Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

09.09.2018 - Agrarfamilie 2018

Familie Genn aus Wehr

Familie Genn möchte den Titel holen

Hier kann der vollständige Artikel mit allen Fotos eingesehen werden

Im Rahmen des Wettbewerbs „Agrar-Familie 2018“ hat das Netzwerk Agrarmedien in diesem Jahr wieder deutschlandweit Bauernfamilien gesucht, die generationenübergreifend innovative Betriebskonzepte umsetzen, indem sie den Betrieb für die Zukunft fit machen, das Leben im Dorf bereichern, ihre Heimat oder das Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft verbessern. Aus den bei der Rheinischen Bauernzeitung eingegangenen Bewerbungen hat eine Jury einen Betrieb für die Endrunde ausgewählt und sich entschieden, Familie Genn aus Wehr im Brohltal ins Rennen zu schicken. Nachfolgend stellt Joachim Genn seine Familie vor.

Wir sind Familie Genn: Joachim Genn (56), Landwirtschaftsmeister, meine

Frau Gerhild (54), Arzthelferin, und unsere vier Kinder Mathias (30), Landwirtschaftsmeister, Juliane (29), Diplompädagogin der frühen Kindheit und Sozialpädagogik, Johanna (26), Master of Education für Lehramt an Grundschulen, und Lukas (23), Landwirtschaftsmeister. Gemeinsam mit meinem Vater Richard (82), Landwirtschaftsmeister, kann unsere Familie aktuell vier Landwirtschaftsmeister aus drei Generationen vorweisen.

Unser Bullenmast- und Ackerbaubetrieb liegt in Wehr westlich des Laacher Sees im Brohltal. 1854 errichtete mein Urgroßvater die ersten Stallungen. Seither vergrößerte sich der Betrieb kontinuierlich und wird nun bereits in der fünften Generation geführt. 1967 übernahmen meine Eltern den Hof, der dann 1995 mir überschrieben wurde. Heute wird unser Betrieb als Mathias und Joachim Genn GbR geführt. Lukas ist als Angestellter ebenfalls in unserem eigenen Betrieb tätig.

Da an der alten Betriebsstätte keine Möglichkeit zur Erweiterung bestand, begannen 1984 die Planungen für eine Teilaussiedlung. So entstand im ersten Bauabschnitt ein Mastbullenstall mit Vollspaltenboden für 84 Tiere. Da bei den Baggerarbeiten eine keltische Urne gefunden wurde, entschieden wir uns für die Bezeichnung „Keltenhof“. Mittlerweile gehören zur Aussiedlung ein Wohnhaus, eine Mehrzweckhalle, eine Maschinenhalle mit Fotovoltaikanlage, die gleichzeitig zur Lagerung von Getreide, Heu und Stroh dient, ein Tiefstreustall für 50 Tiere und 3 Siloplatten inklusive Sickersaftgrube. Alle Baumaßnahmen wurden in größtmöglicher Eigenleistung ausgeführt.

Das Altgebäude dient seither als Quarantänestation für erkrankte Tiere, als Unterkunft für neu zugekaufte Jungbullen und weiterhin als Heu- und Strohlager für kleine Rechteckballen.

Auch der Maschinenpark konnte stetig erweitert bzw. ersetzt werden. Im möglichen Rahmen wurden Ackerflächen hinzugekauft.

Die männlichen Absetzer stammen ausschließlich von umliegenden Mutterkuhbetrieben. Von den ca. 120 Mastbullen, die jährlich vermarktet werden, gehen 95 % an private Metzgereien in der Region. Das bedeutet kurze Transportwege sowohl beim Ein- als auch beim Verkauf. Unsere Bullenmast ist QS-zertifiziert.

Aufgrund vermehrter Anfragen, sind wir in diesem Jahr in die Privatvermarktung eingestiegen. Wir bieten den Konsumenten an, ihr Rindfleisch direkt von uns zu beziehen. Die Bestellung hierfür erfolgt ausschließlich über unsere Homepage. Geschlachtet wird erst, wenn ein kompletter Bulle vorbestellt ist. Anhand einer Grafik kann der Kunde den jeweiligen Bestellstatus verfolgen.

Eine Vergrößerung unseres Viehbestands kommt für uns bei der momentanen Erlös- und Absatzsituation nicht in Betracht. Wir werden uns nicht vergrößern, nur um billige Konsumware für Supermärkte zu erzeugen. Mathias und Lukas nutzen daher die Möglichkeit, durch Bereitstellung ihrer Arbeitskraft zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften.

Überbetrieblicher Einsatz

Seit dem Beginn meiner Lehre werden Maschinen überbetrieblich eingesetzt. Es begann mit einer Mais- und der Rübendrille, dem Maishäcksler und Mähdrescher. Heute werden von uns dreien zusätzlich folgende Lohnarbeiten übernommen: Pflanzenschutz, Grünlandpflege, Beseitigung von Wildschäden, Gras mähen, Rundballen pressen, Ballen wickeln, Getreideaussaat, Mulcharbeiten, Gülleausbringung mit Schleppschuhverteiler, Rüben- und Kartoffeltransporte und Winterdienst. Mathias und Lukas leisten außerdem Betriebshilfe in Krankheitsfällen oder als Urlaubs- und Wochenendvertretung. Mathias hilft zudem Berufskollegen beim Ausfüllen von elektronischen Anträgen auf Agrarförderung und bei der Düngebedarfsberechnung nach der neuen Düngeverordnung. Allerdings wird auf die Annahme von Lohnarbeiten verzichtet, wenn hierdurch die auf dem eigenen Hof anfallenden Arbeiten nicht zeit- oder ordnungsgemäß ausgeführt werden könnten.

Weiterbildung – der Schlüssel zum Erfolg

Gerne nehmen wir die vielfältigen Weiter- und Fortbildungsangebote, wie z. B. Maifeldwoche, Seminare des Bauernverbandes, Versuchsfeldbesichtigungen, Veranstaltungen des DLR oder DLG-Feldtage, wahr. Wir nutzen diese Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch mit Handel, Offizialberatern, Berufskollegen, der Pflanzenschutzindustrie und Beratern aus der Züchtung. In Zusammenarbeit mit einer Saatzuchtfirma legen wir auf unseren Flächen auch Demonstrationsparzellen an. Hierbei testen wir neues Sortenmaterial, um möglichst schnell vom Züchtungsfortschritt profitieren zu können. Außerdem stellen wir unseren Hof der Landwirtschaftskammer als Prüfungsbetrieb für Gehilfen- und Meisterprüfungen zur Verfügung. Schulpraktikanten bieten wir die Möglichkeit, unseren Arbeitsalltag näher kennen zu lernen.

Information und Meinungsaustausch fördern gegenseitiges Verständnis

Die Öffentlichkeitsarbeit ist für uns sehr wichtig, denn Information und Meinungsaustausch fördern gegenseitiges Verständnis. Sie nahm ihren Anfang während der Grundschulzeit unserer eigenen Kinder mit der Durchführung von Projekttagen auf unserem Hof. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus Betriebsbesichtigungen der verschiedensten Gruppierungen vom Kindergarten- bis zum Rentenalter, von Privatpersonen bis hin zu Politikern. Für Kindergruppen erarbeitete meine Frau altersentsprechende Quizfragen, bei denen es natürlich für jeden etwas zu gewinnen gibt. Materialien zur Nachbearbeitung des Hofbesuchs werden ebenso gerne wie frische Eier unserer freilaufenden Hühner mit nachhause genommen.

Des Weiteren finden bei uns Grünlandbegehungen, Abende auf dem Futtertisch und Jungzüchtertreffen statt. Das SWR-Team drehte bei uns mehrmals Kurzreportagen. Neben diversen Radio-Interviews hatte Mathias auch einen Live-Auftritt in einer SWR-Sendung.

Artikel über Ausbildungsabschlüsse oder die Teilnahme von Lukas am Leistungspflügen, Erläuterungen zu Berufswettkämpfen oder über besondere Ereignisse am Hof werden von uns selbst in der heimischen Presse veröffentlicht. Mathias beteiligt sich mit eigenen Beiträgen am Videoprojekt „agriKULTUR“, das auf YouTube Landwirtschaft auf anschauliche Weise für jedermann darstellt.

Für Besucher und Interessierte hat meine Frau eine Betriebsmappe entworfen. Sie enthält den Betriebsspiegel und informiert in groben Zügen über die Geschichte des Betriebs und dessen Entwicklung, unsere Maschinenausstattung und die Bullenmast. Außerdem sind Auszüge unserer Öffentlichkeitsarbeit enthalten. Alles wird zusätzlich mit Fotos dokumentiert. Zur Verdeutlichung, dass zum Beruf des Landwirts mehr als nur das Füttern der Tiere und Traktorfahren gehören, findet sich am Ende der Mappe eine kurze Zusammenfassung zum Berufsbild.

Immer wieder kommen Kinder aus dem Ort, um unsere Kleintiere zu besichtigen bzw. mit ihnen zu spielen oder auch, um einfach mal mit anzupacken oder mit aufs Feld zu fahren. Die Kaninchenzucht von Lukas war jahrelang Anziehungspunkt für Familien mit Kleinkindern. Mittlerweile ist er auf Ziegenhaltung umgestiegen. Sein neuestes Steckenpferd ist eine kleine Charolais-Mutterkuhherde. Ein Besuch auf unserem Hof ist sowohl für Gruppen als auch Einzelpersonen zu jeder Zeit möglich und gerne gesehen.

Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamt - eng miteinander verbunden

Um der Bevölkerung zu zeigen, dass Bauernfamilien nicht nur für ihren Betrieb und die Arbeit leben, ist es für uns ebenfalls wichtig, ehrenamtlich tätig zu sein. Indem wir uns ins Dorf- und Vereinsleben einbringen, erfahren wir eine große Akzeptanz. Es gibt keine Berührungsängste. Fragen zur Landwirtschaft werden offen gestellt und wir nehmen uns gerne die Zeit, sie zu beantworten und Probleme zu diskutieren. Wir versuchen, Ängste und Verunsicherung der Verbraucher durch Erläuterung von Zusammenhängen und Hintergründen zu mindern. So nutzen wir unsere Chance, die Bevölkerung fachkundig zu informieren. Unsere ganze Familie ist seit Jahren auf vielfältige Weise ehrenamtlich tätig. Dazu gehören für meine Frau und/bzw. mich die langjährige Mitgliedschaft im Schützenverein mit Jugend- und Vorstandsarbeit, der Vorsitz in der Jagdgenossenschaft, die Mitgliedschaft im Höfeausschuss und im Ausschuss für nachwachsende Rohstoffe beim Bauernverband, im Pfarrgemeinderat und als zweiter Beigeordneter im Gemeinderat, die Mitarbeit in Elternbeiräten, die Begleitung von Ferienfreizeiten, Betreuung der Messdiener und Sternsinger, die Arbeit als Katechetin, Kommunionhelfer, der Aufbau des Martinsfeuers und die Mithilfe beim Pfarrfest.

Unsere Kinder waren bzw. sind ebenfalls langjährige Mitglieder im Schützenverein, Messdiener und Sternsinger. Lukas engagiert sich zudem in der hiesigen Landjugend, Juliane übernahm für geraume Zeit die Führung der Gemeindebücherei und gehörte dem Jugendrotkreuz an. Wir drei Männer helfen alljährlich beim Krippenaufbau und der Herrichtung des Altars an Fronleichnam.

Für alle gilt gleichermaßen die Hilfe bei der Bolivienkleidersammlung, regelmäßige Blutspende beim Roten Kreuz und die Unterstützung des Karnevalsvereins durch die Teilnahme am Umzug und die Bereitstellung unserer Hallen zum Wagenbau.

Durch den Besuch des Top-Kurses wurde Mathias maßgeblich für die Außendarstellung unseres Berufsstands sensibilisiert. Zurzeit ist er Vorsitzender der Landjugend Rheinland-Nassau, Mitglied im Bildungsausschuss der Landwirtschaftskammer, zweiter Vorsitzender im Bauern- und Winzerverein Ahrweiler, Schöffe am Amtsgericht und Fachberater beim Berufswettbewerb des Bundes der Deutschen Landjugend.

Auf Grund seines daraus resultierenden Bekanntheitsgrads wird er häufig als Referent angefragt. So hat er z. B. Vorträge über seine Misereor-Delegationsreise nach Burkina Faso, über nachhaltige Landwirtschaft bei Germanwatch, über das Projekt „agriKULTUR“ und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit bei der Bayrischen Jungburschenschaft in Grainau und beim Junglandwirtetag in Baden-Württemberg und zur Generation Z bei der ADG Montabaur gehalten.

Unsere Tochter Juliane unterstützt mit selbst organisierten Spendengeldern ein Kinderheim in Tansania, das sie bereits mehrmals selbst besucht hat, um vor Ort dafür zu sorgen, dass die Spenden sinnvoll und in vollem Umfang eingesetzt werden.

Wenn Ihnen unser Konzept gefällt, geben Sie uns bitte Ihre Stimme. Jede Stimme zählt.