Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

11.08.2016 - Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände

Kreisjagdmeister und Kreisjagdbeiräte sind jetzt gefragt!

Koblenz. Das Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für das Jagdjahr 2016/2017 wurde aktuell seitens des Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) veröffentlicht. Damit gibt es wieder eine gemeinsame Bejagungsempfehlung der Verbände und der Verwaltung. Als Verbände haben die Interessengemeinschaft für Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im BWV Rheinland-Nassau e.V., die Fachgruppe Jagdgenossenschaften im BWV Rheinland-Pfalz-Süd e.V., der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, der Ökologische Jagdverband Rheinland-Pfalz e.V., der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. und der Landesverband der Berufsjäger Rheinland-Pfalz/Saarland e.V. unterzeichnet. Die beiden letzten Gruppierungen sind neu hinzugekommen. Von Seiten der staatlichen Verwaltung haben die Oberste Jagdbehörde und die Oberste Veterinärbehörde unterzeichnet und damit bekundet, den Appell mitzutragen.

Erstmals sollen vor Ort in den Landkreisen unter der Leitung des jeweiligen Kreisjagdmeisters/der jeweiligen Kreisjagdmeisterin „Runde Tische Schwarzwild“ eingerichtet werden, um mit den Betroffenen (Jägern, Jagdrechtsinhabern, Landwirten/Winzern, Behörden und Forstwirtschaft) die verschiedenen Maßnahmen zur Schwarzwildbejagung zu erörtern und gegebenenfalls eine „Aktionsgemeinschaften Schwarzwild“ zu gründen. Das Handlungsprogramm zeigt dabei mögliche Punkte auf, die vor Ort z.B. von der Aktionsgemeinschaft ergriffen werden können, um die Bejagung von Schwarzwild zu erleichtern und zu verbessern. Die Unterzeichner sind sich einig, dass trotz in weiten Teilen durchaus erkennbarem Engagement der Jäger in Abstimmung mit den Jagdgenossenschaften und Landwirten vor Ort, die tatsächliche Umsetzung der Empfehlungen, die es mit Ausnahme des Jahres 2015 seit 1999 gibt, in der Fläche nach wie vor nicht gegeben sei. Im Gegenteil, die Jagdstrecken würden sogar zeigen, dass der Anstieg sich mit den bekannten jahreszeitlichen Schwankungen weiter fortsetze, was in der Summe nahezu überall auf einen weiteren Anstieg der Population schließen lasse.

Dem entgegenzuwirken sei nach wie vor das Ziel aller, da zum einen die Schwarzwildschäden an landwirtschaftlichen und weinbaulichen Kulturen reduziert, das Risiko der Ausbreitung einer Tierseuche verringert und die Gefahr der Verkehrsunfälle gemindert werden müsse. Zusätzlich zu den bereits in den Vorgängerversionen der Handlungsempfehlung vorgesehenen Bausteinen werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Die Kreise sollen prüfen, ob die Frischlings-Bejagung unterstützt werden kann. Hier kann u.a. der Gestaltungsspielraum bei den Gebühren für die Trichinenbeschau genutzt werden. Ein aktuelles Beispiel wie das gehen kann, zeigt der Beschluss des Kreises Südliche Weinstraße, wo der Trichinenbeschau für Frischlinge sogar erstattet wird. Als weiteren Ansatzpunkt die Bejagung zu erleichtern, hat die Jägerseite vorschlagen, die sogenannten Schweiß- bzw. Nachsuchhunde von der Hundesteuer zu befreien. Auch dies ist Sache der Kreise. Erstmalig wird auch klar betont, dass für Bewegungsjagden Schützen notwendig sind, die ihre Schießfertigkeit hinreichend trainiert haben. Im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht der Jagdausübungsberechtigten soll vor Ort außerdem auf eine kostengünstige Genehmigungs- und Beschilderungspraxis hingearbeitet werden. Hier muss mit den örtlichen Stellen des Landesbetriebs Mobilität gesprochen werden und unbürokratische Lösungen, wie z.B. die Bereitstellung eines Wagens mit Schildern für Drück- und Treibjagden, sollten angedacht werden.

Auch wenn durch das Handlungsprogramm das Problem der ansteigenden Schwarzwildpopulation und zunehmende Wildschäden, aber auch Schäden auf der Straße und im privaten Bereich nicht überall und endgültig gelöst werden können, wurde das Papier fortgeschrieben. Nun liegt es in den Kreisen über die dort vorhandenen Gremien, u.a. Kreisjagdbeiräte ein Aktionsbündnis zu gründen und das Handlungsprogramm mit Leben zu erfüllen. Hier könne auch der unterschiedlichen Situation in den Revieren besser Rechnung getragen werden und es werden Spielräume für neue Ideen und Vorgehensweisen vor Ort eröffnet, waren sich die Unterzeichner einig.

Um die Entwicklungen, die aus dem neustrukturierten Papier entstehen, besser auswerten zu können, sind die Unterzeichner außerdem übereingekommen, bereits im Dezember 2016/Januar 2017 erneut zusammenzukommen, um dann für das nächste Jagdjahr das Handlungsprogramm fortzuentwickeln.

Das Handlungsprogramm