Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

02.06.2017 - Horper fordert Anerkennung der Frostschäden als Naturkatastrophe

Stefan Müller (rechts) erläutert Staatsekretär Andy Becht und Präsident Michael Horper das Ausmaß der Frostschäden für seinen Betrieb.

Obstbauern stehen vor sehr schwierigem Jahr

Grafschaft-Oeverich. „Der schwere Frost während der Obstblüte Ende April hat zu gravierenden Schäden im Obstbau in Rheinland-Pfalz geführt“, erklärte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper. Bei einem Besuch auf dem Obstbaubetrieb der Familie Bruno Müller in Grafschaft-Oeverich zeigte er sich zusammen mit Agrarstaatssekretär Andy Becht vom Landwirtschaftsministerium in Rheinland-Pfalz schockiert über das Ausmaß der Schäden.

Horper dankte dem Staatsekretär, dass das Land bereits steuerliche Erleichterungen in Aussicht gestellt habe. Auch die landwirtschaftliche Rentenbank böte zinsgünstige Liquiditätsdarlehen an. „Das können nur erste Schritte sein“, betonte Horper, „denn die Schäden in allen Kulturen sind so existenzgefährdend, dass zinsverbilligte Darlehen und steuerliche Erleichterung nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sind“. Vielmehr sei es wichtig, die Schadsituation als Naturkatastrophe anzuerkennen, wie es das Bundesland Baden-Württemberg bereits getan habe. Mittelfristig müsste den Betrieben ein Zuschuss für Versicherungen gegen Frost gewährt werden, damit die Bauernfamilien Frostschäden auch wirtschaftlich absichern könnten. Das sei bisher wirtschaftlich überhaupt nicht darstellbar. Die Nachbarstaaten, wie beispielsweise Luxemburg oder die Niederlande, würden ihren Bauern auf diese Weise bereits seit Jahren helfen. Die aktuelle Situation zeige auch wie wichtig eine gute Beratung sei. Der Beratungs-, Versuchs- und Schulstandort am Kompetenzzentrum in Klein Altendorf müsse daher auch langfristig erhalten und ausgebaut werden.

Staatssekretär Andy Becht betonte, dass die Landesregierung seit der letzten Wahl den durch äußere Ereignisse gebeutelten Bauernfamilien stets geholfen habe. Er zeigte angesichts der Frostsituation großes Verständnis für die Betriebe und werde die Ausrufung einer Naturkatastrophe wohlwollend prüfen. Die Regierung habe bereits steuerliche Hilfen und zinsgünstige Sonderkredite zugesagt, bzw. unterstützt. An der künftigen Vermeidung derart betriebsgefährdender Situationen müsse gearbeitet werden. Auch würden der Standort in Klein-Altendorf und die Beratungsinfrastruktur erhalten bleiben. Über die rechtliche und organisatorische Ausgestaltung werde noch diskutiert werden müssen, machte Becht deutlich.

Eine Soforthilfe forderte der Präsident des Zentralverbandes Gartenbau Jürgen Mertz: „Wer eine Jahresernte verliert, steht vor großen Problemen. Darlehen alleine genügen nicht, um die existenziellen Probleme vieler Bauernfamilien zu lösen“. Künftig müssten die Obstbauern in allen EU-Staaten die gleichen Chancen haben, um ihre Risiken abzusichern. Die deutschen Obstbauern seien hier zur Zeit noch deutlich im Nachteil. Die Betriebe seien gut aufgestellt und hätten Zukunftsperspektiven. Sie würden aber die gleichen Möglichkeiten wie ihre Nachbarn einfordern.

„Auch wenn die exakten Schäden erst zur Ernte genau festgestellt werden könnten, sind Schäden bis hin zu Totalausfällen keine Ausnahme“, erklärte Norbert Schäfer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Obstbau. „Das heißt, die laufenden Kosten für Kulturmaßnahmen müssen weiter aufgebracht werden, aber dieses Jahr wird ein Jahr ohne Einkommen“. Woher solle das Geld dafür kommen, fragte Schäfer, jetzt liege es an der Politik zu handeln und die Betriebe zu unterstützen. Uns Obstbauern sei bewusst, dass Finanzmittel nicht von heute auf morgen zur Verfügung gestellt werden könnten - hierfür seien die von der Rentenbank angedachten Überbrückungskredite sinnvoll und notwendig. Am Ende müsse aber eine echte finanzielle Unterstützung stehen. Die Ausrufung der Naturkatastrophe würde dabei den Betrieben sehr helfen. „Sowohl die wirtschaftliche Hilfe in dieser Katastrophe als auch die Sicherstellung der Beratung mit exzellenten Beratungskonzepten sind hilfreiche überlebenswichtige Bausteine für viele landwirtschaftliche Betriebe. Dies zeigt wieder einmal die Bedeutung des Kompetenzzentrums Klein-Altendorf für die Obstbauern im Land“.

Der künftige Betriebsleiter Stefan Müller erläuterte die Situation seines Betriebes und verdeutlichte, dass er sehr viel unternehme, um die Ernte abzusichern. So seien beispielsweise bereits 50 Prozent der Kernobstfläche mit Hagelschutznetzen geschützt. Dem massiven Frosteinbruch Ende April sei er allerdings hilflos ausgeliefert gewesen. Auch für eine Frostschutzberegnung habe das Wasser nicht ausgereicht. Nun stehe er vor dem Dilemma, dass er bei Schädigungen von über 70 Prozent seiner Ernte den Betrieb nicht auslasten und die Kosten bei Weitem nicht decken könne. Die Betriebe benötigten dringend wirtschaftliche Unterstützung, um auch den jungen Betriebsleitern Perspektiven zu bieten, die gerade im Obstbau grundsätzlich eine Zukunft sehen würden.

Staatssekretär Andy Becht nahm die Sorgen der Betriebsleiter ernst und sagte zu, alle Vorschläge zu prüfen und Lösungen im Sinne der Obstbaubetriebe voranzutreiben.