Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

15.02.2018 - Kastration von Ferkeln

Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau unterstützt den „vierten Weg“

Koblenz. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist bekanntlich ab 2019 in Deutschland verboten. 2013 hatte der Bundestag einen entsprechenden Beschluss gefasst und das Tierschutzgesetz dahingehend geändert, dass ab kommendem Jahr die Kastration von unter acht Tage alten männlichen Schweinen ohne Betäubung nicht mehr möglich sein wird.

Die Bundesregierung setzt dabei auf folgende Alternativen: die Durchführung des Eingriffs unter Narkose, die sogenannte Immunokastration und die Jungebermast. Als praktikable Lösung für diesen Ausstieg wird derzeit der insbesondere vom Bayerischen Bauernverband favorisierte so genannte „vierte Weg“ diskutiert. Diese Alternative wurde vor dem Hintergrund entwickelt, dass sowohl die Kastration unter Vollnarkose, wie auch die Ebermast und die Immunokastration für viele Landwirte, Metzger, Direktvermarkter und Schlachthöfe keinen gangbaren Wege darstellen

Aufgrund der kleinteiligen Struktur in Süddeutschland, die auch bei der Schweinehaltung in Rheinland-Pfalz vorherrscht, wäre ein regelrechter Strukturbruch zu erwarten, wenn nicht eine praxistaugliche, gleichwohl tiergerechte Alternative ermöglicht würde. Deshalb hat sich der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, an Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing gewandt und ihn gebeten, die aktuelle Initiative der Landwirtschaftsminister aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zu unterstützen und den sogenannten „vierten Weg“ zu ermöglichen. Darunter ist die Lokalanästhesie mit moderneren Arzneimitteln zu verstehen. Diese müssten von klinischen Studien begleitet werden. „Gerade für strukturschwächere Regionen befürchte ich ansonsten, dass viele heimische Schweinehalter aussteigen werden, weil sie keine wirtschaftlichen Perspektiven sehen. Infolgedessen werden die Ferkel zunehmend aus anderen Bundesländern oder Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, über weitaus längere Transportwege importiert werden müssen. Die Regionalität der Lebensmittelerzeugung würde erheblich leiden und weiter zurückgehen. Das wollen wir nicht!“, erklärte Horper in seinem Schreiben an Dr. Wissing. Daher sei es nun dringend geboten, offene Zulassungsfragen für fachlich fundierte Verfahren zu klären und sich daraus ergebende Aktivitäten zeitnah auf den Weg zu bringen.

Bereits im Laufe des letzten Jahres hatte Präsident Horper die gleichen Forderungen an die für Tierschutz zuständige Ministerin Höfken gestellt.