Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

11.01.2017 - Agrarfinanztagung in Schönecken

Gerade in schwierigen Zeiten gilt: miteinander reden - gemeinsam handeln

Schönecken. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV), Michael Horper, kritisierte auf der von der Volks- und Raiffeisenbank im Eifelkreis Bitburg Prüm und vom BWV organisierten Agrarfinanztagung in Schönecken die immer wieder der Gesellschaft präsentierten Skandalbilder einiger widerrechtlich handelnder Aktivisten. Zwar sei die Landwirtschaft kein Kuschelzoo, was aber hier verallgemeinernd tierquälerisch dargestellt werde, sei pauschal, abwertend und ehrabschneidend. Die vielfältigen Anforderung an die Landwirtschaft durch die Gesellschaft, wie beispielsweise Investitionen in Tierwohlmaßnahmen, Düngeeinschränkungen oder vermögensverzehrende Auflagen, würden den betroffenen Betrieben viel Geld kosten. Er fordere daher die Politik weiterhin auf, den Betrieben künftig den Aufbau steuerlich begünstigter Rücklagen zu ermöglichen.

Die Agrarfinanztagung setzte interessante Impulse für die Betriebsleiter. So war der Grundkonsens der Veranstaltung, dass auch in schwierigen Zeiten das Gespräch zwischen Landwirten und Banken gesucht werden müsse.

Andreas Theis, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Eifel, sieht die Landwirtschaft als Zukunftsbranche. „Globale Perspektiven und steigende Bevölkerungszahlen lassen trotz kurzfristiger Preisschwankungen langfristig steigende Erzeugerpreise erwarten. Allerdings sind die niedrigen Erzeugerpreise der letzten beiden Jahre auch an den Banken nicht spurlos vorübergegangen.“ Er erwarte aber wieder steigende Preise, die für die Betriebe auch äußerst wichtig seien. Neben den gesellschaftlichen Anforderungen müsse zuerst die unternehmerische und betriebswirtschaftliche Führung eines Agrarbetriebes „stimmen“. Auch müssten Produktionsprozesse ständig kritisch überprüft und überwacht werden. Deshalb sei eine permanente Weiterbildung von besonderer Bedeutung.

Professor Dr. Rainer Langosch von der Hochschule Neubrandenburg betrachtete in seinen Erläuterungen den Landwirt als wirtschaftlich denkenden und handelnden Unternehmer. Basis für eine unternehmerische Entwicklung sei das landwirtschaftliche Unternehmen. Die Umwelteinflüsse, also die Welt, die den Betrieb umgebe, beeinflussen die Bewirtschaftung und verändern den unternehmerischen Erfolg.

Langosch machte deutlich, dass zunächst das eigene Unternehmen wirtschaftlich beherrscht werden müsse. Darüber hinaus müsse sich jeder Betriebsleiter Gedanken über das Marktverhalten seiner Branche machen. An einem Beispiel zeigte er den Teilnehmern auf, wie ein Unternehmer auf der Basis der eigenen Unternehmensanalyse ein effektives und erfolgreiches Bankengespräch bestreiten könne. Er betonte, dass sowohl der Erzeugerpreis, als auch die Produktmenge, der Betriebsmitteleinsatz und die -kosten erheblichen Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg hätten. Der Landwirt habe also vielfältige Möglichkeiten sein Betriebsergebnis zu verbessern. Ein Unternehmer müsse aus Fehlern Konsequenzen ziehen, den Blick in die Zukunft richten und seine Entscheidungen strategisch ausrichten.

„Kopf hoch in schwieriger Zeit“ - mit diesem Referat verdeutlichte der Journalist Detlef Passeick, dass sich Landwirte der öffentlichen Meinung stellen müssten. Schließlich sei der Betriebsleiter mit seinem Unternehmen authentisch und glaubwürdig. Er solle vor Ort selbst Überzeugungsarbeit leisten. Dabei müssten Sachverhalte positiv dargestellt werden. Beispielsweise müsse man im Vorfeld eines geplanten Stallneubaus Gespräche mit Nichtlandwirten, Nachbarn und auch Behörden gesucht und Einblicke in die betrieblichen Abläufe gewährt werden. Insgesamt sei auf die Belange der Kritiker einzugehen und seien diese ernst zu nehmen. So könnten Vertrauen geschaffen und Sorgen abgebaut werden. Die Betriebe müssten deshalb der Öffentlichkeitsarbeit einen breiteren Raum einräumen.

Johann Kalverkamp, Vorstand der VR Agrar- Beratung in Lingen empfahl bei einer wirtschaftlich bedenklichen Entwicklung eines Betriebes, frühzeitig ein Gespräch mit der Bank zu suchen. Die Kunden-Bank-Beziehung dürfe nicht unterschätzt werden. Dabei sei der offene Austausch von Informationen die Grundlage wichtiger und wirtschaftlich sinnvoller Lösungen. Ein Bankmitarbeiter, der Vertrauen in seinen Kunden habe, sei eher bereit wirtschaftlich in Bedrängnis geratene Unternehmer zu unterstützen.

Die Teilnehmer konnten sich während der Veranstaltung in Diskussionsrunden einbringen und den Verantwortlichen der Banken aber auch den anwesenden Vertretern der Molkereien Winfried Meier und Helmut Stuck ihre Anliegen erläutern. Somit trug die Agrarfinanztagung zum gegenseitigen Verständnis für das Handeln der Marktpartner bei.