Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

26.07.2017 - Erntegespräch 2017

Präsident Michael Horper (links) stieß mit seiner diesjährigen Erntebilanz bei Politik, Handel und Medien wieder auf großes Interesse.

Einbußen durch Trockenheit – Ernte wird zügig durchgeführt

Welschbillig. Das Jahr 2017 war wieder ein Jahr der Extreme. Ein viel zu warmer März, ausgeprägte Trockenperioden im April und Mai sowie eine Frostnacht Ende April haben der Landwirtschaft schwer zugesetzt. „Ohne das wechselhafte Wetter ab Mitte Juni hätte die Landwirtschaft mit einer ausgeprägten Missernte rechnen müssen“, erklärte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, während des diesjährigen Erntegespräches vor Vertretern der Politik, des Landeshandels, Bauern und Medienvertretern auf dem Gelände der LSL Agri in Welschbillig.

Der Frühling 2017 war mit 2,1 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel zu warm. Die Niederschlagsmenge mit insgesamt 125 Liter pro Quadratmeter in Rheinland-Pfalz erreichte lediglich 64 Prozent der Niederschlagsmenge. Dabei seien dies nur Durchschnittswerte, erklärte Horper. Die Eifel weise mit unter 20 Litern pro Quadratmeter im April noch deutlich schlechtere Niederschlagswerte auf. Ähnliches gelte auch für den Raum Bad Kreuznach. Hunsrück, Westerwald und Taunus hätten ebenfalls unter der Trockenheit gelitten, hätten aber über Gewitterfronten etwas mehr Regen erhalten. Sehr schlimm habe es den Obstbau getroffen, der in der Nacht zum 21. April erhebliche Frostschäden in der Blüte habe hinnehmen müssen. Im Gegensatz zu den Weinreben, die erfrorene Wachstumstriebe teilweise hätten kompensieren können, hätten viele Obstbaubetriebe Totalschäden erlitten: „Daher habe ich mich persönlich für Hilfen für die Obstbauern eingesetzt und die Einstufung als Naturkatastrophe gefordert. Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing entsprach dem Ansinnen und hat Steuerstundungen, günstige Darlehen sowie finanzielle Hilfen bis 10.000 Euro für die betroffenen Betriebe ermöglicht.“

Die Erzeugerpreise auf den Milch- und Fleischmärkten hätten sich auf mittlerem Niveau stabilisiert mit teilweise steigenden Tendenzen. Nach jahrelangen Tiefpreisen seien nun länger anhaltende höhere Preise notwendig, damit die Betriebsleiter ihre Höfe wieder wirtschaftlich aufbauen könnten.

Der Vorsitzende des Fachausschusses für pflanzliche Produktion, Wilfried Berg, bestätigte, dass sich die Niederschlagsmenge deutlich unter dem langjährigen Mittel bewegt habe, während die Kulturen auf eine nur geringe Winterfeuchtigkeit hätten zurückgreifen können. Der Start in die Vegetationsperiode habe daher unter keinem guten Vorzeichen gestanden.

Während der Erntepressekonferenz erläuterte Präsident Horper den aktuellen Stand zu den einzelnen Getreidearten. Er machte darauf aufmerksam, dass aufgrund örtlich begrenzter Niederschläge die Ernteergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen würden. Für das nördliche Rheinland-Pfalz erwarte er aber eine insgesamt durchschnittliche Wintergerstenernte, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von etwa zehn Prozent entspreche. Die Qualität sei durchaus akzeptabel, zumal der Vollkornanteil meist über 90 Prozent liege. Gerade die Wintergerste habe auf mittleren und schweren Böden noch von der Winterfeuchte profitiert. Die Erträge würden daher weite Spannen von 4 bis über 7,5 Tonnen pro Hektar aufweisen. Die Nettoerzeugerpreise bewegten sich um circa 130 Euro pro Tonne. Die Winterbraugerste bringe hingegen circa 160 Euro pro Tonne netto ein. Sie liege aber noch über 15 Euro pro Tonne unter den augenblicklichen Offerten für die Sommerbraugerste.

Die Sommerbraugerstenfläche habe in Rheinland-Pfalz um circa 2.000 auf 36.000 Hektar zugenommen. Qualitativ würden in diesem Jahr keine Überraschungen erwartet. Aufgrund der Niederschläge im Juni werde die Braugerste in den meisten Regionen von Trockenschäden verschont bleiben. Die Eiweißgehalte würden häufig 12 Prozent überschreiten. Es läge nun am Handel und den Mälzereien, die Stoßgrenzen zu erweitern, damit die wertvolle Braugerste nicht in die Futtertröge wandere. Preislich könnten die Landwirte aktuell mit Erlösen über 175 Euro netto pro Tonne frei Erfasser rechnen. Auch der Winterweizen werde 2017 kaum Spitzenerträge erzielen. Erntemengen über acht Tonnen pro Hektar könnten vereinzelt erreicht werden, allerdings nur in den Gebieten, die über den Frühling hinweg tolerable Niederschlagsverteilungen vorzuweisen hätten. Auch die Eiweißgehalte seien bisher unproblematisch. Bei Brotweizen könne 155 bis 160 Euro pro Tonne erzielt werden. Mit 114.000 Hektar bleibe auch für die Zukunft der Winterweizen die bedeutendste Marktfrucht in Rheinland-Pfalz. Der Roggen habe hingegen mit 8.000 Hektar keine nennenswerte Bedeutung mehr. Bei Preisen um 140 Pro Tonne liege er um mindestens 15 Euro unter dem Brotweizenpreis.

Rapserträge über 3,5 Tonnen pro Hektar, verglichen mit dem langjährigen Mittel von 3,6 Tonnen pro Hektar, würden durchschnittlich erzielt, erklärte Horper. Die Trockenheit habe dem Raps aber sehr zugesetzt, sodass nur lokal Spitzenerträge über 4 Tonnen möglich seien. Die Ölgehalte seien zwar noch nicht bekannt, aber zufriedenstellende Werte über 42 Prozent seien zu erwarten. Die Preise bewegten sich auf einem nicht zufriedenstellenden Niveau von gerade einmal 350 Euro pro Tonne. Mit 44.000 Hektar nehme die Rapsfläche die zweitgrößte Anbaufläche hinter dem Winterweizen in Rheinland-Pfalz ein.

Der Mais entwickele sich sehr gut. Die Trockenheit habe zwar zu Wachstumshemmungen geführt, die aber durch das aktuelle wechselhafte Wetter kompensiert würden. Die kommenden drei Monate seien entscheidend. Horper hoffe aber sehr, dass gute Wachstumsbedingungen die Aufwuchsprobleme des Grünlandes zumindest teilweise kompensieren helfen. Durch die ausgeprägten Trockenphasen im April und Mai seien die ersten beiden Grünschnitte sehr schlecht ausgefallen. Weder Qualität noch Quantität seien zufriedenstellend. Das nunmehr wechselhafte Wetter habe aber die Problematik nicht weiter verschärft, wenngleich viele Betriebe versuchten, nun mit einem weiteren Schnitt die Verluste zu kompensieren. Auch die zu erwartenden guten Maiserträge sowie der Anbau von Zwischenfrüchten könnten das Problem entschärfen. Das Jahr 2017 zeige, wie schnell eine Futterplanung in der Viehhaltung nachhaltig gestört werden könne. Er wies erneut darauf hin, dass die Silomaisfläche 36.000 Hektar in Rheinland-Pfalz umfasse. Das entspreche gerade einmal fünf Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Am Ende seiner Ausführungen erklärte Horper, dass die meisten landwirtschaftlichen Betriebe mit einem „blauen Auge“ davon gekommen seien. Die wechselhafte Witterung im Juni und Juli 2017 hätte eine sich abzeichnende Katastrophe verhindert. Ausgenommen seien die nicht-kompensierbaren Schäden des Obstbaus durch die Fröste Ende April.

Der Geschäftsführer des gastgebenden Landhandelsunternehmens LSL Agri Christian Johanns erläuterte während eines Rundgangs die Bedeutung von LSL Agri als Tochter des Luxemburger genossenschaftlichen Landhandelsunternehmens „De Verband“. LSL schlage im Jahr ca. 40.000 Tonnen an Getreide und Raps im westlichen Rheinland-Pfalz und im Saarland um.

Während des Erntegesprächs führten die LandFrauen unter der Leitung der Kreisvorsitzenden des LandFrauenverbandes Trier, Gertrud Hoffranzen, eine Aktion gegen die Verschwendung von Lebensmitteln durch. Sie verdeutlichten dies anhand billiger Lebensmittel, den Verbraucher allein schon aufgrund des katastrophal niedrigen Preises dazu verleiten könnten, verschwenderisch mit ihnen umzugehen. Es sei beschämend, dass eine insgesamt reiche Gesellschaft die nahezu gleichen Preise für Lebensmittel ausgeben würde wie vor 50 Jahren. Präsident Michael Horper unterstütze diese Aktion und dankte für die Solidarität der LandFrauen in dieser für Deutschland so wichtigen gesellschaftlichen Thematik. Hoffranzen betonte, dass die Menschen in unserem Lande, unabhängig vom Preis der Lebensmittel, diese wieder schätzen lernen müssten. Lebensmittel seien keine Selbstverständlichkeit. Sie seien wertvoll und für den Erhalt unseres Lebens genauso wichtig wie Luft und Wasser.

Die LandFrauen aus Trier unter der Leitung von Gertrud Hoffranzen (2. von links) und Landfrauenpräsidentin Rita Lanius-Heck (Mitte) fordern mit ihrer Aktion gegen Billigpreise mehr Respekt gegenüber Lebensmittel ein.