Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

11.05.2016 - Milchwirtschaft

Massive Kritik an Milchpreissenkung im Handel

Bonn/Koblenz. Die jüngste Preissenkungsrunde für Milcherzeugnisse im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist auf scharfe Kritik und Unverständnis gestoßen. Am Montag vergangener Woche hatten die Discounter Aldi und Norma ihren Preis für einen Liter Vollmilch im Einstiegssegment von 59 Cent auf 46 Cent und damit um 22 Prozent gesenkt.

Zudem verbilligte sich das 250-g-Päckchen Butter von 75 Cent auf 70 Cent, und auch Schlagsahne, Kondensmilch, Kräuterquark und Joghurt wurden günstiger. Aldi Süd und Nord begründeten dies in einer Presseerklärung mit dem Überangebot auf dem globalen Milchmarkt. Die Molkereien hätten deshalb die Milch billiger angeboten, und es gehöre zu den Grundsätzen des Unternehmens, günstigere Einkaufspreise an die Verbraucher weiterzugeben. Der Handelskonzern verwies darauf, dass er nicht für das aktuelle Überangebot an Rohmilch verantwortlich.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau Michael Horper, kritisierte das Verhalten des Handels auf das Schärfste: „Der LEH hat auch eine soziale Verpflichtung gegenüber den Erzeugern von Nahrungsmitteln. Dieser wird der Handel in keiner Weise gerecht. Stattdessen nutzt er die aktuelle Situation schamlos aus.“ Wer Nachhaltigkeit fordere, müsse auch auskömmliche Preise zahlen. „Fairtrade-Kampagnen“ müssten auch für den heimischen Markt gelten und die Landwirte „fair“ entlohnt werden. Die Molkereien forderte er auf, besseres Verhandlungsgeschick an den Tag zu legen. Gerade die großen Molkereien hätten mittlerweile eine Marktmacht an der auch die Discounter nicht vorbeikämen. Hier sei mehr Mut und mehr Rückgrat angesagt, so Horper.

Die Molkereien seien gefordert alles zu tun, um bessere Preise durchzusetzen und Marktpreise gegen hohe Preisschwankungen abzusichern. Von der Entwicklung neuer werthaltiger Produkte über die Anpassung der Lieferbedingungen zwischen Molkereien und Milcherzeugern bis hin zum stärkeren Engagement an Warenterminbörsen und der Schaffung von Preissicherungsmodellen für die Lieferanten gebe es einen bunten Strauß an Möglichkeiten. Aber auch die Milchbauern müssten erkennen, dass nicht jede Marktordnung immer hilfreich sei. „Und das Kartellamt muss schneller und härter eingreifen, um die ungesunde Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels zu brechen, die offenkundig nur darauf abzielt, die Erzeuger langfristig zu vernichten,“ so Präsident Horper abschließend.