Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

29.09.2016 - Grußwort zum Erntedankfest

Witterung und Preise machen dem Berufsstand zu schaffen

Liebe Bäuerinnen und Bauern,
liebe Winzerinnen und Winzer,
liebe Landfrauen, liebe Landjugendliche,

das Erntedankfest 2016 liegt vor uns und wir werden unser Fest gebührend feiern. Wir haben gearbeitet, gehofft und gebangt, manchmal auch dem Wetter die Stirn geboten, vor allem aber haben wir versucht, alles richtig zu machen, um Qualität zu erzeugen und diese zu ordentlichen Preisen zu verkaufen.

Aber es gibt nun einmal Dinge, die wir nicht beeinflussen können. So bereitete uns die diesjährige Ernte große Sorgen. Der lang anhaltende Regen führte vielerorts zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Die Natur zeigte uns wieder unsere Grenzen auf, zumal wir im Frühjahr bei einem hervorragenden Start in die Vegetationsperiode auf eine besonders gute Ernte hoffen durften. Aber wie jedes Jahr wird erst nach der Ernte „abgerechnet“.

Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hätten viele Bauern und Winzer mit Totalausfällen rechnen müssen. Gerade die hohe Luftfeuchtigkeit und das warme Wetter sorgten für ein regelrechtes „Dauerfeuer“ durch Pilze. Davon wissen Sie alle, ob Bauer oder Winzer, ein Lied zu singen. Besonders hart waren in diesem Jahr die ökologisch wirtschaftenden Berufskollegen betroffen, die nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten des Pflanzenschutzmitteleinsatzes haben. So haben beispielsweise der Falsche Mehltau im Weinbau und die Phytophtora im Ackerbau zu Einbußen geführt. Auch die Kirschessigfliege bereitet uns Sorgen. So wurden Süßkirschenbestände bereits stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die Diskussion um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, für die stellvertretend das Mittel Glyphosat steht, ist eine deutsche Luxusdiskussion. Ein Mittel in Misskredit zu bringen, um die Pflanzenschutzindustrie zu attackieren, ist nicht nur dreist, sondern angesichts der hier stark reglementierten Landwirtschaft und den sachkundigen Landwirten und Winzern geradezu ignorant. Das Jahr 2016 hat uns gezeigt, dass wir bei extremer Witterung an die Grenzen des Möglichen stoßen. Das habe ich bei jeder Gelegenheit gegenüber der Politik und den Medien auch deutlich vertreten.

Die Getreidepreise lassen zu wünschen übrig. Obwohl die Ernte im gesamten mittel- und westeuropäischen Bereich schlecht - wie in Frankreich - oder durchschnittlich - wie in Deutschland - ausgefallen ist, haben weltweit gute Ernten - wie zum Beispiel in Osteuropa - für enormen Preisdruck gesorgt. Dies zeigt wieder einmal, dass sich der globale Handel nicht ignorieren lässt. Die Ernten in den Vereinigten Staaten oder in der Schwarzmeerregion haben wesentlich mehr Einfluss auf die Weltmarktpreise als die Ernten in Westeuropa.

Die Situation am Milchmarkt kann im Jahr 2016 nur als desolat bezeichnet werden. Der Lebensmitteleinzelhandel hat wieder einmal sein wahres Gesicht hinter der der Öffentlichkeit gegenüber zur Schau gestellten freundlichen Maske gezeigt. Auf die Bauernfamilien nimmt der LEH keine Rücksicht, damit er weiterhin hochwertige Lebensmittel zu Billigstpreisen verramschen kann.

Erfreulicher zeigt sich die Preisentwicklung auf dem Schweinesektor. Diese Entwicklung war angesichts der jahrelangen Durststrecke auch dringend notwendig. Es wäre zu wünschen, dass sich diese positive Entwicklung auf unbestimmte Zeit fortsetzen wird.

Ähnlich einer Fußballweltmeisterschaft, wenn es Millionen von Bundestrainern gibt, leben in Deutschland offensichtlich „80 Millionen Bauern“ aber nur 300.000 Fachleute. Daher steht die Landwirtschaft kontinuierlich im Fokus der Öffentlichkeit und muss sich ohne Unterlass mit ihr auseinandersetzen. Sachlich betrachtet, bietet das Interesse der Menschen in unserem Land an der Landwirtschaft und dem Weinbau die Chance, dass wir bei der Präsentation unserer wirklich meisterlichen Arbeit und unserer Leistungen „offene Türen“ einrennen können. Das tun wir auch und dafür möchte ich allen herzlich danken, die Öffentlichkeitsarbeit für unseren Berufsstand betreiben.

Mit Abscheu erfüllen mich hingegen aber diejenigen Mitbürger, denen es nicht um die Sache und fachliche Inhalte geht, sondern nur darum, eigene Interessen durchzusetzen oder sich auf dem Rücken von Bauern und Winzern zu profilieren. Selbstverständlich müssen wir Bauern und Winzer mit unserer Arbeit Rücksicht auf unsere Nachbarn nehmen. Niemand bringt Gülle am Wochenende auf ortsnahe Felder aus, wenn sich das vermeiden lässt. Umgekehrt lassen wir uns die Düngung unserer Felder und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach guter fachlicher Praxis aber auch nicht verbieten. Schließlich stehen wir damit im Konsens der Bevölkerungsmehrheit, die eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft wünscht. Bürgerinitiativen, die sich den Fakten verschließen oder Nichtregierungsorganisationen mit kaum mehr nachvollziehbaren ideologischen Hintergründen arbeiten häufig suggestiv und wollen von „ihrer Politik“ ohnehin nicht abrücken. Umso wichtiger ist es, dass Sie, liebe Berufskolleginnen und -kollegen, Ihren Vorsitzenden in den Kreisen helfen. Während Kritiker der Landwirtschaft beispielweise mit Leserbriefen unterstützt werden, stehen bäuerliche Interessenvertreter gegenüber der Öffentlichkeit häufig alleine da. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Meinung zu vertreten und diese über Leserbriefe zu veröffentlichen.

Die politische Arbeit wird immer schwieriger, weil manche Ministerien von fachfremden Persönlichkeiten geführt werden. So sind die Aussagen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, wonach der Mais für Überschwemmungskatastrophen verantwortlich sei, ebenso indiskutabel, wie ihr Vorstoß, das Baugesetzbuch zu verschärfen, um Stallneubauten zu verhindern. Wahlkampfpolemik und politische Profilierung auf dem Rücken unseres Berufsstands sind unverschämt und machen mich wütend. Solche ungerechtfertigten Vorstöße sollten wir uns nicht gefallen lassen. Gott sei Dank gibt es auch verantwortungsbewusste Politikerinnen und Politiker, die mir den Glauben an eine bürgernahe und problemorientierte Politik erhalten.

Es ist eine Aufgabe der Politik, Regelungen und Auflagen praxisgerechter zu gestalten. Es macht beispielsweise keinen Sinn, dass mit Gras und Grünfutter bewachsene Acker- und Rebflächen bereits nach fünf Jahren zu Dauergrünland umgewidmet werden. Seit Jahren kämpfen wir gegen diesen Umstand an. Ich begrüße daher den Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der diesbezüglich bei EU-Agrar-Kommissar Phil Hogan vorstellig geworden ist. Es wäre auch ein Zeichen im Sinne des politisch und gesellschaftlich gewollten Bürokratieabbaus, solche Verwaltungsauswüchse endlich zu beenden.

Die Liste der berufsständischen Arbeit ist sehr lang und vielfältig. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau ist - von produktionstechnischen Fragen abgesehen - Ihr Ansprechpartner in fast allen Themenbereichen der Landwirtschaft und des Weinbaus. Schließlich ist der Verband die Summe seiner Mitglieder und seiner Anliegen. In diesem Sinne kämpfen wir weiterhin für die gerechtfertigten Ziele der Bauern- und Winzerfamilien.

Ich wünsche Ihnen, liebe Bäuerinnen und Bauern, Winzerinnen und Winzer und Landjugendliche, alles Gute für die aktuelle und noch anstehende Aussaat und Glück im Stall. Ich danke allen, die sich für die kontinuierliche Verbesserung des Images der Landwirtschaft und des Weinbaus einsetzen und mithelfen, die Interessen der Erzeuger gegenüber der Politik und der Gesellschaft zu vertreten.

Ich lade Sie herzlich zum Erntedankfest des bäuerlichen Berufsstands am 01. Oktober in Trier ein. Ich würde mich sehr freuen, Sie beim Erntedankgottesdienst um 13 Uhr im Trierer Dom begrüßen zu dürfen. Anschließend findet der Festumzug zur Porta Nigra statt, wo schließlich gegen 15 Uhr dem Oberbürgermeister die Erntekrone überreicht wird.

Michael Horper

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau