Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

05.10.2018 - Erntedankfest 2018

Grußwort zum Erntedankfest

Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Winzerinnen und Winzer, liebe Landjugendliche,

wir Bauern- und Winzerfamilien sind tragende Säulen unserer ländlichen Heimat. Es sind oft Bauern und Winzer, die durch ihr Engagement die vielen Traditionen und das Brauchtum am Leben erhalten. Eine der schönsten Traditionen dabei ist das Erntedankfest. Denn das Fest soll auch den Blick weiten, etwa in andere Teile unserer Welt. In vielen Regionen der Erde herrscht nach wie vor der tägliche Kampf ums Überleben. Allen voran spielen Hunger und Hungersnöte eine tragische Rolle im Leben vieler Menschen. Daher geht es beim Erntedankfest auch darum, die eigene Versorgung mit dem, was die Natur uns gibt, zu würdigen. Deshalb wünsche ich mir, dass die Verbraucher wieder mehr Wertschätzung für die Lebensmittel und deren Erzeuger aufbringen.

Es ist aber auch ein Fest zum richtigen Zeitpunkt. Denn die Erntezeit ist mitunter die anstrengendste Zeit des Jahres und oft eine Zeit des Hoffens und des Bangens. Leider werden Hoffen und Bangen zu Daueremotionen, denn Landwirtschaft und Weinbau müssen sich mit zunehmenden Wetterextremen auseinandersetzen.

Bereits das vergangene Jahr hat viele von uns vor große Herausforderungen gestellt. Denn es war durch einen viel zu warmen März mit ausgeprägten Trockenperioden im April und Mai sowie den verheerenden Frostnächten Ende April geprägt. In diesem Jahr schlägt das Pendel noch stärker zwischen Starkregen und extremer Trockenheit. Die Bilder der Überflutungen in Folge des Starkregens im Juni, bei dem aus kleinen Rinnsalen reißende Flüsse wurden, bleiben wohl noch lange im Gedächtnis - vor allem in Eifel und Hunsrück. Dabei wurden massive Schäden an Wohnhäusern, Wirtschaftswegen, auf Grünland und Ackerflächen verursacht.

Das zweite Extrem, das die gesamte Republik seit Monaten beschäftigt, ist die anhaltende Dürre. Sie folgte quasi unmittelbar auf die Überflutungen. Es zeigte sich, dass vor allem Teile des Westerwalds zum Hot Spot der Dürre wurden. Insbesondere Grünland- und Futterbaubetriebe sind betroffen. Besorgniserregend ist auch, dass alle Teile des Landes von den Wetterextremen betroffen waren. Somit wird Risikomanagement für die Betriebe immer wichtiger. Dabei ist zwischen dem Risikomanagement zu unterscheiden, das die Betriebe bereits heute leisten können, und dem, das sie noch leisten könnten, wenn sie denn dürften.

Zum ersteren zählen sicherlich Möglichkeiten der betrieblichen Diversifizierung, also die Schaffung mehrere Einkommensmöglichkeiten und die Verteilung der Risiken auf unterschiedliche Standbeine. Viele Betriebe managen sehr verantwortungsbewusst ihre Ressourcen, etwa Futterreserven. Doch nicht jeder Boden gibt es her, überhaupt ausreichend Reserven innerhalb eines Jahres anzulegen. Genau diese natürlich benachteiligten Gebiete und Betriebe leiden aktuell besonders unter der Dürre.

Daher ist ein öffentliches Unterstützungsprogramm wichtig und sinnvoll. Rheinland-Pfalz hat sich nicht am Dürrehilfsprogramm des Bundes beteiligt, u. a. auch, weil man zunächst eines sehr strenge und bürokratische Bedürftigkeitsprüfung bestehen müsste. Hierbei müssen sämtliche - auch private - Vermögensverhältnisse offengelegt und angerechnet werden. Es wären wohl nur sehr wenige Landwirte, die überhaupt Hilfszahlungen erhalten hätten.

Ich halte es für sinnvoller, wenn es ein unkompliziertes landeseigenes Hilfsprogramm geben würde. Das Hilfsprogramm für frostgeschädigte Betriebe aus dem vergangenen Jahr oder Programme anderer Bundesländer, etwa aus Bayern oder Brandenburg, bei denen z. B. der Futterzukauf unterstützt wird, sollten als Vorbild in Betracht gezogen werden. Allerdings bringen öffentliche Hilfsprogramme für Landwirte immer auch gesellschaftliche Diskussionen mit sich. Die Akzeptanz der Hilfsprogramme für die Bauern wäre sicherlich größer, wenn man endlich aufhören würde, die Landwirtschaft als eine mit anderen Industrie- und Gewerbezweigen vergleichbare Branche zu sehen. Landwirte und Winzer sind wie keine andere Branche unkontrollierbaren Risiken ausgesetzt. Das sind neben den wetterbedingten Ertragsrisiken auch Risiken durch Tierseuchen, wie etwa aktuell durch die Afrikanische Schweinepest. Zudem ist die Landwirtschaft wie keine andere Branche systemrelevant, da sie die Mittel zum Leben herstellt.

Dennoch würden sich viele Landwirte gerne den lang anhaltenden Diskussionen entziehen und sich selbstständig gegen Risiken absichern. Dazu müsste die steuerliche Gewinnglättung endlich vollzogen werden und in einem zweiten Schritt von der Politik zu einer wirksamen und praxistauglichen, steuerfreien Risikoausgleichsrücklage weiterentwickelt werden.

Ein weiterer wichtiger Bereich des Risikomanagements betrifft die neuen Züchtungstechniken. Unter diesem Begriff werden verschiedene Methoden zusammengefasst, die zur Veränderung der genetischen Ausstattung von Pflanzen genutzt werden können, ohne in das Erbgut selbst einzugreifen. Hierdurch werden letztendlich neue Möglichkeiten geschaffen, Pflanzen auch gegen die zunehmenden Wetterextreme resistenter zu machen.

Der Europäische Gerichtshof urteilte jedoch, dass Produkte der neuen Züchtungstechniken als gentechnisch veränderte Organismen zu kennzeichnen sind. Dies behindert die Anwendung dieser innovativen Entwicklung in Europa und erschwert die Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln aus der modernen Züchtungstechnologie. Denn die Verbraucherakzeptanz für gentechnisch-gekennzeichnete Lebensmittel ist äußerst niedrig.

Als ersten Schritt zur Förderung der Eigenständigkeit der Landwirte könnten Politik und Verwaltung der Landwirtschaft zumindest dabei helfen, wetterbedingte Ausnahmesituationen aus eigener Kraft zu meistern, indem man die Landwirte beispielsweise von strikten Regelungen befreit und ihnen mehr Flexibilität, etwa bei Fristen zum Anbau von Zwischenfrüchten auf Ökologischen Vorrangflächen, gewährt. Dass sich auch die Politik bewegen muss, ist klar, denn so manch einem Bürger wurde durch die Dürre nochmals ins Gedächtnis gerufen, dass eine sichere Lebensmittelversorgung nichts Selbstverständliches ist, sondern große Leistungen und Anstrengungen unseres Berufsstands voraussetzt.

Ich lade Sie herzlich zum Erntedankfest des bäuerlichen Berufsstands am Samstag, den 06. Oktober, ab 9.00 an der Porta Nigra in Trier ein. Der Bauernmarkt, der Festgottesdienst, der Erntedankfestumzug und die anschließende Überreichung der Erntekrone bilden die Höhepunkte des Tages.

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Michael Horper
Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau