Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

06.09.2017 - Landesbauerntag 2017

Vertreter aus Politik und Gesellschaft zeigten während des Landesbauerntages Präsenz und informierten sich über die Ziele und die Zukunftsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft.

Zukunft der Landwirtschaft - Politische und betriebliche Strategien

Koblenz. Der erste Landesbauerntag des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau stand unter dem Motto „Zukunft der Landwirtschaft - Politische und betriebliche Strategien“. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes, Michael Horper, freute sich über den großen Zuspruch mit rund 200 Teilnehmern. Häufig würden wichtige landwirtschaftliche Themen überschattet von aktuellen und brisanten Themen der Innen- wie auch der Außenpolitik, führte Horper aus. „Doch die Landwirtschaft darf nicht im Schatten stehen, sie gehört in den Mittelpunkt gesellschaftlicher und politischer Aufmerksamkeit“, bekräftige der Präsident. Daher sei es Ziel des Landesbauerntages, ein gewichtiges Format zu etablieren, um stärkeren Einfluss bei der öffentlichen Meinungsbildung zu haben. Es gehe darum, die Landwirtschaft so zu präsentieren wie sie ist – nämlich modern, lösungsorientiert und innovativ.

In seiner Begrüßung sprach er über die aktuelle landwirtschaftliche Situation auf der „lokalen und weltpolitischen Bühne“: Die Märkte hätten sich grundsätzlich erholt, es werde aber noch viel Zeit benötigt, um die jüngsten Preiseinbrüche auch nachhaltig finanziell bewältigen zu können. Er hoffe auf weiter steigende Erzeugerpreise in allen Produktionsbereichen. Die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik sei ein weiteres wichtiges Thema für die landwirtschaftlichen Unternehmen. Ohne die Mittel der Europäischen Union hätten weitaus mehr Betriebe die Krise der vergangenen beiden Jahre nicht überstanden. Daher werde er sich auf politischer Ebene für eine Kompensation der ausfallenden britischen Finanzmittel durch den Brexit einsetzen. Immerhin sei Großbritannien einer der wichtigsten Nettozahler der Europäischen Union. Nun gelte es Strategien zu erarbeiten, um den Brexit nicht spürbar auf die landwirtschaftlichen Betriebe „durchschlagen“ zu lassen.

Viele landwirtschaftliche Unternehmen hätten auch im Jahr 2017 schwer gelitten. Spätfröste und Trockenheit hätten einige Betriebe hart getroffen. Vor allem die Winzer und Obstbauern hätten die Unbilden des Wetters in Mitleidenschaft gezogen. Einige Unternehmen hätten sogar Totalverluste hinnehmen müssen. Trotz staatlicher Hilfen müssten sie nun eine Durststrecke überleben und auf die kommende Ernte hoffen. Die Futterbaubetriebe könnten nach anfänglich großen Sorgen bezüglich der Futterwerbung nun weitgehend aufatmen. Das nach der Trockenheit eingesetzte Regenwetter habe die fast schon unausweichliche Katastrophe deutlich abgemildert. Die zu erwartende Maisernte werde zusätzlich zur Entspannung beitragen.

Ein weiterer Themenschwerpunkt des bäuerlichen Berufsstandes sei die Digitalisierung des ländlichen Raums. Die Landwirtschaft dürfe auf dem Gebiet der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung nicht abgekoppelt werden. Außerdem trage die Präzisionslandwirtschaft zu einer noch exakteren Verteilung der Dünge- und Pflanzenschutzmittel bei und verbessere somit die umweltfreundliche Produktionsweise der Landwirtschaft.

Scharf kritisierte Horper die öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft. Viele Nichtregierungsorganisationen trügen gemeinsam mit willfährigen Medien zu ungerechtfertigten Denunzierungen der Landwirtschaft bei. Die Landwirtschaft müsse auch weiterhin transparent und ehrlich sein und mit der Gesellschaft kommunizieren.

„Ohne eine leistungsfähige Landwirtschaft wäre unser Staat nicht denkbar“, sagte der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, zu Beginn seines Grußwortes. 4,8 Millionen Menschen würden in Deutschland von der Landwirtschaft leben. 11 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten somit in der Ernährungsbranche. Gleichzeitig seien die Qualität der deutschen Lebensmittel und deren Sicherheit in der Welt einzigartig. Dies sei der Grund, weshalb Deutschland der drittgrößte Exporteur von Lebensmitteln in der Welt sei. Deutschland exportiere Nahrungsmittel im Wert von 70 Milliarden Euro, importiere aber auch gleichzeitig jährlich Waren im Wert von 77 Milliarden Euro. Die Globalisierung lasse sich nicht nur nicht aufhalten, sie sei längst Teil unseres täglichen Lebens. Die gesellschaftliche Debatte um die Landwirtschaft sei indes indiskutabel. Stalleinbrüche bis hin zur Stigmatisierung des landwirtschaftlichen Berufes durch Minderheiten müssten konsequent bekämpft werden: „Wir sind auf dem Gebiet des Tierschutzes spitze in der Welt. Dabei haben wir den Ehrgeiz, diesen sogar noch weiter zu verbessern.“ Eine vorschnelle Umsetzung von weiteren Tierschutzmaßnahmen dürfe nicht zur Vernichtung landwirtschaftlicher Arbeitsplätze führen, wie dies bereits bei der Abschaffung der Hühner-Käfighaltung in Deutschland der Fall gewesen sei. Der Bund gebe 300 Millionen Euro für die Förderung von Ställen aus, die tierschützende Aspekte berücksichtigten. Der Einzelbetrieb könne somit bis zu gut einem Drittel der Baukosten als Förderung erhalten.

Die Landwirtschaft lebe in einer für sie volatilen Umwelt: Klima, Globalisierung, Krankheiten oder Seuchen seien Gründe, die zu stark schwankenden Preisen führen würden. Die hieraus begründete Milchkrise sei halbwegs überwunden und die EU habe erhebliche Finanzmittel bereitgestellt, die nun den landwirtschaftlichen Unternehmen zugute kämen. Bleser nannte dabei die Möglichkeiten der Intervention und Freigabe von Fördermitteln, zusätzliche Liquiditäts- und Entlastungsprogramme, wie zum Beispiel die Absenkung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft. Auch die Gewinnglättung auf drei Jahre sei mittlerweile beschlossen. Nur müsse diese gesetzliche Regelung noch von der Europäischen Union notifiziert werden.

Leider greife Halbwissen und Unverstand auch in der Politik immer mehr um sich. So sei die Diskussion um die Düngeverordnung mit viel Ideologie und wenig Sachverstand geführt worden. In Rheinland-Pfalz sollten alle Ausnahmemöglichkeiten genutzt werden, um die Bauern zu entlasten. Schließlich sei Rheinland-Pfalz insgesamt unschuldig an der Diskussion, die um erhöhte Nitratwerte im Grundwasser geführt werde. So werde sich Bleser dafür einsetzen, dass die Stoffstrombilanz zuerst bei Betrieben mit über 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar umgesetzt werde. Bei der Evaluierung in 2021 müsse dann über die weitere Zukunft und Ausgestaltung der Stoffstrombilanz gesprochen werden.

Auch die bürokratische Belastung der Betriebe müsse reduziert werden - insbesondere bei der Ausgestaltung der ökologischen Vorrangflächen. Eine Reduzierung der Finanzmittel lehne er ab, da der Brexit nicht zu Mittelkürzungen, vor allem in der ersten Säule, führen dürfe. Er freue sich darüber, dass Rheinland-Pfalz ab 2019 von der Anhebung der Direktzahlungen auf Bundesniveau profitiere.

Der Landtagspräsident und ehemalige Landwirtschaftsminister, Hendrik Hering, kritisierte die mangelnden Kenntnisse der Bevölkerung über die Landwirtschaft. Er äußerte sein Unverständnis darüber, dass Tierschützer in den Medien und somit auch in der Politik eine bessere Lobby hätten als die Landwirte. In ihrer Unkenntnis hielten viele Tierschützer ihre Ideen sogar für landwirtschaftsfreundlich, sie seien es aber nicht, denn deren Umsetzbarkeit sei vielfach nicht möglich oder habe negative Folgen für die Betriebe.

Die Globalisierung führe zur Sehnsucht nach Heimat und Identifikation. Die Betriebe der 60er und 70er Jahre würden idealisiert, wobei völlig verkannt werde, dass es den Tieren heute weitaus besser gehe als in jener Zeit: „Manager der Autoindustrie, die Gesetze missachtet hätten, würden mit Glaceehandschuhen angefasst, während die Bauern, die nach guter fachlicher Praxis arbeiten würden, an den Pranger gestellt werden. Das ist ein unhaltbarer Zustand!“ Auch die Digitalisierung im ländlichen Raum müsse den urbanen Regionen angepasst werden. Die Verbraucher ermahnte er, regionale Produkte nicht nur kaufen zu wollen, sondern selbstverständlich dann auch die notwendigen Stallbauten zu akzeptieren, damit regionale Produkte schließlich auch produziert werden könnten. Die Politik forderte er im Hinblick auf die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik auf, die Rahmenbedingungen verlässlich zu gestalten. Immerhin koste die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Arbeitsplatzes doppelt so viel wie in der produzierenden Industrie. Also benötigten die landwirtschaftlichen Unternehmen eine starke erste Säule, da sonst eine flächendeckende Landwirtschaft akut in Gefahr geraten werde. Die gesellschaftlichen Leistungen würden schließlich durch die erste Säule honoriert. Auch dürfe die konventionelle Landwirtschaft nicht stigmatisiert werden: „Wir brauchen beide Formen der Landwirtschaft, die konventionelle und die ökologische. Ein harmonisches Miteinander ist die Grundvoraussetzung für eine starke regionale Landwirtschaft.“

Der Präsident der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftskammer, Norbert Schindler, dankte den berufsständischen Organisationen für ihren Einsatz in der Öffentlichkeitsarbeit. Viele Medien berichteten noch nicht einmal die Unwahrheit, aber sie würden nur über Teile und nicht die volle Wahrheit berichten. Dies sei ein Skandal, der letztlich auch die Medien in eine Krise gestürzt habe. Obwohl gerichtlich nachgewiesen worden sei, dass bei einem Stalleinbruch tote und kranke Tiere in Buchten mit gesunden Tieren verteilt und dann gefilmt worden seien, habe sich die ARD bei dem betroffenen Landwirt noch nicht entschuldigt oder gar eine Richtigstellung veröffentlicht.

Nach seinem Grußwort überreichte Kammerpräsident Schindler dem Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, die Goldene Verdienstmedaille der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz für seine über 20 Jahre währende Arbeit und seinen Einsatz für die landwirtschaftlichen und weinbaulichen Belange in führenden Gremien. Seine verbindliche Art und seine Charakterstärke, die ihn bei vielen persönlichen Angriffen geschützt hätten, rechtfertigten diese Ehrung. Horper bedankte sich und erklärte, dass er stolz über diese Auszeichnung sei. Er verdeutlichte aber, dass alle ehrenamtlichen Menschen im ländlichen Raum, die sich für die Landwirtschaft engagierten, diese Auszeichnung verdient hätten. Seine Arbeit sehe er als Gemeinschaftsleistung und sie könne auch nur in einer Gemeinschaft zum Erfolg führen.

Der bäuerliche Berufsstand war während des Landesbauerntages stark vertreten und formulierte gegenüber den politischen Vertretern seine Forderungen.

Präsident Michael Horper (links) erhielt von Kammerpräsident Norbert Schindler die Goldene Verdienstmedaille der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Bauern- und Winzerfamilien.

Staatsekretär Peter Bleser erklärte, dass die Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft die weltweit besten Qualitäten aufwiesen und auch der Tierschutz vorbildlich sei.

Die Digitalisierung des ländlichen Raumes müsse schnell voranschreiten, damit der technologische Fortschritt in der Landwirtschaft nicht ins Stocken gerate, betonte Landtagspräsident Hendrik Hering.