IGJG
Hegegemeinschaften und Schwarzwildproblematik

Koblenz.
Rund 140 Interessenten fanden sich zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung im Haus des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Koblenz ein, um aktuelle Themen rund um das neue rheinland-pfälzische Landesjagdgesetz sowie die Schwarzwildproblematik zu diskutieren.

Zu der Veranstaltung hatten die Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (IGJG) im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau sowie die Schwesterorganisation, die Fachgruppe Jagdgenossenschaften des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd und der Landesverband der Berufsjäger Rheinland-Pfalz/Saarland eingeladen. Heribert Metternich konnte in seiner Funktion als Vorsitzender der IGJG zahlreiche Vertreter aus den Reihen der Berufsjäger, der Kommunen, von Jagdgenossenschaften sowie aus Politik und Gesellschaft begrüßen. Einleitend wies er darauf hin, dass die IGJG als Vertreter des Grundeigentums ein wesentlicher Garant dafür sei, dass die Interessen der einzelnen, insbesondere auch landwirtschaftlichen Grundeigentümer bei jagdrechtlichen und –politischen Fragen vertreten werden. Dies sei letztlich wichtig, um im ländlichen Raum für Stabilität und eine kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen.

In seinem Grußwort lobte der Bundesvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer, Bernhard Haase, die Idee eine gemeinsame Veranstaltung zwischen Bauernverbänden, Vertretern der Jagdgenossenschaften und Berufsjägern durchzuführen. Insbesondere im Hinblick auf die bundesweit auftretende Schwarzwildproblematik sei es notwendig, Rahmenbedingungen gemeinsam zu gestalten und jagdliche Strategien abzusprechen, um angemessen auf die besondere Situation reagieren zu können, dabei sei der Erfahrungsschatz und das Wissen der Berufsjäger von großem Wert.

Der Moderator der Veranstaltung, der Vorsitzende des Landesverbandes der Berufsjäger, Helmut Hilpich, wies in seinen einleitenden Worten noch einmal auf die besondere Bedeutung gemeinsame Veranstaltungen der Akteure zu Fragen rund um die Jagd hin. Gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheiten im Hinblick auf jagdliche Fragen im Zusammenhang mit der Schwarzwildproblematik sei es unverzichtbar, den Sachverstand der Berufsjäger als Fachleute mit einzubeziehen.

Den fachlichen Teil einleitend berichteten die Juristen der Verbände Marcus Hehn und Joachim Schneider über die Änderungen des Landesjagdgesetzes (download Vortrag) [327 KB] in Rheinland-Pfalz, die im Jahre 2010 verabschiedet worden sind. Sie führten aus, dass es zahlreiche Änderungen zu Gunsten der Grundeigentümer gegeben habe, wodurch deren Rechte gestärkt worden seien. Dies zeigt sich beispielsweise auch im Zusammenhang mit der Privatisierung von Abschussplanungen, die in Zukunft nicht ohne die Zustimmung der Jagdgenossenschaften bzw. Eigenjagdbesitzer und damit der Grundeigentümer als Jagdrechtsinhaber möglich sein wird. Weiterhin sei es erfreulich, dass das bisherige Jagdrechtssystem in Rheinland-Pfalz und insbesondere auch die Wildschadensregulierung und damit ein wichtiges Thema für die Grundeigentümer und Bewirtschafter in vollem Umfang beibehalten worden sei. Auch wenn man sich an der einen oder anderen Stelle noch weitere Änderungen im Landesjagdgesetz gewünscht hätte, so sei man seitens der Vertretungen der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer grundsätzlich mit den im politischen Diskurs erzielten Ergebnissen zufrieden.

Der Jagdreferent des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, Frank Ridderbusch, berichtete anschließend über die in Rheinland-Pfalz neu vorgesehene Bildung von Hegegemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts (download Vortrag) [289 KB] . Diese seien grundsätzlich von den freiwilligen Hegegemeinschaften abzugrenzen. Die Landesregierung habe es sich zum Ziel gemacht, die Bewirtschaftung von Rotwild, Damwild und Muffelwild im Rahmen von Bewirtschaftungsbezirken straffer zu organisieren. Daher seien die Hegegemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts installiert worden, um darin Fragen der Wildbiologie, der Populationsdynamik, der Zunahme der Bestände und insbesondere auch der in den letzten Jahren zunehmenden Wildschadenssituation besser und effektiver aufgreifen zu können. Die Hegegemeinschaften erhalten daher in Zukunft ein breites Aufgabenspektrum zugewiesen, die zweckmäßig angegangen werden sollten. Bei der Bildung der Hegegemeinschaften sei die Anzahl der Jagdgenossenschaften ein wichtiges Kriterium, zudem seien Mindestgrößen vorgesehen (5.000 ha bei Rotwild, 3.000 ha bei Damwild und 1.500 ha bei Muffelwild).

Ridderbusch wies in seinen Ausführungen insbesondere darauf hin, dass jede Jagdgenossenschaft einen Vertreter in die Mitgliederversammlung der Hegegemeinschaft entsenden könne. Dies gelte genauso für die Eigenjagdbesitzer. Bereits in einem frühen Stadium sei es daher möglich, die Interessen der Grundeigentümer in die jagdlichen Diskussionen der Hegegemeinschaft einzubringen. Gestärkt werden die Rechte der Grundeigentümer auch dadurch, dass im Vorstand der Hegegemeinschaft jeweils ein Vertreter der Jagdgenossenschaften sowie ein Vertreter der Eigenjagdbesitzer mit beratender Stimme eingeladen werden müssen. Auf diese Weise sei die Einbindung der Jagdrechtsinhaber gerade im Zusammenhang mit der auf der Ebene der Hegegemeinschaft abzustimmenden Abschussplanung für Rotwild, Damwild und Muffelwild gewährleistet, bevor diese in einem späteren Stadium durch die ausdrückliche Zustimmung der Jagdrechtsinhaber, d.h. der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer, rechtliche Gültigkeit erhalten. Ridderbusch wies jedoch auch darauf hin, dass die verwaltungsmäßige Einrichtung von Bewirtschaftungsbezirken und Hegegemeinschaften zurzeit noch andauere. Daher würden Übergangszeiten einzuplanen sein, in denen die bisherigen Regelungen, insbesondere Abschusspläne, beibehalten werden. Somit blieben auch einige Fragen hinsichtlich der Umsetzung der neuen Regelungen offen.

Eingriff in den Motor des Schwarzwildpopulation ist unerlässlich
Der jagdpraktische Schwerpunkt der Veranstaltung wurde von Wildmeister Peter Markett aus dem Davert Hochwildring (südlich von Münster) gestaltet (download Vortrag) [5.156 KB] . Der Berufsjäger betreut eine Revierfläche von insgesamt rund 15.000 ha, in denen vorrangig Schwarzwild, Damwild und Rehwild vorkommen. Anhand anschaulicher Beispiele erläuterte er das umfangreiche Aufgabenfeld von Berufsjägern, das insbesondere dadurch gekennzeichnet ist, immer wieder zwischen den verschiedenen Akteuren (Jagdgenossenschaften, Jäger, Grundeigentümer, Bewirtschafter) Gespräche herbeizuführen und jagdliche Strategien zusammen mit den Revierinhabern und Grundeigentümern zu entwickeln, um revierübergreifend eine effiziente Jagd zu ermöglichen. So stellte er beispielsweise dar, wie mit geeigneten jagdlichen Strategien (Durchführung von zwei Drückjagden im Winter) revierübergreifend die Schwarzwildpopulation und damit auch der Wildschaden deutlich reduziert werden kann.
Markett gab jedoch auch zu bedenken, dass derlei jagdliche Strategien nicht kurzfristige Erfolge garantieren, sondern dass ein längerfristiges Engagement notwendig ist, um die gewünschten Ziele, insbesondere eine Reduktion des Schwarzwildbestandes, zu erreichen. Nach 10 Jahren Tätigkeit für die Hegegemeinschaft habe man es gemeinsam geschafft die jährlichen Kosten für den Wildschadensersatz auf unter 1 € pro Hektar zu senken. Seiner Ansicht nach sei der Erfolg bei der Reduzierung des Schwarzwildbestandes maßgeblich dadurch zu beeinflussen, dass Frischlinge und damit die reproduktivsten Stücke in der Schwarzwildpopulation möglichst frühzeitig erlegt werden und auf diese Weise ein Eingriff in den „Motor der Schwarzwildpopulation“ vorgenommen werde. Seiner Ansicht nach seien die in Rheinland-Pfalz vor allem auf wildbiologisch begründeten Erkenntnissen beruhenden Empfehlungen, eher Bachen zur Reduktion des Schwarzwildbestandes zu schießen, durch die praktischen Erfahrungen der Jäger zu ergänzen, um auch in Rheinland-Pfalz einen höheren mittelfristigen Erfolg bei der Reduktion des Schwarzwildbestandes erzielen zu können.

Die engagierte Diskussion zwischen den Teilnehmern über die von Markett vorgestellten Strategien, die im Rahmen von zwei revierübergreifenden Drückjagden dazu führen, rund 80 Prozent der gesamten Jahresstrecke zu erlegen, zeigte deutlich das große Interesse an einem fachlichen Austausch zwischen Jägern, Landwirten, Grundeigentümern und Vertretern der Jagdverwaltungen. Heribert Metternich konnte daher auch in seinem Schlusswort darauf verweisen, dass sich die einladenden Verbände auch in Zukunft für einen entsprechenden Austausch einsetzten werden und weiterhin gemeinsam an der Erarbeitung von allseits akzeptierten Strategien zur Schwarzwildpopulation arbeiten würden.


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