Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

21.12.2017 - Grußwort zum Jahreswechsel

aaaaaaPräsident Michael Horper

Liebe Bäuerinnen und Bauern,

liebe Winzerinnen und Winzer,

wieder einmal neigt sich ein ereignisreiches und wechselhaftes Jahr mit Höhen und Tiefen dem Ende zu. Ein Jahr, in dem viele Diskussionen um politische Weichenstellungen geführt wurden. Und ein Jahr, das wegen der schwierigen Regierungsbildung im Gedächtnis bleiben wird. Der Begriff „Jamaika-Aus“ wurde jüngst sogar zum Wort des Jahres gekürt. Dies verdeutlicht, dass in den vergangenen Monaten die eventuelle, erstmalige Koalition aus Union, Grünen und FDP auf Bundesebene uns alle sehr intensiv beschäftigt hat.

Für die Bauern- und Winzerfamilien hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, endlich aus dem Fadenkreuz ideologischer Aktivisten einer grünen Politik zu entkommen. Man hätte vielleicht Wege finden können, bisherige Differenzen beizulegen und so die gesellschaftliche Akzeptanz für Landwirtschaft und Weinbau zu erhöhen. Doch stattdessen wird nun die abermalige Neuauflage der großen Koalition verhandelt. Unabhängig davon, wer künftig die aus Berufssicht wichtigen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft führt, darf sich niemals wiederholen, dass eine Bundesumweltministerin eine ideologisch geführte Kampagne gegen den Berufsstand einleitet. Barbara Hendricks hat jene Kluft zwischen Stadt und Land vertieft, die der Bundespräsident am Tag der Deutschen Einheit in Mainz als gefährlichen Spalt erklärt hat, den es wieder zu kitten gilt. Ein echter Bärendienst, finanziert mit Steuermitteln.

Doch darüber hinaus ging es auch um die Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik nach 2020 und um die Organisation des Brexits. Eine der vielen Konsequenzen des geplanten Ausstiegs Großbritanniens aus der EU wird sein, dass man mit insgesamt knapperen Finanzmitteln auskommen werden muss. Es ist aktuell nicht abzusehen, ob die Mitgliedsstaaten bereit sind, alle Finanzlücken vollständig zu schließen.

Doch die Mitgliedsstaaten sollten unbedingt die Erste Säule mit den wichtigen Direktzahlungen als Fundament der Einkommens- und Risikoabsicherung stabilisieren und stärken. Die Landwirte und Winzer nehmen schließlich eine herausragende Rolle in der Gesellschaft ein. In den ländlichen Räumen ist diese Bedeutung ungleich höher - als Arbeitgeber, als Wirtschaftsfaktor, als tragende Säule des gemeinschaftlichen Zusammenlebens und als Bewahrer und Pfleger der Kulturlandschaften. Damit die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums gesichert werden kann, muss auch die Förderung der Landwirtschaft nachhaltig gestärkt werden.

Um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung zu untermauern, sei auch betont, dass der Produktionswert der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei höher ist als etwa der Produktionswert der Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse. Die Landwirtschaft beschäftigt mehr als 600.000 Menschen und ist somit auch von großer volkswirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Bedeutung. Die Landwirtschaft schafft also Lebensgrundlagen für Mensch und Tier und sorgt für die sichere Versorgung mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln. Dennoch sehen sich die Bauern oft im Fokus gesellschaftlicher Kritik. Sei es, wenn ein illegaler Tiertransport zur Tierquälerei wird, sei es, wenn eine Studie das Insektensterben belegt, oder sei es, wenn das Grundwasser wegen angeblich zu hoher Düngung gesundheitsgefährdend werden könnte.

Dabei wird leider nicht wahrgenommen, dass die bäuerlichen Betriebe bereits die größten Natur- und Umweltschützer sind, indem sie z. B. Agrarumweltmaßnahmen, Greening-Maßnahmen oder auch Vorgaben der neuen Düngeverordnung umsetzen. Es scheint, als hätten viele Menschen nicht begriffen, dass jede zusätzliche Umwelt-, Natur- oder Tierwohlauflage für die Bauernfamilien einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand darstellt und hohe Mehrkosten zur Folge hat. Dass dies in Konsequenz zu Einkommenseinbußen führt, findet in der öffentlichen Wahrnehmung kaum Platz. Somit setzt sich der Berufsstand dafür ein, dass vermehrte öffentliche Leistungen auch entsprechend gefördert und unbürokratisch umgesetzt werden müssen. Aus diesen Gründen ist die systemimmanente Kritik vieler grüner Aktivisten und Lobbyisten an der Landwirtschaft haltlos. Denn der Schutz und die Nutzung der natürlichen Ressourcen - welche Basis jeglicher Landwirtschaft sind - stellen keine Gegensätze dar, sondern sind zwei Seiten einer Medaille. Daher sollte der Wettbewerb unterschiedlicher Systeme fair verlaufen, also ohne Bevormundung der Landwirtschaft.

Für die Gesellschaft bedeutet das: Fairer Dialog bei kontroversen Themen wie Tierwohl oder Pflanzenschutz, aber auch mehr Wertschätzung für die Leistung der Landwirte und ihrer guten Produkte. Landwirte müssen von ihrer Arbeit leben können. Hochwertige und gesunde Lebensmittel haben nun einmal ihren Preis. Die Verbraucher sind daher aufgerufen, von ihrer Marktmacht Gebrauch zu machen. Die tägliche Wahl an der Ladentheke entscheidet über die Zukunft der Landwirtschaft am Standort Deutschland.

Entlang der Wertschöpfungskette sollten nicht nur die Landwirte ihre Verantwortung gegenüber Tierwohl, Natur und Umwelt wahrnehmen, sondern der Lebensmitteleinzelhandel ist auch gefordert und darf seine Marktmacht nicht ausnutzen, um immer niedrigere Discounterpreise durchzusetzen. Und die Verbraucher müssen bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.

Um also die künftigen Aufgaben der betrieblichen Modernisierung, der Ausschöpfung des Potenzials der Digitalisierung oder auch der guten Ausbildung der Fachkräfte zu meistern, muss die Landwirtschaft wieder näher ins Zentrum des politischen Interesses gerückt werden. Die Bauernfamilien sind der Kitt, der Stadt und Land beisammenhält. Sie leisten so einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Daher ist es auch immer wieder bedauerlich, wenn manche Gruppierungen aus ideologischer Verblendung heraus versuchen, die Bauernfamilien an den Rand der Gesellschaft zu drängen.

Für 2018 steht die Bewältigung neuer Herausforderungen an. Die Diskussionen um die künftige Gemeinsame Agrarpolitik der EU und die möglichen Auswirkungen eines Brexits werden sicher zentrale Themen bleiben. Wenn endlich eine neue Regierungsbildung gelingt, bleibt abzuwarten, inwiefern die vermehrten politischen Bekenntnisse zur Stärkung der ländlichen Räume Lippenbekenntnisse sind oder ob sie verlässliche Aussagen darstellen, die nachhaltig dazu beitragen, die Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land gleichwertig auszugestalten.

Als Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau werden wir uns auch künftig einmischen und uns mit ganzer Kraft für die Interessen des Berufsstands einsetzen. Daher ist es sehr wichtig, auch aktiv an der Verbandsarbeit mitzuwirken. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich, herzlich bei allen im Haupt- und Ehrenamt bedanken, die sich mit ganzer Tatkraft engagieren, Zeit investieren und sich für die Belange des Berufsstands einsetzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018.

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Michael Horper
Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau