschreibungen vorzunehmen. Des Weiteren sind detaillierte Dokumentationen zu den Maßnahmen im Projekt zu führen. Eine genaue Aufstellung der Arbeitszeiten der Mitarbeiter beim Projekt ist notwendig. Nach Vorliegen der Genehmigung müssen die Kosten vorfinanziert werden, ohne die Garantie einer späteren Auszahlung zu haben. Für den tatsächlichen Mittelabruf müssen sämtliche Belege und Verwendungsnachweise eingereicht werden. Für alle Mitarbeiter muss ein detaillierter Arbeitsplan als Stundenkonto mit minutiösen Angaben angefertigt werden. Dies alles ist sehr aufwändig und bürokratisch. Die Mitarbeiter/innen der Gebietsweinwerbungen verbringen etliche Stunden damit, diese neuen Anforderungen umzusetzen.

Neue Düngeverordnung

Die neue Dünge-Verordnung hat für die Praxis deutlich mehr Bürokratie und Aufwand gebracht. Sie trat am 2. Juni 2017 in Kraft und war notwendig geworden, weil die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland vor dem EU-Gerichtshof eingeleitet hatte. Begründung: Deutschland hat die Nitrat-Richtlinie von 1991 und die Europäische Wasserrahmenrichtlinie von 2000 nicht ausreichend umgesetzt.

Die neue deutsche DüVO wurde mit heißer Nadel gestrickt. Heraus kam letztlich ein Kompromiss. Die Umweltverbände kritisieren, dass sie in weiten Teil nicht weit genug geht. Die Bauern- und Winzerverbände hielten dagegen. Sie konnten schließlich noch sehr viel weitergehende Einschränkungen und Restriktionen verhindern. Dennoch kommen einige Neuerungen auf Landwirte und Winzer zu, die beachtet werden müssen. Sonst droht Ungemach, vor allem mit Sanktionen nach Cross Compliance- und Fachrechtskontrollen. Heftige Kritik kommt von Seiten der Düngeexperten, weil diese Düngeverordnung vorwiegend von den fachfremden Politikern verabschiedet wurde, ohne die sonst üblichen fachlichen Expertisen einzuholen.

Die neue Dünge-VO setzt bei der guten fachlichen Praxis an. Die Umsetzung ist für die Winzer sehr schwierig machbar. Diejenigen, die nach guter fachlicher Praxis konsequent ihre Schlagkartei führen, dürften weniger Probleme bekommen. Unter dem Gesichtspunkt Dokumentation und Kontrollen ist die Dünge-VO wieder ein Mosaiksteinchen mehr zum „gläsernen“ Winzer. Das gesetzliche Regelwerk der Verordnung befasst sich mit mineralischen, organischen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubtraten und Pflanzenhilfsstoffen. In diesen Punkten geht sie schon über die bisherige Düngegesetzgebung hinaus.

Die wichtigsten Gesichtspunkte der Verordnung sind die Düngebedarfsermittlung und der Nährstoffvergleich. Als Nährstoffmengen stehen im Fokus: 50 kg Stickstoff pro ha und Jahr sowie 30 kg P2O5. Wer diese Mengen bei der Düngung nicht überschreitet, braucht keine Bedarfsermittlung zu machen. Wie er das dann bei einer Fachrechtskontrolle beweisen kann, steht noch auf einem anderen Stern.

Die Düngeberatung Rheinland-Pfalz hat eine Excel-Anwendungen mit Tabellen und neuen Werten erarbeitet und stellt diese der Praxis zur Verfügung. Das erleichtert Düngebedarfsermittlung und Nährstoffvergleich ganz enorm. Die Nährstoffkalkulation orientiert sich am Rebenwachstum, dem Ertrag und den Standortbedingungen sowie dem Bodenpflegesystem. Der vorhandene Humusgehalt ist zu berücksichtigen.

Grundsätzlich darf nur eine Erhaltungsdüngung durchgeführt werden. Es ist immer zu dokumentieren, wenn auch nur auf einer Fläche der Stickstoff-Wert über 50 kg und die Phosphorgabe über 30 kg im Jahr geht. Das gilt auch für Humus, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsstoffe. Es wird erforderlich werden, bei Humusdüngern eigene Analysen in Auftrag zu geben, um eine genaue Bilanzierung vornehmen zu können. Berücksichtigt wird eine zeitliche Verfügbarkeit – wann wird welcher Nährstoff in einer Humusgabe verfügbar.

Bei der neuen Dünge-VO ist eine Reihe von Besonderheiten zu berücksichtigen:

Abstandsauflagen: 4 m ab Böschungsoberkante zu Oberflächengewässer. Mit speziellen Geräten wie Kastenstreuer kann der Abstand bis 1 m reduziert werden. Eine Düngung darf nicht auf wassergesättigte, gefrorene, überschwemmte oder schneebedeckte Böden. Trester wird als Wirtschaftsdünger eingestuft. Für die Tresterausbringung ist inzwischen eine komplizierte Regelung getroffen worden.

§ 6 der Dünge-VO befasst sich mit der Phosphor Düngung. Dieser § wird im Weinbau besonders kritisch. 90 % der Weinbergsböden befinden sich in einer Versorgungstufe P2O5 sehr gut bzw. extrem versorgt. Da in diesen Fällen nur eine Erhaltungsdüngung in Höhe von 10 kg/ha erlaubt ist, wird es bei der Humusdüngung eng. Die ausbringbare Menge eines Humusdüngers richtet sich am ermittelten Dreijahresbedarf an Stickstoff und Phosphor. Der am stärksten limitierende Nährstoff bedarf entscheidet dann über die ausbringbare Humusmenge.

Beim Nährstoffvergleich, der sogenannten Hoftorbilanz, ist ein Nährstoffsaldo ist zu erstellen. Zu- und Abfuhr müssen sich die Waage halten! Bisher war dieser Nährstoffvergleich für Weingüter ab einer Größe von 10 ha Rebfläche verpflichtend. In Zukunft sind alle Weingüter ab 2 ha Fläche dabei. In den Risikogebieten mit überhöhten Nitratwerten von 50 mg N an den Messstellen zeichnet sich ab, dass sogar alle Weingüter ab 1 ha Rebfläche Hoftorbilanz pflichtig werden. Jedes Bundesland muss für seine Risikogebiete mindestens drei zusätzliche verschärfende Maßnahmen festlegen. In Rheinland-Pfalz wird dies derzeit noch diskutiert. So gut wie alle Weinbauregionen sind als Risikogebiete eingestuft. Auch das ist ärgerlich, zumal es bei den Messungen und der Einstufung der Werte zumindest fragwürdig zugegangen sein soll?

Die Düngeberatung Rheinland-Pfalz ist den praktizierenden Winzer/innen behilflich, die Vorgaben in der neuen Düngeverordnung einhalten zu können. Im Internet sind Merkblätter und Excel-Tabellen sehr einfach einzusehen und können per Download für jeden Betrieb verfügbar gemacht werden. Damit wird es möglich sein, den gesetzlichen Regelungen gerecht zu werden.

Sachkunde im Rebschutz

Pflanzenschutz kann nicht nach Schema F erledigt werden. Das ist sicher. Obwohl alle Winzer als Anwender von Pflanzenschutzmitteln nach gesetzlichen Regelungen sachkundig sein müssen und diese Sachkunde innerhalb von drei Jahren immer wieder aufzufrischen haben, sind in der weinbaulichen Praxis vereinzelt noch einige Verfehlungen festzustellen. Beschwerden von empörten Bürgern häufen sich. Bedienstete von Ministerien, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und von den Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) können ein Lied davon singen. Es ist ja heute auch kein Problem mehr, mal eben sein Smartphone zu zücken und Fotos von abgespritzten Wegrändern oder Uferböschungen, Müll in den Weinbergen oder angrenzenden Strukturen, unsachgemäßen Zwischen- oder Endlagern von Unterstützungsmaterialien in der Weinkulturlandschaft, etc. zu schießen.

Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften sind längst in der Wahrnehmung breiter Bevölkerungsschichten angekommen. Die Medien schüren das Feuer und berichten fast täglich über vermeintliche Vergehen und Umweltsünder. Der Knüller der Verfehlungen war im Jahre 2018, dass ein Winzer innerhalb eines Naturschutzgebietes eine Fläche mit Glyphosat abgespritzt hatte. So stehen Landwirte und Winzer am Pranger, obwohl die meisten dies nicht verdient haben. Aber es gibt anscheinend immer noch schwarze Schafe, sonst könnten oben genannte Fotos ja nicht entstehen. In dieser Problematik ist der gesamte Berufsstand gefordert. Mit den Kollegen kann ruhig auch mal Tacheles geredet werden. Es geht ja nicht darum, gleich Anzeigen oder Anklagen bei den zuständigen Ordnungsbehörden einzureichen.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Es soll ja auch Winzer mit Sachkundeausweis geben, die nicht wissen, dass sie im dreijährigen Turnus an einer anerkannten Fortbildungsmaßnahme teilnehmen müssen. Das können Rebschutzvorträge auf Weinbautagen sein oder vom DLR organisierte Rebschutztagungen. Inzwischen werden auch wieder spezielle Gemarkungsrundgänge als Weiterbildung anerkannt. Darüber hinaus besteht sogar die Möglichkeit, seine Schulung online zu Hause vor dem PC zu absolvieren.

Am 14. Februar 2012 ist das entsprechende Pflanzenschutzgesetz in Kraft getreten. § 9 regelt die Sachkunde im Pflanzenschutz. Nun benötigt jede sachkundige Person zwei Dokumente, zum einen den eigentlichen Sachkundenachweis im Scheckkartenformat und zum anderen die Teilnahmebescheinigung einer anerkannten Fortbildung. Für Altsachkundige endet der 2. Fortbildungszeitraum am 31.12.2018. Der dritte beginnt dann am 1.1.2019 und endet am 31.12.2022. Wichtig ist in jedem Dreijahreszeitraum eine Fortbildung zu besuchen. Der konkrete Termin innerhalb der drei Jahre ist gleichgültig. Für Neusachkundige beginnt der Fortbildungszeitraum an dem Tag, an dem der Antrag auf Sachkunde bewilligt wurde. Dieses Datum steht auf der Rückseite des Sachkundenachweises.

Zur Sachkunde gehört sicherlich auch der Bezug der regelmäßigen Aufrufe der Rebschutzwarndienste an den Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) in Rheinland-Pfalz. Neben der Darstellung der aktuellen Lage mit den Gefährdungen durch Krankheiten und Schädlingen und den entsprechenden Mittelempfehlungen bereichern wichtige Hinweise zur Bodenpflege, zum Laubwandmanagement und zur Nährstoffversorgung diese Tipps für die Praxis. Und jeder Warndienst erhält Hinweise wie diese, Herbizideinsatz: Eine Anwendung auf befestigten Flächen und auf unbefestigten Graswegen, Trockenmauern oder an Weinbergsrändern ist zu unterlassen! Kontrollen zu diesen Anwendungsbestimmungen sind jederzeit möglich!

Gerätereinigung: Bei der Gerätereinigung dürfen keine Reste der Spritzbrühe oder Reinigungsflüssigkeit in die Kanalisation oder in Oberflächengewässer gelangen. Unvermeidbare Restmengen mit Wasser im Verhältnis 1 : 10 verdünnen und in der einer Rebanlage ausspritzen. Reinigen Sie Ihre Geräte auf unbefestigten und bewachsenen Flächen in den Weinbergen.

Dokumentationspflicht der Pflanzenschutzmaßnahmen: Auch hier gibt es bei den Fachrechtskontrollen häufig Beanstandungen wegen unzureichender oder gar fehlender Aufzeichnungen von Pflanzenschutzmittelanwendungen. Herbizidanwendungen und das Aushängen der Pheromondispenser sind ebenfalls zu dokumentieren.

Die Gebrauchsanleitungen, Auflagen und Anwendungsvorschriften der Mittel sind einzuhalten!

Diese Hinweise werden „gebetsmühlenartig“ auf allen Rebschutzhinweisen veröffentlicht und sind Bestandteile der Fortbildungsveranstaltungen. Den Beratern an den DLR ist großes Lob zu zollen, weil sie die Warndiensthinweise verfassen und den Praktikern zur Rebschutzsaison mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ehemaligen Vereine, wie der VEW (Verein Ehemaliger Weinbauschüler) Mosel, bringen jedes Jahr eine umfangreiche Broschüre mit Empfehlungen zum Rebschutz und zur Düngung heraus. Es empfiehlt sich für alle Winzerinnen und Winzer, Mitglied in diesen Vereinen der Ehemaligen Weinbauschüler zu werden. Das ist möglich, auch wenn der Einzelne keine der Weinbauschulen in der jeweiligen Region besucht hat.

Fazit: Es ist gar nicht so schwer, alle Vorgaben und gesetzlichen Regelungen zum sachkundigen Pflanzenschutz und zur Pflanzenernährung im Weinbau zu befolgen. Beratung und hilfreiche Dienstleistungen gibt es in Hülle und Fülle. Also – liebe Winzerinnen und Winzer – immer schön sachkundig bleiben und auf alle Fälle eingangs genannte Umweltsünden unterlassen.

Weiterentwicklung der Regionalinitiative Mosel

Die Gründung der Regionalinitiative Mosel erfolgte im Jahr 2006. Die Dachmarke Mosel Weinkulturland wurde als Leader Projekt mit gefördertem Projektmanagement von 2008 bis 2012 entwickelt. Derzeit werden Überlegungen zur Weiterentwicklung sowohl von Regionalinitiative als auch der Dachmarke Mosel angestellt. Hierzu wurde das Büro Project M unter der Leitung von Cornelius Obier beauftragt. Inzwischen haben mehrere Sitzungen und Workshops mit den Beteiligten und Akteuren stattgefunden.

Dabei wurden folgende Ziele fixiert:

Die Regionalinitiative Mosel bleibt bestehen. Statt einer Dachmarken Strategie soll eine Markenfamilie Mosel entstehen. Vier Säulen tragen die Markenfamilie:

Wein – Tourismus - Regionale Produkte – Kultur. Jede Säule kann und soll individuell agieren und eigene Schwerpunkte setzen. Es soll aber ein abgestimmtes Auftreten und eine gemeinsame Marktbearbeitung geben.

Die Mitgliedschaft steht allen Akteuren an der Mosel offen. Die Markenfamilie soll aber für alle sichtbar und wiedererkennbar sein. Dazu arbeitet die Agentur in Zusammenarbeit mit der Projekt- und Steuerungsgruppe eine Strategie aus. Wichtig ist eine verbindliche, adäquate Ausstattung von Personal und Finanzstruktur für die Markenfamilie.

Terroir Moselle fördert den Moselweinverkauf in der Großregion

Durch ein dreijähriges, von der Europäischen Union gefördertes Projekt will die Vereinigung Terroir Moselle mit Sitz in Grevenmacher Moselweinvermarkter beim Gewinnen von grenznahen Kunden unterstützen. Die 11,5 Millionen Einwohner der Großregion bieten den Winzerinnen und Winzern des Moseltals einen sehr offenen, aber noch weitgehend unerschlossenen Markt.

Die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) Terroir Moselle, an der die Moselweinwerbung sowie 18 weitere Organisationen und Institutionen des Moselweinbaus und des Tourismus in allen Mosel-Anrainerstaaten beteiligt sind, möchte allen Weinvermarktern des europäischen Moseltals ermöglichen, an neue Märkte jenseits der inneren Grenzen der Großregion zu kommen. Neue in Frankreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland lebende Kunden sollen durch ein attraktives Angebot rund um Wein, Architektur und Baukultur angelockt werden. Zusätzlich werden auch Zollämter und die Industrie- und Handelskammern an einer besseren Vermittlung der notwendigen administrativen Exportschritte für die Winzer und Winzerinnen arbeiten, mit dem Ziel, administrative Hürden im grenznahen Verkauf abzubauen.


Die Finanzierung des Projektes erfolgt mithilfe einer EU-Förderung über das INTERREG-Programm mit einer Gesamtdauer von drei Jahren. Insgesamt steht ein Budget von fast 450.000 Euro für das dreijährige Projekt zur Verfügung. 60 Prozent sollen durch EU-Fördergelder gestellt werden, 40 kommen aus nationaler Kofinanzierung der beteiligten Regionen, u.a. von den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland.

Die Winzer des Moseltals produzieren Wein in unmittelbarer Nähe einer oder mehrerer Grenzen. Auf der anderen Seite der Grenze warten neugierige Kunden darauf, den Wein und die (Bau)Kultur der jeweils anderen Region kennenzulernen. Oftmals verhindern sprachliche, kulturelle und administrative Hürden den Kontakt und das Kennenlernen zwischen Produzenten und Weininteressierten und somit schließlich auch den Verkauf des Weines. Terroir Moselle möchte dieser Problematik entgegenwirken und die Lust auf eine Entdeckung der Wein- und Architektur-Besonderheiten des europäischen Moseltals bei den Bewohnern diesseits und jenseits der Grenze wecken. Der Wein ist nicht mehr allein das Zweck eines Tagesausflugs oder eines Kurztrips: Der Wein wird mit der Entdeckung einer langjährigen oder modernen Baukultur in Verbindung gebracht, eine Erfahrung mit allen Sinnen. Wein- und Baukultur zusammen sind Zeugen der Einzigartigkeit der verschiedenen Region eines grenzenlosen Moseltals: in jeder Teilregion entstehen unterschiedliche Weine, verschiedene Rebsorten stehen in Verbindung mit den charakteristischen Bauten in den Winzerdörfern. Das Kennenlernen der Mittelmosel mit seinen schiefergeprägten Weingütern und dem dazu passenden mineralischen Riesling  kann am gleichen Tag stattfinden wie das Entdecken der etwas unbekannteren lothringischen Winzerdörfer mit deren Landhäusern, dem dortigen Kalkgestein und der Rebsorte Auxerrois. Das Kennenlernen einer Teilregion weckt die Lust auf das Entdecken der ganzen Vielfalt der Weine und der geschichtsträchtigen Bauten des gesamten Moseltals.

Durch Schulungen soll für die Winzerinnen und Winzer auch das Geschäft mit Kunden der Großregion, sowie der direkte Weinverkauf im naheliegenden Ausland erleichtert werden: Themen wie Zollformalitäten, kulturelle Besonderheiten und Grundkenntnisse der benötigten Fachsprache werden im Rahmen dieser Schulungen „Fit für den Export“ vermittelt.

Weitere Informationen zu Terroir Moselle unter www.terroirmoselle.eu.

Mitgliedschaft bei Wine in Moderation beste Abwehr von Alkoholsteuer und anderen staatlichen Repressalien

In Brüssel gewinnen die Kräfte immer mehr an Einfluss, die jeglichen Konsum alkoholischer Getränke erheblich einschränken und mittels staatlicher Maßnahmen verteuern wollen. Der bisherige Konsens zwischen NGOs und der Getränkebranchen (Bier, Spirituosen, Wein), sich gemeinsam gegen einen Missbrauch alkoholischer Getränke einzusetzen, wurde von Seiten der Alkoholgegner (NGOs) einseitig aufgekündigt. Die Europäische Kommission machte daraufhin einen Vorschlag für ein Zweikammer-Forum, der keine fairen Teilnahmebedingungen für die Getränkebranche bot.

Gleichzeitig gewinnt das Europäische Regionalkomitee der Weltgesundheitsbehörde (WHO) immer mehr an Einfluss auf die Europäische Alkoholpolitik. Es fordert Maßnahmen zur Bekämpfung jeglichen Konsums und nicht nur gegen den gesundheitlich bedenklichen Missbrauch. Diese zielen auf die Einschränkung der freien Verfügbarkeit, Kennzeichnung als gesundheitliches Gefahrenprodukt und auf Verteuerung von alkoholischen Getränken: drastische Alkoholsteuern (auch für Wein), kein freier Verkauf in Läden, Warnhinweise etc.

Die europäischen Dachverbände der Weinwirtschaft halten nach wie vor - neben und flankierend zu der politischen Auseinandersetzung - eine aktive Präventionsarbeit für einen erfolgreichen Abwehrmechanismus gegen diese Repressalien. Gemeinsam wurde daher das Wine in Moderation - Programm ins Leben gerufen, das in Deutschland von allen Bundes- und Regionalverbänden unterstützt und durch die Deutsche Weinakademie (DWA) inhaltlich ausgestaltet und getragen wird. Mit Wine in Moderation zeigt die Wein-Branche Flagge gegenüber der Politik.

Gemeinsam distanzieren wir uns damit von jeglichem Missbrauch und machen uns stark für moderaten Konsum und verantwortungsvolle Werbung. Wir machen damit aber auch deutlich, dass Wein mehr ist als ein alkoholisches Getränk und sein Genuss in einen gesunden Lebensstil passt.

Damit diese Kampagne ein politisches Gewicht bekommt, müssen möglichst alle Unternehmen der deutschen Weinbranche aktives Mitglied des Wine in Moderation - Programms werden. Denn nur mit einem nachweislichen Erfolg der Initiativen können wir politisch punkten. Deshalb empfehle ich Ihnen, die Mitgliedschaft zu erwerben!

Die Mitgliedschaft kostet nichts und bringt viele Vorteile. Einzige Bedingung ist die Verpflichtung, neben den rechtlichen Vorgaben (z.B. zum Jugendschutz und Gaststättengesetz) den Werbekodex/die Wein-Kommunikationsstandards einzuhalten, d.h. nur im vorgegebenen rechtlichen und selbstverpflichtenden Rahmen für Wein zu werben.

Jeder Betrieb erwirbt durch die Wine in Moderation-Mitgliedschaft das Recht, für einen Platz auf der DWA-Website, der ihn als verantwortungsbewussten Betrieb ausweist, die offiziellen Wine in Moderation-Logos auf der Firmen- Website zu verwenden und für digitale und Print-Medien des Betriebes zu nutzen, auf vielfältige Unterstützung zur Thematisierung in den Betrieben, wie z.B. kostenlose Broschüren, Roll ups, Alkohol-Einmal-Tester.

Anmelden kann man sich direkt online über https://www.wineinmoderation.eu/de/content/Join-Register.49/

Wer Fragen dazu hat oder weitere Informationen benötigt, kann diese vorab über die Deutsche Weinakademie erhalten. Mit der Mitgliedschaft kann jeder Einzelne dazu beitragen, ein wirtschaftliches und nachhaltiges Umfeld zu wahren, in dem auch die kommenden Winzergenerationen eine Zukunft haben.

Weinbauverbände Mosel und Mittelrhein, Gerd Knebel, Karl-Tesche-Straße 3 in 56073 Koblenz, Telefon 0261/304221007, Gartenfeldstraße 12a in 54295 Trier, Telefon 0651/4605625, E-Mail: Knebel@bwv-net.de.